Atombombenexplosion - Foto: Imago

2022: Der Krieg vor dem größeren Krieg

Es ist der Krieg in der Ukraine, der das Jahr 2022 geprägt und bestimmt hat. Das ist nicht nur aus deutscher Sicht so, sondern auch weltpolitisch eine Tatsache.
Von Wolfgang Hübner
Der von den USA dominierte Westen hat mit seiner massiven militärischen und finanziellen Unterstützung der Ukraine die Brücken zu Russland abgebrochen, Moskau endgültig an die Seite Chinas gedrängt und damit die Frontstellung für einen möglichen viel größeren Krieg festgelegt: Die NATO samt Australien und Japan gegen Russland und China. Ob es zu diesem Krieg kommen wird, welchen Verlauf er haben kann und welche Staaten noch in diesen hineingezogen werden könnten, ist offen. Doch wird es schwieriger sein, ihn zu verhindern als ihn in Gang zu setzen, denn das geschieht bereits.
Es geschieht vor allem aus zwei Gründen: Die USA unter Präsident Biden ist offenbar entschlossen, das längst völlig von ihr abhängig gewordene Regime in Kiew auch trotz der immer größer werdenden Gefahr einer direkten militärischen Konfrontation mit Russland zu unterstützen und an der Macht zu halten. Zum anderen sind sowohl Russland wie China, aber auch andere große und wichtige Staaten bemüht, sich aus dem Würgegriff der Dollardominanz zu befreien. Diese aber ist für die USA unverzichtbar für Aufrechterhaltung ihrer beherrschenden militärischen und ökonomischen Weltmachtposition. Es kann keinen Zweifel geben: Für die Verteidigung der Dollardominanz ist jede denkbare Führung in Washington zum äußersten Risiko bereit, also auch zum Krieg.
Da der Krieg unter hochgerüsteten Atommächten mit der hohen Gefahr der Selbstzerstörung verbunden ist, wird der Konflikt so lange wie möglich in Stellvertreterkriegen ausgetragen, das Geschehen in Ukraine dokumentiert das aktuell jeden Tag. Da sich mit gewisser Ausnahme der Atommächte Frankreich und Großbritannien, beides innerlich brüchige Staaten, EU-Europa wider jede Selbstbehauptung zum US-Vasall reduziert hat, kann eine Eskalation des Ukraine-Krieges diesen Stellvertreterkrieg auch in andere Staaten des vergreisenden Kontinents führen, zum Beispiel nach Deutschland. Dessen Machtkomplex hat sich den USA auf Gedeih und Verderb unterworfen, die deutsche politische und ökonomische Führung hat dafür fundamentale Eigeninteressen geopfert.
Weder Russland noch China, doch auch nicht Indien, Afrika oder Südamerika sind willens, sich den USA fernerhin so auszuliefern wie in der Vergangenheit. Das ist für die aggressiven Strategen der Biden-Regierung ein Problem, für das es auf längere Sicht keine erfolgversprechende Lösung gibt. Umso verlockender kann es deshalb für die amerikanische Weltmacht sein, zumindest die beiden Hauptfeinde Russland und China zu schwächen oder gar diese Großreiche mit inneren Erschütterungen und äußerem Druck zu zerschlagen, so lange das noch möglich erscheint. Wenn die US-Eliten künftig der Überzeugung sein sollten, das nicht mehr erreichen zu können, wird es weitere Stellvertreterkriege oder gar den finalen Krieg geben. Keine guten Aussichten für 2023.

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