Unsere Umwelt und Natur werden durch grüne Politik zerstört (Foto: RenataP/Shutterstock)

120 Hektar Solarpark: Einzigartiges Naturgebiet wird gnadenlos geopfert

Noch sagen sich hier Fuchs und Hase Gute Nacht, streifen Reh- und Rotwild, Wolf, Fuchs und Biber durch die unberührte Natur, den Himmel teilen sich Seeadler und Eisvogel. Doch das ist bald Vergangenheit. Tiere und Natur spielen keine Rolle mehr, wenn es um das große Geld in Sachen “Energiewende” geht.

In der kleinen Gemeinde Steinbach bei Rothenburg in der Oberlausitz sind Anwohner entsetzt, der junge Bürgermeister hingegen sieht offenbar nur eine gutgefüllte Gemeindekasse. Dafür ist man seitens der verantwortlichen Behörden zu allem bereit und macht den Weg frei für einen riesigen Solarpark. Noch vor knapp dreißig Jahren sollte das benötigte Gelände aufgrund der einzigartigen Flora und Fauna Teil des Naturschutzgroßprojektes “Niederspree” werden, denn es umschlossen von drei Landschafts- und Naturschutzgebieten. Nach der Wend gab man sich viel Mühe, das Gebiet zu renaturieren. Biber und Eisvogel leben nun wieder hier.

Schluß mit der Idylle, nun läuft das Planfeststellungsverfahren und wenn alles nach dem Zur-Energiewende-stehenden Bürgermeister Phillip Eichler geht, wird die Fläche schon in drei bis vier Jahren mit einem Meer aus Solarzellen versiegelt sein. Das Gebiet sei als Sondergebiet Energie ausgewiesen und laut Bebauungsplan gehe von dem künftigen Solarpark keine neue Landschaftsbildbeeintächtigung aus, heißt es von oben. “Durch Festsetzungen zum Erhalt von Gehölzbestand und die sichtverstellende Wirkung der angegrenzenden PV-Anlagen können erhebliche Beeinträchtigungen ausgeschlossen werden”, so die wörtliche Begründung zum Bebauungsplan. Punkt.

Anwohner sehen das anders: “Wenn der Solarpark gebaut wird, sehen wir hier keine Natur mehr, sondern nur noch zwei Meter hohe Zäune… Dieses Projekt zerstört wertvolle Teile unserer heimischen Natur. In dieser Fläche sind viele geschützte Tierarten zu Hause, sind viele Naturdenkmäler, allein, wenn man diese großen Eichenalleen sieht. Es ist einfach etwas Besonderes hier”, erzählt einer von ihnen dem MDR. Erst vor wenigen Tagen hat hier ein Wolf ein Stück Rotwild gerissen, jetzt laben sich Seeadler, Fuchs, Krähen und Raben an den Resten.

Auch die Sandwege, die zur ehemaligen Schäferei führen und von alten Eichen gesäumt sind, werden bald zubetoniert, sie sollen als Zufahrtsstraßen für die Bau- und Wartungsfahrzeuge genutzt werden. Die alte Schäferei mit den kleinen Heidehäusern werden wie eine kleine Insel inmitten des etwa 180-Fußballfelder großen Solarparks liegen. Eine der Schneisen ist als “Wildkorridor” vorgesehen, für den Jäger Klaus Peter Meyer eine geradezu absurde Idee: “Hier gibt es große Rotwildbestände. Auch Wölfe sind sehr scheue, sehr vorsichtige Tiere. Wenn so ein Wildkorridor mitten durch bewohntes Gebiete geht, ist das doch eigentlich ein Witz”, findet er. Immerhin – die alten Eichen sollen als “Sichtschutz” erhalten bleiben.

Für den jüngsten CDU-Bürgermeister Sachsens, der erst im vergangen Jahr mit fast 70 Prozent der Stimmen gewählt wurde, ist der Solarpark offenbar “alternativlos”: “Wir müssen schauen, wie wir die Energiewende, die von der Bundesregierung beschlossen ist, hinbekommen und da stehen wir in der Pflicht. Keiner möchte natürlich so nahe an einem Solarpark wohnen oder eingekesselt sein, aber man muss Kompromisse eingehen”, so der linientreue 25-Jährige Fleischermeister. Erst vor kurzem brachen ihm zwei andere vielversprechende Projekte weg, das Fraunhofer-Institut, das in Rothenburg an der Wiederverwertung von Verbundstoffen forschen wollte und die Elbeflugzeugwerke aus Dresden, die hier Großflugzeuge auseinander nehmen wollten, um wertvolle Teile zu recyceln.

Stattdessen jetzt- Solarzellen, soweit das Auge reicht. Das 180-Fußballfelder-große Gebiet gehört der Heim-Gruppe aus Ulm. Die Schwaben verdienen unter anderem mit Kies, sind im Straßen- und Tiefbau aktiv, betreibt Biogasanlagen, Baustoffhandel und Recycling. Ihnen gehören  zahlreiche Kiesgruben, auch in der Oberlausitz. Für sie ist die Naturidylle nichts weiter als eine weitere lukrative Einnahmequelle im Zuge der unantastbaren “Energiewende”. Im Dezember bekamen die schwäbische Heim-Gruppe grünes Licht vom Rothenburger Stadtrat. Der geplante Solarpark wird rund 120 Hektar groß sein, 90 Hektar davon beanspruchen die Sonnenkollektoren.

Bis Ende Februar liegen die Planungsunterlagen für den Solarpark Steinbach noch im Rathaus Rothenburg aus. Das Landratsamt Görlitz teilt auf Anfrage des MDR mit: “Leider unterliegen großflächige Solarparks keiner regionalplanerischen Steuerung wie zum Beispiel Windkraftanlagen. Hier obliegt es den Kommunen, ihre Planungshoheit wahrzunehmen. Zudem liegen die Flächen in der Gebietskulisse der Sächsische Photovoltaik-Freiflächenverordnung (PVFVO), die seit September 2021 gerade die Inanspruchnahme solcher Flächen regelt.” Jetzt prüfen Naturschutzverbände wie der Nabu Sachsen, ob die Belange Natur- und Artenschutz ausreichend berücksichtigt wurden.

Zum “Trost”: Zukünftige Generationen können sich in dem preisgekrönten Film “Das geheime Leben der Rothirsche”, den der ehemalige Görlitzer Tierparkchef und jetzige Tierfilmer Axel Gebauer genau auf dem geplanten “Solarpark Steinbach” drehte, ansehen, wie schön und artenreich einst ihre Heimat war. (MS)

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