Wieler in Action (Foto:Imago/IPON)

„Haltet den Dieb“ mit Corona-Wendehals Wieler: Noch-RKI-Präsident kritisiert Corona-Schulschließungen

Die Öffentlichkeit für noch dümmer zu halten als sich selbst, ist selbst in Deutschland ein riskantes Unterfangen. Der scheidende Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI) Lothar Wieler wagt es dennoch: Erkennbar in der Absicht, sich selbst von der Verantwortung für so sinnlose wie schädliche Maßnahmen wie die Schulschließungen reinzuwaschen,  kritisiert er selbige nun im Nachhinein. Ausgerechnet der Apparatschik, der einst die emblematischen Worte sprach: „Diese Regeln… dürfen nie hinterfragt werden”, behauptet jetzt ernsthaft: „Es gab nie nur die Alternative: Entweder wenige Tote oder Schulen offen halten.“ In der „Zeit“ schwafelt er selbstgerecht, der angeblich vorhandene Spielraum sei „während der ganzen Pandemie nicht ausreichend mit der nötigen Sorgfalt, Ruhe und Sachlichkeit betrachtet worden.“ Was wohl Christian Drosten darauf erwidert, auf dessen Studienarbeit ja die Schulschließungen ursprünglich basierten?

Genau das also, was damals von „Querdenkern“, Grundrechtsdemonstranten, angeblichen Verharmlosern, Schwurblern und Verschwörungstheoretikern immer wieder vorgebracht und auch von Gestalten wie Wieler vehement ignoriert oder zurückgewiesen wurde, vertritt er jetzt auf einmal selbst. Ein schwerer Anfall von Wendehals-Syndrom: Dass die übelsten Mitläufer und Funktionäre von Unrechtssystemen nach deren Zusammenbruch als erste ihr Fähnchen in den sich drehenden Wind hängen, weil sie über ein opportunistisch geschultes feines Näschen für Stimmungsveränderungen verfügen, ist in der deutschen Geschichte nichts Neues.

Jetzt will Wieler auch noch Querdenker gewesen sein…

Plötzlich will uns Wieler gar weismachen, seine Behörde hätte sich gegen den rigiden Schließungskurs der Regierung gestemmt: Das RKI habe „immer Empfehlungen abgegeben, mit denen man den Betrieb in Schulen und Kitas hätte laufen lassen können, wenn auch unter Anstrengung.“ Wieler, ein Querdenker? Man kann es sich nicht ausdenken. Noch skurriler mutiert Wielers Forderung nach einer „Aufarbeitung der Pandemie” aus: „Als Wissenschaftler will ich wissen: Welche Maßnahmen waren adäquat, welche Kosten-Nutzen-Effekte gab es?“ Dies müsse fundiert geschehen, „als saubere Analyse„.

Forderungen, das RKI künftig institutionell unabhängig vom Bundesgesundheitsministerium aufzustellen, wie sie zuletzt der Virologe Hendrik Streeck im „Tagesspiegel“ erhoben hatte, erteilte Wieler indes eine klare Absage: Sollte das RKI institutionell unabhängig werden, „würden wir unsere entscheidende Funktion verlieren, nämlich eine gesetzlich legitimierte Schnittstelle von Wissenschaft zu Politikberatung zu sein„. Dies sei eine Stärke des deutschen Forschungssystems: „Die sollten wir nicht einfach aufgeben, weil es vielleicht gerade populär zu sein scheint. Wer so etwas fordert, hat für meine Begriffe das RKI nicht verstanden.

Späte taktische Reue

Als eigenes Versäumnis nennt Wieler, er habe zu Beginn der Pandemie „nicht optimal kommuniziert„. Eine bemerkenswerte Einschätzung – war er doch in den ersten 12 Monaten das ultimative „Gesicht der Pandemie“, mit seinen wöchentlichen und später fast täglichen Pressekonferenzen und Bulletins. Offenbar lag genau darin das Problem: Außer betroffen-larmoyant in die Kameras der Coronamedien zu blicken, R-Werte und später dann Inzidenzen zu verlesen und Mahnungen und Warnungen auszuspucken, mit denen eine unverantwortliche Angst geschürt wurde, hat Wieler in dieser Zeit offenbar wenig in seinem Job getan.

Wohl deshalb jammert er jetzt:  „Ich hätte mehr Gespräche führen sollen, um diese komplexen Geschehnisse besser einzuordnen. Das habe ich zu wenig getan.“ Ob diese taktisch-selbstkritischen Rechtfertigungsversuche und Bekenntnisse ausreichen werden, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, wenn tatsächlich einmal etwas wie eine ehrliche „Corona-Aufarbeitung” stattfinden sollte, wird sich zeigen. (DM)

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