Alexander Kekule (Foto: Imago)

„Größtes Staatsversagen aller Zeiten“: Kekulé fordert Untersuchungsauschuss

Alexander Kekulé Packt die „Bazooka“ aus: In einem Interview mit der Welt rechnet er mit der deutschen Pandemiepolitik und auch seinem Virologen-Kollegen Drosten ab. Er spricht von monströser Geldverschwendung, völlig überzogenen Eingriffen in die Freiheitsrechte, zu vielen Toten und fordert einen Untersuchungsausschuss, um „für künftige Krisen zu lernen“.

Für Alexander Kekulé ist klar: Die Pandemie ist bereits seit Januar 2022 keine pandemische Notlage mehr. Der Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts von Anfang Dezember zeige klar, daß „sich im stationären Bereich bereits seit Januar 2022 „keine erhöhte Krankheitslast durch schwere Atemwegsinfektionen“ mehr zeigte. Corona belastet also das Gesundheitssystem nicht mehr. Da es mit der Omikron-Variante auch keine Übersterblichkeit mehr gab, sind wir seit Frühjahr 2022 nicht mehr in einer pandemischen Notlage,“, erklärt Kekulé.

Sein Urteil über das Vorgehen der deutschen Regierung ist vernichtend, der Preis für die Maßnahmen zu hoch gewesen: „Wir haben zum einen sehr viel Geld ausgegeben. Die Exekutive hat die Wirtschaft heruntergefahren und auch die Grundrechte der Bürger massiv beschnitten. Dabei wurde teilweise sogar gegen das Grundgesetz verstoßen, wie die Gerichte im Nachhinein feststellten. Angesichts dieses enormen Aufwands haben wir relativ wenig erreicht. Mit einem der besten Gesundheitssysteme der Welt stehen wir zwar etwas besser da als einige unserer Nachbarstaaten. Aber vom Ergebnis her sind 163.000 Tote nicht akzeptabel. Es gab andere Länder, die mehr auf die Vernunft des Einzelnen setzten und mit weniger Einschränkungen vergleichbare oder bessere Resultate erzielten“, sagt er mit Blick auf Schweden und Japan, die auf die Eigenverantwortung der Bürger setzten statt auf staatlichen Zwang.

„Viele Tote und ein erheblicher Teil des sozialen und wirtschaftlichen Kollateralschadens wären vermeidbar gewesen. Es geht hier ja um zwei konkurrierende Grundrechte, das auf körperliche Unversehrtheit und die persönliche Freiheit. Neben dem unzulänglichen Gesundheitsschutz hat der Staat auch die Freiheitsrechte verletzt, ohne dass dies wissenschaftlich begründet oder verhältnismäßig war. Ich erinnere an die 15-Kilometerleine, das Maskentragen im Park, die allgemeine Ausgangssperre. Das waren Dinge, die keine wissenschaftliche Basis hatten. Bemerkenswerterweise haben viele Länder der Erde ähnliche Fehler gemacht, sie sind wie die Lemminge falschen Vorstellungen hinterhergelaufen. Aus meiner Sicht handelt es sich hier um das bisher größte kollektive Staatsversagen der Geschichte“ so der 64-jährige Mediziner, der einen Untersuchungsausschuss fordert, um künftig solch schweres Fehlverhalten zu vermeiden.

Auch an „der Wissenschaft“ und seinem Kollegen Drosten läßt der Epidemiologe und Biochemiker kein gutes Haar. Insbesondere die Zahl von „einer Million Tote“, von denen Drosten ohne seine Maßnahmenpolitik schwabuliert, kann er sich nicht erklären: „Ich kann die Rechnung auch nicht nachvollziehen. Bei 83 Millionen Einwohnern käme man nur dann auf eine Million Tote, wenn sich alle infizieren und 1,2 Prozent sterben. Auch ohne staatlich angeordnete Gegenmaßnahmen hätten sich jedoch bis zum Auftreten der hoch ansteckenden, aber harmloseren Omikron-Variante nicht mehr als 80 Prozent der Bevölkerung angesteckt. Vor Omikron lag die Todesrate für die deutsche Bevölkerung bei 0,5 Prozent. Das entspräche rund 330.000 Toten, von denen wir etwa die Hälfte vermieden haben. Welcher Anteil davon auf das persönliche Konto von Christian Drosten geht, kann ich nicht beurteilen“, erklärt Kekulé.

Und er gibt zu: „Letztlich wollte man Werbung für die Impfung machen. Aus demselben Grund wurden die Nebenwirkungen des Impfstoffes von AstraZeneca anfangs kleingeredet. Diese Unehrlichkeiten haben sich gerächt, weil viel Vertrauen in Wissenschaft und Politik verloren gegangen ist.“

Mit „der Wissenschaft“ sei das so eine Sache, die Meinung von Virologen sei überbewertet worden: Die häufig zu lesende Darstellung, es gäbe in Sachen Pandemie nur „eine Wissenschaft“, zu deren Vertretung nur bestimmte Wissenschaftler qualifiziert wären, ist falsch. Die Pandemie war für alle etwas Neues, da gab es keine etablierte und methodisch sauber geprüfte Position der Wissenschaft. Die angeblich „richtige“ Wissenschaft entsteht hier allenfalls durch Konformitätsdruck, sie ist dann eine Frage der Gesinnung. Statt zu diskutieren üben sich Forscher im Moralisieren und in persönlichen Angriffen.“

Daß „die Virologen“ das Land durch die Pandemie geführt hätten, weil es sich hier um ein Virus handelte, sei ein weitverbreiteter Irrglaube gewesen, meint Kekulé. „Virologen sind in der Regel Grundlagenforscher, die sich mit ganz bestimmten molekularbiologischen Eigenschaften ganz bestimmter Viren sehr gut auskennen. So jemanden braucht man, um einen neuen Impfstoff oder ein neues Medikament gegen ein Virus wie SARS-CoV-2 zu entwickeln. Für die Beurteilung antipandemischer Maßnahmen gibt es andere Experten und nicht selten kann auch ein nicht auf Coronaviren spezialisierter Virologe wichtiges beitragen, weil ja sowohl der Erreger als auch die Krisenlage neu sind.

Wenig Verständnis hat Alexander Kekulé auch mit anderen Kollegen, den „Virologen-Streit“, den Christian Drosten vom Zaun gebrochen hatte und der in persönlichen Angriffen gegen Hendrik Streeck oder Jonas Schmidt-Chanasit gipfelte: „Von einem Fachmann erwarte ich, dass er seine besondere Qualifikation durch fachliche Argumente unter Beweis stellt…Auch Drostens aktuell im Tagesspiegel aufgestellte Forderung nach Sanktionen für Wissenschaftler, die nicht die richtige Meinung äußern, unterstütze ich nicht. Wissenschaftlicher Fortschritt lebt vom Diskurs und nicht selten sind die Abweichler von heute die Meinungsführer von morgen“, macht der Mediziner klar.

Er sei immer gegen die 2G-Regelungen gewesen, denn „die Idee, daß die Geimpften bevorzugt werden sollten, war eines der gefährlichsten Manöver in dieser Pandemie. Der Unsinn, Geimpfte trügen kaum zum Pandemiegeschehen bei, stand ja sogar auf der Webseite des RKI und wurde so zur Grundlage falscher Gerichtsentscheidungen. Die 2G-Regelung hat die Herbstwelle 2021 mitbefeuert und viele vermeidbare Todesfälle verursacht“.

Insgesamt sei Deutschland nur mittelmäßig gut durch die Pandemie gekommen, andere Länder hätten mit weniger Zwangsmaßnahmen bessere Ergebnisse erzielt: „In Japan gab es keine Lockdowns und dennoch viel weniger Tote als bei uns, trotz einer ebenfalls überalterten Bevölkerung. In Schweden hat man sich anfangs verkalkuliert, weil die Alten nicht konsequent geschützt wurden. Aber der Grundansatz, sich auf den Selbstschutz der Bürger zu verlassen, statt die Wirtschaft zu strangulieren und die Schulen zu schließen, ist offenbar aufgegangen. Wir unterscheiden uns in der Bilanz der Toten nicht wesentlich von Schweden, aber unser Preis lag nicht nur finanziell viel höher. Die Hauptleidtragenden waren die Kinder, sie haben am meisten unter den Gegenmaßnahmen gelitten. Dann kommen die Alten und Kranken, die in den Heimen isoliert wurden und in den Kliniken alleine sterben mussten. Die „Bazooka“, die unser damaliger Vizekanzler ausgepackt hatte, werden noch unsere Urenkel abbezahlen müssen“ so das Résumé Kekulés.

Vielleicht wurde Herr Wieler über den Artikel im Vorfeld informiert und hat deshalb die Flucht ergriffen? (MS)

 

 

 

 

 

 

 

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