Schraube locker? - Foto: Minerva Studio/Shutterstock

Da schau her: “Die Ukraine muß den Krieg gewinnen”

Woher kommt eigentlich die Behauptung, “die Ukraine” müsse den Krieg gewinnen? Es ist schon klar, daß es in der Geschichtsschreibung immer heißt, die USA hätten, Russland müsse, die Ukraine brauche, die EU habe, Deutschland sei usw.usf. – aber das stimmt nicht. Was würde denn passieren, wenn “die Ukraine” den Krieg verliert? Würde sich die Ukraine in Luft auflösen? Wären auf einmal alle Ukrainer weg? Das physische Land – würde es aufhören zu existieren? – Nein.

von Max Erdinger

Gemeint ist mit “die Ukraine muß den Krieg gewinnen“, daß ihn die ukrainische Armee gewinnen muss. Darum geht es nämlich. Für wen müsste die ukrainische Armee den Krieg gewinnen? Für “die Ukraine” oder doch für die Ukrainer? Das ist die Frage: Hätten die Ukrainer irgendetwas gewonnen dadurch, daß die ukrainische Armee den Krieg gewinnt? Gut, sie wird ihn nicht gewinnen, aber wer diesen Krieg gewinnt, ist auch nicht der Punkt, um den es hier geht. Was soll das generell heißen, ein Land müsse dieses oder jenes? Geht es jemals um die Leute, die dort wohnen? Im Fall der Ukrainer läßt sich mit Sicherheit sagen, daß sie nichts zu verlieren hätten, wenn Russland den Krieg gewinnt. Und Russland wird ihn gewinnen – ansonsten Weltuntergang.

Wenn man sich die unterbliebene Entwicklung der Ukrainer seit ihrer Unabhängigkeit im Jahr 1991 anschaut, wie sie von Legislaturperiode zu Legislaturperiode von ihren eigenen, megakorrupten Regierungen ausgeraubt, betrogen und belogen worden sind und wem die natürlichen Reichtümer der Ukraine zugute gekommen sind, bzw. wenn man sich überlegt, daß aus einem derartig mit natürlichen Reichtümern gesegneten Land wie der Ukraine binnen dreißig Jahren eigentlich auch so etwas wie die Schweiz Osteuropas hätte werden können, wo es einen hohen Lebensstandard gibt – und sich dann überlegt, wie die Entwicklung seit dem Ende des trostlosen Jelzin-Jahrzehnts in den Neunzigern unter Wladimir Putin seit der Jahrtausendwende in Russland verlaufen ist, dann kann man den Ukrainern eigentlich nur wünschen, daß ihre Entwicklung endlich Fahrt nach dem russischen Vorbild aufnimmt. Das heißt, ein Sieg der Russen in der Ukraine wäre sehr wahrscheinlich ein Gewinn für die Ukrainer.

Umso bemerkenswerter sind die Phrasen deutscher Politiker, mit denen sie zu begründen gedachten, daß “die Ukraine” den Krieg gewinnen muß.

Ukraine Jubilaeum
Die Ukraine muß müssen – Screenshot Facebook

Die “Christlich Demokratische Union”

Die CDU zitiert Friedrich Merz links oben: “Wir können Freiheit und Frieden in Europa nur bewahren, wenn wir auch bereit sind, Frieden und Freiheit zu verteidigen.” – Hohlphrasendrescherei im Quadrat! Welche Freiheit denn noch? Die Freiheit, sich von doktrinären Ideologen den Klimaseich auf Pupillen und Trommelfell schmieren zu lassen? Die Freiheit, so zu tun, als sei man zu blöde, um zu erkennen, welcher Agenda das Narrativ vom menschengemachten Klimawandel dient? Die Freiheit, sich mit einer abgehobenen Politikerkaste herumzuschlagen,die dem Wahn verfallen ist, sie dürfe sich auch nur überlegen, ob sie freie Bürger dazu zwingen will, sich mRNA-“Impfstoffe” in die Blutbahn jagen zu lassen? Die Freiheit, sich vorschreiben zu lassen, wie man zu denken und zu sprechen hat? Wovon faselt dieser Merz? Von der Freiheit, sich von Klimaklebern nötigen zu lassen? Von der Freiheit, sich am hellichten Tag auf dem Schulweg abstechen zu lassen? Von der Freiheit, sich einen Rassisten, einen Homophoben, Xenophoben, Putinstricher, Nazi oder sonstwas nennen lassen zu dürfen? Von der Freiheit, in den sozialen Netzwerken gelöscht, blockiert und zensiert zu werden? Hat er sie eigentlich noch alle, dieser Merz? Welche Freiheit? Und unterstellt, es gäbe diese Freiheit: Wie kommt er auf das schmale Brett, daß die ausgerechnet im korruptesten und unfreiheitlichsten Land Europas verteidigt werden kann? Was in aller Welt hat ausgerechnet die Ukraine mit Freiheit und Frieden zu tun? – Nichts! Nulll! Niente! Nada! Die Ukraine war schon ganz ohne Krieg die trostloseste Staatsveranstaltung, die man sich in Europa nur denken kann. Und bis zur russischen Invasion vergangenes Jahr hat das auch niemand bestritten im deutschen Medien-Mainstream. Die CDU Deutschlands: “Die Ukraine muß den Krieg gewinnen“. Da fragt man sich doch, wofür die CDU diejenigen hält, an die sie sich mit ihrem Tweet wandte. Für Idioten? – Wahrscheinlich ja.

shutterstock 1381519268
Ein Gutgläubiger (Symbolfoto: Yevhen Marienko/Shutterstock)

Der gelbe Bundesjustizminister

Daß die FDP aus einem Parlament nach dem anderen herausfliegt, ist ein Grund zur Freude für die hochdemokratischen Gelben, müssen sie doch auf diese Weise nicht länger mehr neben der AfD sitzen. Dementsprechend gutgelaunt zwitscherte unser verehrter Herr Bundesjustizminister Buschmann: Seit dem 24. Februar 2022 “verteidigt die Ukraine mutig ihre Unabhängigkeit und Freiheit“.  Die ukrainische Unabhängigkeit – har-har-har. Die ukrainische Unabhängigkeit war schon lange vor dem Krieg ungefähr das, was bei einem Beinamputierten eine kräftige Wadenmuskulatur ist. Die Unabhängigkeit der Ukraine – wovon unabhängig? Vom Einfluß der Amerikaner und der Briten? Vom Einfluß der EU? Die Ukraine war so unabhängig, daß es Biden schaffte, einen Staatsanwalt in Kiew rauswerfen zu lassen, der gegen Bidens kriminellen Sohn im Zusammenhang mit dessen zwielichtigen Geschäften in der Ukraine ermittelt hatte. So unabhängig war die Ukraine, daß sich Cargill, DuPont und Monsanto die Hälfte der ukrainischen Ackerflächen haben zuschanzen lassen können. 17 Millionen Hektar ukrainischer Unabhängigkeit, sozusagen. Und dann die ganze Aufrüstung der ukrainischen Armee seit 2014: Irre unabhängig, diese Ukraine. Und dann redet dieser Buschmann nicht nur von der “Unabhängigkeit der Ukraine”, sondern auch noch von der “Freiheit der Ukraine”. Die wird ebenfalls noch verteidigt von “die Ukraine”. Selenskyj hat in der Ukraine -zig Fernsehsender verboten, ein staatliches Medienmonopol errichtet, den letzten Oppositionsführer, Viktor Medwedtschuk, hat er verhaften lassen, und nach wie vor gibt es dort die Kill-Liste von “Myrotvorets”, auf der 200.000 Personen rund um den Globus verzeichnet sind, die recht unabhängig und freiheitlich gemeuchelt werden sollen, weil sie angeblich “Feinde” von “die Ukraine” sind, obwohl sie eigentlich nur das schwerkriminelle Regime dort weghaben wollen. Aber “unser Marco Buschmann”: “Die Ukraine verteidigt mutig” – oh Gott, mutig auch noch – “ihre Unabhängigkeit und Freiheit“. Ist es noch zu fassen? Was soll das sein? Volksverarschung?

Jens Spahn

Bei Jens Spahn wird es noch besser: Wenn es nach Spahn geht, dann verteidigt “die Ukraine” nicht nur buschmannmäßig ihre eigene “Unabhängigkeit und Freiheit“, sondern “ihre Heimat” – wogegen? – und sapperlott – auch noch “unser aller Freiheit“. Da kann er sich vom hochgewachsenen CDU-Friedrich auf die Schultern klopfen lassen und synchron mit ihm aufsagen: “Für uns als CDU ist klar.” Merz vielleicht eine Terz unter Spahn. Dann klingt das “für uns Zuhörer” noch harmonischer. Überhaupt: Das mit diesen Klarstellern und Klarspülern nimmt allerweil schwer überhand. Kaum jemand behauptet noch etwas. Alle sind ständig mit der Klarheit beschäftigt. In einer gemeinsamen Klarspülung stellten die Klarsteller klar, daß …

Der gescheiterte Büroleiter von Friedrich Merz

Einer, der es offensichtlich noch nicht bis ganz nach oben auf die transatlantische Payroll gebracht hat, ist dieser Marian Bracht. Das ist der vormalige Büroleiter von Friedrich Merz. Es will etwas heißen, daß nicht einmal Merz diesen Bracht einen ganzen Monat aushalten konnte, ehe er ihn aus seinem Büro wieder entfernte. Tichy über Bracht: “Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz machte den 31-Jährigen erst zum Büroleiter im Konrad-Adenauer-Haus und schob ihn dann gleich wieder ab: in Ungnade gefallen, Höchststrafe. Doch keiner muss sich um Bracht sorgen. Die CDU wird ihn auch wieder befördern. Nicht obwohl er nur Politik kann, sondern gerade weil er nur Politik kann. Die Parteien setzen nur noch auf einen Typus, dessen Leben sich auf Kreißsaal ⋅ Hörsaal ⋅ Plenarsaal begrenzt. Marian Bracht wird in anderen Führungsfunktionen zurückkehren.” – Da ist natürlich ein bißchen vermehrte Anstrengung angezeigt im Dienste des Gunsterwerbs zum eigenen Nutzen. Deshalb ist für “uns als CDU” recht brachtvoll klar: “Die Ukraine muss diesen Krieg gewinnen – auch und insbesondere mit der Lieferung von Waffen. Appellieren an alle, den aus dem Kreml stammenden Lügenmärchen vermeintlicher Friedensaktivisten nicht zu folgen.” – Aha, die Ukraine muß den Krieg also mit der Lieferung von Waffen gewinnen. Da schau her. Galt nicht bisher, daß die Ukraine keine Waffen liefern muß, sondern welche geliefert bekommt? – Brächtig, brächtig. Der Bracht wird doch mit Lieferung nicht Ablieferung gemeint haben, also: Die Ukraine muß den Krieg – insbesondere – gewinnen mit der Ablieferung von Waffen? Wo sollen sie die denn abliefern? Bei den Russen? Wos a Realitätssinn bei der Klarsteller-CDU, sapperlott. Jedenfalls hat der Marian Bracht einen “auch und insbesondere” sehr schönen Tweet abgesetzt zu den “aus dem Kreml stammenden Lügenmärchen vermeintlicher Friedensaktivisten” – har-har-har. Wenn es nicht so erschütternd wäre, dann wären solche brachtvollen Figuren einfach nur drollig. Dieser Jeffrey Sachs aber auch, der amerikanische “Professor Klugscheißer”. Alles weiß er besser als der Marian Bracht. Und der Colonel McGregor, dieser Professor Militärexperte, der an der US-Militärakadmie gelehrt hat. Und dieser Prof. Ganser aus der Schweiz. Und dieser Pepe Escobar, legendärer Journalist. Und der Clayton Morris. Und Andrew “Judge” Napolitano. Und der Ex-US-Marine-Officer und Ex-UN-Waffeninspekteur Ritter, der chinesische Außenminister, die AOU, die Lateinamerikaner -alle, alle, alle geben sie sich die brachtvolle Klinke der Eingangstür zum Kreml in die Hand, gehen unbeschwert hinein und kommen später mit Lügenmärchen schwer bepackt wieder heraus, um sie den “vermeintlichen Friedensaktivisten” mit den Worten vor die Füße zu werfen: “Hier bitte, bedient euch!” –  Wahnsinn. Das Aufschlußreichste an Marian Brachts Tweet ist “auch und insbesondere“, was er über die Eigenwahrnehmung seines Verfassers verrät. Der strebsame Herr Bracht, Marian, scheint tatsächlich in dem Wahn gefangen zu sein, es würde ihm auch nur noch ein Mensch mit Restverstand etwas für bare Münze abkaufen, ohne zu wissen, weshalb es Bracht vorgebracht hat.

Die grüne Allerbesinnlichste

goering
Der grüne Politiker-Mensch Katrin – Bild: shutterstock.com/photocosmos1

Den Vogel abgeschossen hat aber wieder einmal die grüne Frau Göring-Eckardt: “Die Ukraine muß gewinnen. Punkt.” Wie ist das zu beurteilen? Ich schlage ein Experiment vor: “Wir” stellen uns vor den Badezimmerspiegel, schauen uns tief in die eigenen Augen und fragen uns ernsthaft: Ist es schon so weit gekommen mit dir, Spiegelbruder, daß du dir von einer Küchenhilfe aus der ehemaligen Ostzone sagen läßt, wann eine Sache ausdiskutiert zu sein hat? – Was sehen “wir”? Wir sehen, wie sich der Blick unseres Spiegelbruders verfinstert, wie ihm die Zornesader an der Schläfe schwillt – und wie er dann entschlossen zwischen seinen Zähnen hervorstößt: “Niemals! Punkt!”

Die Danksagung

Bei alledem sollte man natürlich den Dank nicht vergessen. Kaum etwas hat nämlich nur negative Seiten. Daß die deutsche Industrie 1945 völlig zerstört gewesen ist, war nur am Anfang richtig schlimm. Es wurden dann moderne Fabriken gebaut – und dreißig Jahre später war das deutsche Durchschnittseinkommen doppelt so hoch wie das im perfiden Albion mit seinem altmodischen Krempel. Hiermit danke ich also allen “Ukraine-muß-Krieg-gewinnen-Zwitscherern” für die unfreiwillige Offenheit, mit der sie zugegeben haben, wofür sie selbst sich – und wofür sie die Adressaten ihrer Tweets halten. “Wir” werden bei passender Gelegenheit noch einmal darauf zurückkommen.

165baf456c79421aa14b432b17d3d00a

Entdecke mehr von Journalistenwatch

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen