Schrecklich: Chinesische Spione über Amerika - Foto: Imago

Die Hitparade: Platz 1 – Xi Jinping – 99 Luftballons

Haben Sie das gelesen? Die Chinesen spionieren die Amerikaner aus. Boah! Wie machen sie das? Mit einem Ballon, der sich nicht steuern läßt. Warum? Weil der Chinese listig ist. So ein Luftballon ist besser als alle leibhaftigen Spione in amerikanischen Universitäten, Unternehmen, Instituten und Regierungsämtern zusammengenommen. Und was der Satellit nicht erkennt, das sieht der Ballon. Ding-Dong.

von Max Erdinger

Was kann man seit der Story vom chinesischen Spionage-Ballon im Luftraum der Vereinigten Staaten von Hysteria genau wissen? Von Dallas bis Martha’s Vineyard, von Anchorage bis Tampa, von Virginia bis Kalifornien wurde schließlich über den chinesischen Frevel berichtet. Man kann Folgendes genau wissen: Die amerikanischen Mainstream-Medien halten ihre Konsumenten nach Jahrzehnten der medialen Verblödung für inzwischen ausreichend verblödet, um ihnen einen aus der Bahn geratenen Wetterballon als chinesischen Spionageballon andrehen zu können.

Der fragliche Ballon war in Zentralchina gestartet worden, und wie es der Zufall will, ist er vom Erdenwind grenzenlos bis nach Amerika getrieben worden. Das kommt vor bei Wetterballons, daß sie sich um die halbe Erde bewegen, ehe sie dann meist kommentarlos vom Himmel geholt werden, weil sie eine gewisse Gefahr für die zivile Luftfahrt darstellen. Diese Ballons sollen eigentlich Wetterdaten sammeln. Der Abschuß eines solchen Ballons ist bislang in keinem Fall zu einer landesweiten Mediensensation hochgepusht worden. Noch nicht einmal die “Healdsburg Tribune” hätte die Ballongeschichte gebracht, damit Ben Cartwright auf der Ponderosa den chinesischen Familienkoch Hop Sing für einen Spion halten soll, der herausbekommen will, wie die Cowboys den Whisky für den Saloon “Silverdollar” in Virginia City herstellen.

Chinesisch – praktisch – gut

Aber oho! Hier handelt es sich um einen chinesischen Wetterballon! Wie praktisch! Der kommt gerade recht. Schließlich ist allerweil jeder noch so dämliche Rechtfertigungsgrund für den Aufbau einer gewissen Feindseligkeit den Chinesen gegenüber nützlich. Da kann man schon einmal auslassen, daß es heutzutage 100.000 bessere Spionagemethoden gibt, als ausgerechnet einen steuerungslosen Ballon ziellos auf Weltreise zu schicken. Ja hallo? Schließlich war doch schon berichtet worden, daß einflußreiche Kreise mit einem Krieg gegen China bis spätestens 2025 rechnen. Wenn da ein solcher Ballon dahergeschlichen kommt am stargespangelten Firmament, dann muß man die Chance zur öffentlichen Meinungsbildung nutzen! Da kann man nicht so einfach alles erzählen zu den gängigen Spionagemethoden des Jahres 2023. Zuletzt würde noch jemandem auffallen, daß ein Ballon ein ziemlich dämliches Spionageinstrument wäre! Und dann wäre es das gewesen mit der ballonesischen Nützlichkeit in der medialen Meinungsbildung für die lieben Demokraten im Wertewesten.

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US-Gegenspionage: Chinesische Spionagepläne gehackt – Foto: Imago

Was trällern “wir” also künftig, wenn wir an Spione denken? – “99 Luftballons”! Nicht irgendeinen Hit von “U2”. Die U2 ist ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug, das schon zu Beginn der 60er Jahre in über 26 Kilometern Höhe fliegen konnte, um von dort aus gestochen scharfe Aufnahmen von der Erdoberfläche zu machen. Und was es da heute erst alles gibt!? – Nein, unter diesem chinesischen Spionageballon saß wahrscheinlich eine Art chinesischer Rembrandt vor der Staffelei im Korb, um getreulich mit Pinsel und Farbe abzubilden, was er unter sich erkennen konnte. Ein Ölgemälde nach dem anderen entstand in einer solchen Geschwindigkeit, daß die Farbe nur so durch die amerikanische Höhenluft spritzte! So muß man sich einen chinesischen Spionageballon über den Vereinigten Staaten von Dementia wohl vorstellen. Auch müssen die Chinesen gedacht haben, daß ein Ballon nie und nimmer am Himmel entdeckt werden kann, so daß gar keine Notwendigkeit besteht, ein Spionagefluggerät zu benützen, das nach seiner Entdeckung Reißaus nehmen kann. Und jetzt wurde der “mutmaßliche Spionageballon” abgeschossen auch noch. Alle windgetriebenen Zufallsdaten haben sich jetzt in einen chinesischen Rechnerabsturz verwandelt. Auch für die Ballonspionage gilt: No risk no fun.

Glasnudeln

Die chinesische Windperfidie kennt bekanntlich keine Grenzen. Aber zum Glück sind die deutschen Medien eine wahre Wacht am Rhein. Als solche steht sie im engen Kontakt mit der Wacht am Potomac. Haben Sie schon einmal über ostasiatische Glasnudeln nachgedacht? Warum werden die durchsichtig, wenn man sie kocht? Weil das wechselblütige Insekten sind, die bei Hitze zum Leben erwachen und durchsichtig werden. Und weil die Chinesen hitzebeständige Mikrokameras in jeder einzelnen Glasnudel untergebracht haben! In China gibt es eine umfangreiche Datenbank, auf der alles gespeichert wurde über Kochtöpfe, westliche Küchendecken, Gabeln, die Zahngesundheit, die Verdauungsdauer, die Durchschnittstemperatur des westwertlichen Toilettenspülwassers und den Zustand der gesamten Wertekanalisation. Diese Perfidie aber auch! Und die chinesischen Smartphones erst: Die Chinesen wissen aufs Gramm genau, wieviele Tonnen Ohrenschmalz alle Nutzer von Huawei und Xiaomi-Smartphones zusammengenommen haben. Und eine riesige Datenbank mit den Fingerabdrücken der Huawei-Benutzer haben sie ebenfalls. Das einzige, was CIA und BND noch herausfinden müssen, ist, wozu die Chinesen das alles wissen wollten und wo sie die Ohrenschmalz-App in ihren Geräten versteckt haben.

Der Chinese marodiert überall

Gar nicht so selten hört und liest man, daß wieder ein E-Scooter, ein E-Auto oder gar ein E-Omnibus abgebrannt seien und kaum gelöscht werden konnten. Akkus aus China! Bisher dachte man, das seien unbeabsichtigte Fehlfunktionen gewesen. Ebenfalls Pustekuchen! So, wie bei den Pusteballons. Das waren Anschläge! Wie sagt man? – So sagt man: “Listig blickte er aus zusammengekniffenen Augen auf die Ahnungslosen, die nicht wussten, daß ihr Auto gleich in Flammen aufgehen würde.” – Und die Chinesen? Schlitzaugen durch die Bank! Warum? – Merken Sie was? – Da sagen wir gemeinsam nur noch “Aha!?”, weil “wir müssen” und blauäugig sein “nicht dürfen” angesichts der gelben Listigkeit. Einige Reedereien hatten schon so eine Ahnung. Die lassen keine E-Mobile mehr auf ihre Autofähren. Wegen der Akkus aus China. Die spionieren nämlich, wenn sie nicht zu brennen anfangen. Dank der aufmerksamen Reedereien wird es den Chinesen auf ewig ein Rätsel bleiben, zwischen welchen Häfen die Fähre von Genua nach Palermo verkehrt. Ohne Reedereien wäre der Wertewesten völlig den perfiden Chinesen ausgeliefert.

Dieser mutmaßliche Spionageballon, der auf Geheiß des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Balleria gerade tatsächlich abgeschossen wurde, ist mutmaßlich sogar umstritten. Weil mutmaßlich umstrittene Ballons die gefährlichsten sind. Und dann protestieren diese Chinesen auch noch frech gegen den Abschuß und sagen, daß es ein Menschenrecht auf Wetterbericht sogar in China gebe. Als ob die noch einen Wetterbericht bräuchten, wo sie doch sowieso schon alle Corona haben und den morgigen Tag nicht mehr erleben werden.

John Wayne lebt

Die Amis sind gottlob aber mutmaßlich unerschrockene und auf jeden Fall umstrittene Schützen. Die ballern einen mutmaßlichen Spionageballon, der ohne Kriegsgeilheit ein Wetterballon gewesen wäre, auch dann vom Himmel, wenn sie noch gar nicht wissen, ob in dem Korb unten dran ein Rembrandt sitzt, der Spionagebilder malt, oder ob eine Atombombe drinliegt, die nach dem Abschuß auf dem Erdboden von Gods Own Country explodiert, daß sich die Glasnudeln im amerikanischen Kochtopf vor Lachen kringeln. Das muß man sich mal vorstellen: Die Windchinesen schicken eine Atombombe im Ballon bis nach Amerika – jedenfalls hoffen sie, daß der Erdenwind die tödliche Fracht dorthin bläst – , dann schießen die Amis den mutmaßlichen Spionageballon ab, gutgläubig wie sie sind, und dann stellt sich heraus, daß es ein Atombombenballon gewesen ist und daß sich die Amis selber bombardiert haben. Was wird man dann sehen? – Genau: Daß das Schuhplatteln samt Frohsinn & Heiterkeit auch in China wohlbekannt sind.

Alter Schwede: “Mutmaßlicher Spionageballon aus China”. Wo man eine solche Story den Medienkonsumenten mit Erfolg auf die Pupillen schmieren kann, haben Demokratie & Wahl, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Objektivität und Urteilskraft wahrhaftig eine glänzende Zukunft vor sich. Kulturnationen hoch drei. Wie meinen Sie? Da drüben kotzen die Westwerte gerade im Strahl? – Mysteriös. Vielleicht sind sie an chinesischer Übelkeit erkrankt.

Aber egal, es ist Faschingszeit. Also singen wir frohgemut und wichtig! – “gemeinsaaam” –  ein Stimmungslied zwo, drei, vier:

Neunundneunzig Luftballons
Auf ihrem Weg zum Horizont
Hielt man für Ufos aus dem All
Darum schickte ein General
′Ne Fliegerstaffel hinterher
Alarm zu geben, wenn’s so wär′
Dabei war’n dort am Horizont
Nur neunundneunzig Luftballons

Ding-Dong.

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