Tierisch ernstes Thema: Annalena Baerbock - Foto: Imago

Putins Angriffskrieg: Was glauben Sie eigentlich sonst noch so?

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Alle Welt stürzt sich auf den 360-Grad-Fauxpas der Außenministernden. Auf eine Journalistenfrage am Rande der Münchener Sicherheitskonferenz hatte Baerbock geantwortet, Putin müsse sich um 360 Grad drehen, damit er überhaupt daran denken dürfe, daß ihn die grüne Annalena wieder liebhaben könnte. In dem ganzen 360-Grad-Gelächter (Medvedev: “geometry master”), das daraufhin um die Welt zog, ging etwas anderes völlig unter, nämlich die auffällige Häufigkeit, mit der die Auftragsaußenministernde während ihrer Rede zuvor von “Putins Angriffskrieg” gesprochen hatte. “Putins Angriffskrieg” kam in jedem ihrer Sätze gefühlt ein- bis zweimal vor. Das ist kein Zufall.

von Max Erdinger

Entweder heißt es in den Medien “Krieg”, wenn eben von einem Krieg die Rede ist. Bisweilen spricht man auch von einem “militärischen Konflikt”. Den Krieg in der Ukraine könnte man ohne weiteres als den “Ukrainekrieg” bezeichnen oder als den “militärischen Konflikt in der Ukraine”. Aber nein, wenn Baerbock spricht, dann hat das gefälligst “Putins Angriffskrieg” zu sein – und wenn sie die Phrase ein Dutzend Mal wiederholen muß. Da nun jeder Krieg in der Menschheitsgeschichte irgendwann mit einem Angriff losging, ist “Angriffskrieg” für sich genommen schon ein reichlich dämliches Wort. In der Ukraine herrscht Krieg, nicht “Angriffskrieg”. Und dafür, daß in der Ukraine Krieg herrscht, gibt es vielerlei Gründe. Ein Angriff – egal von wem – ist nur einer davon.

Wortsammlung

Wie dämlich das Wort “Angriffskrieg” für sich genommen ist, wird deutlich, wenn man Begriffe aus dem Bedeutungsumfeld von “Aggression” beleuchtet. Die “Schlägerei”, die “Rauferei” und die “Prügelei” zum Beispiel. Noch nie hat jemand das Wort “Angriffsrauferei” gelesen. Von einer “Verteidigungsprügelei” weiß auch kein Mensch etwas. “Angriffskrieg” hat als Substantiv etwa den Dämlichkeitsgehalt von “Geschlechtsverkehrsgeburt”.

Fatal wäre es angesichts des penetranten Gebrauchs von “Putins Angriffskrieg” durch Annalena Baerbock, lakonisch mit den Schultern zu zucken und geringschätzig anzumerken, es sei schließich kein Geheimnis, daß ihr Wortschatz eine gewisse Beschränktheit widerspiegele. Obwohl das für sich genommen wahrscheinlich stimmt. Aber die Ursache für die Penetranz, mit der sie von “Putins Angriffskrieg” spricht, ist das nicht. Nebenbei bemerkt, hat sie noch nie jemand von “Bidens Angriffssprengung” reden hören, wenn es um Nordstream geht. Nein, Annalena Baerbock bekommt wahrscheinlich täglich beim Frühstück eingebimst (neudeutsch: sie wird “gebrieft”), daß der “amerikanische Proxykrieg” in der Ukraine auch an diesem Tag wieder als “Putins Angriffskrieg” bezeichnet zu werden hat. Damit niemand auf die Idee kommen soll, es gebe einen anderen Schuldigen als diesen vermaldedeiten Putin. Grüne fügen sich bekanntlich ohnehin gerne irgendwelchen Sprachregelungen. Wenn man ihnen sagt, sie sollen nicht “Vergewaltigerinnen” sagen, sondern “Vergewaltiger -INNEN”, dann machen die das. Wenn man ihnen aufträgt, schriftliche Texte mit “Gendersternchen” zu verzieren wie den Faschingskrapfen mit Puderzucker, dann machen die das ohne Widerrede. Grüne gehorchen gern. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, daß Annalena Baerbock von “Putins Angriffskrieg” redet, wenn ihr ein aus Vorsichtsgründen dazu abgestellter Kommunikations- & Medien-Experte sagt, daß sie das tun muß.

Es wäre ja auch ein bißchen zu viel verlangt von der studierten Völkerrechtlerin und Bestsellerautorin, zu wissen, daß es weltberühmte Politiker gegeben hat, die den Angreifer im Krieg vor Jahrhunderten schon definiert hatten. Friedrich der Große, Machiavelli und Montesquieu definierten den Angreifer im Krieg als denjenigen, der seinen Gegner dazu zwingt, zu den Waffen zu greifen. Wladimir Putin hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, daß er sich gezwungen sah, zu den Waffen zu greifen. Und er hatte jahrelang davor gewarnt, daß er sich, der Not gehorchend, durchaus zwingen lassen wird.

Nun würde Annalena Baerbock wahrscheinlich behaupten, Putin habe die Lage völlig verkehrt eingeschätzt und daß er gar nicht gezwungen worden sei. Um zu unterstellen, daß sie mit einer solchen Behauptung rechthaben könnte, müsste man zugleich unterstellen, daß sie Putin hinsichtlich dessen Fähigkeit, eine geopolitische Situation zutreffend einzuschätzen, haushoch überlegen ist. Jetzt lachen wir einmal kräftig, klopfen uns auf die Schenkel vor Vergnügen angesichts einer so grotesken Idee – und verwerfen die Unterstellung wieder, daß Annalena Baerbock dem Herrn Putin irgendetwas voraushaben könnte, das auch nur im entferntesten mit Realitätssinn und Lagebeurteilung zu tun hat. Obwohl wir das gar nicht müssten. Es würde schon die Feststellung ausreichen, daß ein deutscher Außenminister in der Lage sein sollte, unabhängig von seiner persönlichen Zustimmung zu einer fremden Lageeinschätzung anzuerkennen, daß eine bestimmte fremde Lagebeurteilung existiert – und daß allein deren evidente Existenz schon berücksichtigenswert ist. Mit anderen Worten: Annalena Baerbock müsste akzeptiert haben können, daß sich Putin seine eigenen Gedanken macht – und daß er das darf. Wahrscheinlich will sie nur nicht, weil sie gar nicht wollen darf. Böse Zungen behaupten ohnehin, sie sei nicht Außenministerin geworden, weil sie gut denken kann, sondern weil sie gut gehorchen kann. Und daß sie den Falschen gehorcht, nicht denen, denen sie eigentlich zu gehorchen hätte. Das hat sie ja auch eingeräumt: “… egal, was meine deutschen Wähler denken.

 

Die Steigerung

Wenn “Putins Angriffskrieg” nicht ausreicht, um die Schuld an dem Gemetzel in der Ukraine vollständig auf die russische Seite zu verschieben, gibt es gottlob noch eine Steigerung. Dann wird aus “Putins Angriffskrieg” auch noch “Putins unprovozierter Angriffskrieg”, was offensichtlich heißen soll, Putin habe vor lauter Langeweile keinen besseren Einfall mehr gehabt, als seine Armee völlig unprovoziert ein wenig in die Ukraine einmarschieren zu lassen, um sich an der daraus resultierenden Kurzweil in den globalen Nachrichten zu delektieren und auf diese Weise Zerstreuung zu finden. “Putins unprovozierter Angriffskrieg” ist sichtlich die Steigerung von “dämliche Phrase”: “Brunzdämliche Phrase”. Tatsächlich ist es so: Putin wurde sehr wohl provoziert. Das geschah mit Berechnung, Kalkül und folglich Absicht – und der Provokateur ist auch der Angreifer (gemäß Friedrich dem Großen, Machiavelli und Montesquieu). Putin hat nicht angegriffen, sondern eingegriffen. Wenn also überhaupt etwas mit “Putins …”, dann “Putins Eingriffskrieg”.

Günstig & ungünstig

Die günstigste Unterstellung, die sich hinsichtlich der gründeutschen Außenministrierenden machen läßt, ist die, daß sie selbst in geopolitischen Sphären nichts zu melden hat, daß sie das weiß, und daher ebenfalls weiß, warum letztlich egal ist, was sie den lieben langen Tag so von sich gibt. Das würde bedeuten, daß sie üppig Geld für irgendein Angriffsgeschwätz bekommt, wodurch sie etwa den Status eines Lottogewinners hätte. Für die Deutschen wäre im Gegenzug ungünstig, daß sie einen Lottogewinner unbekannter Qualifikation als Außenminister hätten.

Die ungünstigste Unterstellung für Baerbock wäre die, daß sie ganz genau weiß was sie tut und warum sie es tut. Sie wäre also verantwortlich. Sie hat aber Glück, daß wir in einem Land leben, in dem prämenstruelle, postmenstruelle und menstruelle Bewußtseinseintrübungen als strafmildernd gelten. Zumindest bei Frauen im gebärfähigen Alter werden Straftaten in Folge einer hormonell bedingten zerebralen Unpässlichkeit öfter einmal als entschuldbar gewertet. Den Rückschluß, daß man dann allerdings auch keine Frauen im gebärfähigen Alter verantwortungsvolle Positionen übnernehmen lassen kann, hat noch keiner gezogen. Die Stringenz ist offenbar nicht “Made in Germany”.

Die meinungsbildenden Medien

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Richtige Worte? – Screenshot “Welt plus”

Was nun die meinungsbildenden Medien in Deutschland angeht, dürfen die natürlich ebenfalls nicht schreiben, was sie wollen, sondern nur das, was sie sollen. Was das ist, geben ihne jene vor, die über das transatlantische Mediennetzwerk wachen. Dazu gibt es eine Grafik, die erstmals im Jahr 2014 in der später “verbotenen Folge” der Sendung “Die Anstalt” gezeigt wurde. Ich füge sie hier der Vollständigkeit halber noch einmal an. Was im deutschen Medien-Mainstream erscheint, regeln im wesentlichen der Council on Foreign Relations zusammen mit der NATO, den “Bilderbergern” von einst, heute also – um den Ruch der Geheimniskrämerei loszuwerden – WEF, OSF, Gates-Stiftung et al und die Trilaterale Kommission. Der langjährige ZDF-Anchor Claus Kleber war nicht wegen nichts im selben Club wie der langjährige CNN-Chef Walter Isaacson, nämlich dem Aspen-Institut, dessen Chef Isaacson heute ist. Die Einigkeit der Mainstream-Medien darüber, was sie ins öffentliche Bewußtsein rücken wollen und was nicht, ist da recht beredt. Aktuell hat man sich darauf geeinigt, über Hershs Nordstream-Report einfach Gras wachsen zu lassen und so zu tun, als gäbe es da “nichts zu sehen”. Das fällt ihnen auch ziemlich leicht, da sie mit etwas kalkulieren können, das Feroz Khan “Erkenntnisangst” nennt.

Transatlantisches Netzwerk 2
Transatlantisches Mediennetzwerk – Screenshot Facebook

“Erkenntnisangst” ist nicht die Angst, unmittelbar und spontan etwas zur Kenntnis zu nehmen, sondern die Angst vor den logischen, meinetwegen auch zwingenden Folgen dessen, was man zur Kenntnis genommen hat. “Ich will es gar nicht wissen”, ist eine bekannte deutsche Redewendung, die dann zum Einsatz kommt, wenn jemand seine schlimmsten Befürchtungen lieber nicht bestätigt sehen will, weil er eben die Konsequenzen daraus fürchtet. Man spricht auch von der “Vogel-Strauß-Taktik”. Aktuell: Kaum jemand möchte zur Kenntnis nehmen, daß die Sanktionspolitik gegen Russland wegen “Putins Angriffskrieg” ein Schuß gewesen ist, der nach hinten losging, und daß die kostbare, weil teure Materie, die an den heiligen Wolodymyr, den vormals Oberkorrupten geliefert wurde, damit er in der Ukraine “westliche Werte” sowie “Freiheit und Demokratie in Europa” verteidigt, im Grunde Geld gewesen ist, das sinnlos zum Fenster hinausgeworfen wurde. Der Krieg in der Ukraine ist für den “kollekiven Westen” verloren – und wenn der kollektive Westen jene Figuren nicht schleunigst loswird, mit denen kein russischer Politiker jemals wieder einen Vertrag abschließen wird, dann wird es auch nach einer ukrainischen Kapitulation auf Jahre hinaus keine Chance mehr geben, das restlos zerstörte Vertrauen der Russen in das gegebene Wort aus dem Westen zu reparieren.  Das heißt, der Krieg wäre nicht nur am Tag seines Endes verloren für den Westen, sondern lang über dieses Datum hinaus. Mit anderen Worten: Die politische Klasse des Westens steht saublöd da. Nicht, daß man fürchten muß, sie würde sich jemals für irgendetwas schämen, aber für die Bürger der westlichen Welt bedeutet das, daß sie sich auf eine Ära von Feindseligkeit und Energiemangel einstellen müssen, die nur deswegen so lange dauert, weil die Pappnasen von früher an ihren Sesseln kleben.

Aus der wegen Nordstream offenbar gewordenen Tatsache, daß die Bundesrepublik tatsächlich nicht mehr ist als ein gehorsamer US-Vasall, ein regelrechter Polit-Cuckold, und daß deutsche Politiker gar nicht wirklich die deutschen Interessen vertreten können, sondern nur ihre höchstpersönlichen im Rahmen dessen, was ihnen von der Kolonialmacht gestattet wird – was wiederum erst jemanden wie Annalena Baerbock als Außenministerin ermöglicht -, werden bei aller Erkenntnisangst Konsequenzen fällig, die der Westbürger selbst ziehen muß – und am besten massenhaft. Niemand sonst wird sie für ihn ziehen. Die Erkenntnis: Der Feind sitzt nicht in Moskau, sondern in Washington – und dadurch dann letztlich auch in Brüssel und in Berlin. Wer sich weiterhin mit “Putins Angriffskrieg” abspeisen läßt, leidet an Erkenntnisangst und braucht sich eigentlich nicht zu beschweren, daß es in seinem Leben beständig weiter bergab geht. Jammern wird er natürlich weiterhin.

Annalena Baerbock, Robert Habeck, Karl Lauterbach – um hier nur drei zu nennen: Die existieren als Politfiguren, damit der deutsche Bürger jemanden sehen kann, mit dem er die Bezeichnungen Außenminister, Wirtschaftsminister und Gesundheitsminister in Verbindung bringt, um in der Folge zu unterstellen, er habe tatsächlich solche Minister. Offensichtlich ist aber inzwischen, daß Annalena Baerbock keine deutsche Außenpolitik betreibt, daß Habeck von Wirtschaft keine Ahnung hat – und daß Lauterbach aus allen möglichen Gründen als Gesundheitsminister vorgestellt wird, von denen die Gesundheit nicht der wichtigste ist. Die werden als Minister bezeichnet, damit tunlichst niemand merkt, daß er in Wahrheit keine Minister hat, die er von sich heraus als solche bezeichnen würde. Bei der Verteidigungsministerin Lambrecht war es so offensichtlich, daß – Erkenntnisfurcht hin oder her – die Peinlichkeit einfach zu groß geworden war, als daß sie “im Amt” hätte bleiben können. Sie konnte sich vermutlich selbst nicht mehr ertragen, wenn sie in den Spiegel schaute. Von einer Visagistin für Lambrecht ist auch nichts bekannt geworden. Annalena Baerbock hat eine. Und Robert Habeck hat einen Leibfotografen angestellt. Das spricht dafür, daß sie daran interessiert sind, sich von außen ein Bild ihrer selbst liefern zu lassen, welches es ihnen erspart, sich ungeschminkt selbst erkennen zu müssen. Abkassieren können sie schließlich auch so.

Nein, wer Ende Februar 2023 noch immer von “Putins Angriffskrieg” daherschwandroniert, gibt offen zu erkennen, daß er sich vor der Realität fürchtet. Der russische Eingriff in der Ukraine erfolgte am 24. Februar 2022. Die OSZE hatte seit dem 16. Februar 2022 einen andauernden Artillerieangriff der ukrainischen Armee auf den Donbass festgestellt, dessen Höhepunkt am 19. Februar 2022 mit über 2.000 registrierten Detonationen im Donbass registriert wurde. Angegriffen worden waren – wieder einmal – die ethnischen Russen in der Ukraine, die sich seit 2014 nicht mit dem von den USA gesteuerten Putsch und den dabei installierten Marionetten in Kiew arrangieren wollten. Daraufhin haben die Russen aus Russland endlich eingegriffen. Wer im Februar 2023 noch immer von “Putins Angriffskrieg” redet, betreibt das Geschäft des wahren Feindes Deutschlands. Und das ist das letzte, was man einem “deutschen Außenminister” kommentarlos durchgehen lassen kann.

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