Auf dem Gipfel des Argwohns - Symbolfoto: Imago

Grüner Reichtum: Der Gipfel des Argwohns

Der Reichtum wird allzu oft mit Geld in Verbindung gebracht. Dabei kann man an allem möglichen reich sein. Am Geist zum Beispiel. Dann ist man geistreich. Wenn man an Grüne denkt, ist man aber mit Geld dem grünen Reichtum am nächsten. Kenntnisreichtum scheidet schließlich ebenfalls aus.

von Max Erdinger

Als ich heute Nachmittag vom Gipfel des Argwohns herab auf mein wunderschönes Heimatland blickte, auf die malerischen Dörfer, die klaren Flüsse und die grünen Wälder, wollte sich meine Seele nicht wie sonst entspannen, denn ein nagender Verdacht hatte sich ihrer bemächtigt. Ich argwöhnte, daß die diplomatischen Vertretungen anderer Länder in Deutschland sich gegenseitig lustige bis gehässige E-Mails schicken, in denen sie über unsere Außenministerin ablästern. Im Geiste konnte ich sogar welche lesen. Sie wollen gar nicht wissen, was sich die diplomatischen Vertretungen anderer Länder in Deutschland alles zusenden hinter unserem Rücken. Das ist so voll bodenloser Verachtung und fieser Häme, daß Sie ganz traurig werden würden, wenn Sie es wüssten. Gottlob war ich allein auf dem Gipfel des Argwohns, sonst hätte ich womöglich jemandem erzählt, was ich im Geiste gelesen hatte.

Aber wie war es möglich, daß ich auf dem Gipfel des Argwohns von solcherlei Gedanken gepeinigt wurde? Das muß wohl so gekommen sein: Bevor ich mit dem Aufstieg zum Gipfel begann, hatte ich noch eine beschämende Meldung gelesen. Die gründeutsche Botschafterin in Ungarn, Frau Julia Gross, hatte sich vergangenen Montag mit dem dortigen Minister für Regionalentwicklung getroffen und in einem Tweet darüber berichtet. Kooperation bei Kultur und Bildung seien einer der Grundpfeiler in den Deutsch-Niederländischen Beziehungen, hatte sie geschrieben. Natürlich hatte sie die Deutsch-Ungarischen Beziehungen gemeint, aber wie man das im Smartphone-Zeitalter gerne macht, hatte sie für das Wort “Deutsch” ein Emoji mit der deutschen Flagge verwendet – und für das Wort “Ungarisch” ein Emoji mit der niederländischen Flagge. Alle fragten sich, weshalb die grüne Frau Botschafterin Gross mit einem ungarischen Minister für Regionalentwicklung über die Grundpfeiler der Deutsch-Niederländischen Beziehungen reden wollte.

Daraufhin machten Twitter-User die Frau Diplomatin auf die merkwürdige ungarische Flagge in ihrem Text aufmerksam. Zu ihrer Entschuldigung erklärte die Gründiplomatische dann, daß sie in der Finsternis gepostet habe und deshalb grün nicht so gut von blau habe unterscheiden können. Das kam den Twitter-Nutzern schon wieder seltsam vor, weil Dinge auf dem Display eines Smartphones im Dunkeln normalerweise besser zu erkennen sind als bei strahlendem Sonnenschein. Die Frau Diplomatin würde sie doch wohl nicht mit einer extrabilligen Ausrede angeschwindelt haben? Grüne lügen doch sonst nie? Auf jeden Fall bedankte sich die gründeutsche Botschafterin Deutschlands in Ungarn für den Hinweis auf das verkehrte Emoji und versprach, es durch das richtige Emoji zu ersetzen.

Aller guten Dinge sind drei

Doch was war das? Wenig später war auf einmal zu lesen, daß die Kooperation bei Kultur und Bildung einer der Grundpfeiler in den Deutsch-Tadschikischen Beziehungen sei. Immer noch waren aber die Deutsch-Ungarischen Beziehungen gemeint. Die grüne Frau Diplomatin hatte schon wieder das falsche Flaggen-Emoji für Ungarn verwendet. Und das war nicht mehr witzig, weil Tadschikistan als einer der repressivsten Staaten der Welt gilt. Darauf hingewiesen, daß sie erneut die falsche Flagge verwendet hatte, antwortete die grüne Kosmopolitin, aller guten Dinge seien drei – und dann endlich hatte sie das richtige Flaggen-Emoji für Ungarn gefunden.

Man ist ja schon einiges gewöhnt aus dem Hause Baerbock und hat seine Ansprüche dementsprechend heruntergeschraubt. So saß ich also mutterseelenallein auf dem Gipfel des Argwohns und versuchte, mir einzureden, ich müsse schon froh darüber sein, daß die grüne Frau Botschafterin wenigstens das deutsche Flaggen-Emoji nicht mit dem belgischen verwechselt hatte – und daß drei Versuche für das ungarische Flaggen-Emoji so schlecht nicht seien, weil schließlich das italienische auch noch zur Verfügung gestanden hätte. Und überhaupt: War dieses Flaggen-Emoji-Desaster eigentlich ein typisch östrogenalgründeutsches Malheur, oder ließ sich Ähnliches auch im Ausland bereits beobachten?

Da fiel mir gottlob die britische Kurzzeit-Premierministerin Liz Truss ein, die kurz vor der Invasion der Russen in die Ukraine einer Fangfrage des klugen und gebildeten Herrn Außenministers Lawrow auf den Leim gegangen war. Der hatte sie gefragt, ob sie wenigstens Rostow am Don den Russen zugestehen wolle, was die britische Inselbegabte ganz energisch verneinte. Natürlich wusste der listige Lawrow daraufhin sofort, mit welcher Koryphäe er es zu tun hatte. Und als etwa um die gleiche Zeit herum ein Bild der grünen Außenministerin Deutschlands in den Medien auftauchte, das sie in Moskau an einem Konferenztisch zeigte, sah das ganz danach aus, als habe sie sich am Abend vorher von trinkfesten Russen:innen unter den Tisch saufen lassen. Wahrscheinlich hatten die sogar recht freundliche Reden geschwungen dabei – und nur, um den Chinesen dann lustige E-Mails mit den Bildern einer sternhagelvollen deutschen Außenministerin zu schicken, die von zwei kräftigen Bodyguards auf einer Spur von Erbrochenem in ihr Hotelzimmer geschleift wird. Was einem auf dem Gipfel des Argwohns eben so durch den Kopf geht, während tief unter einem pittoresk die deutschen Dörfer, die klaren Flüsse und die grünen Wälder des geschundenen Heimatlandes ausgebreitet liegen.

Irgendwie mußte es doch möglich sein, den Abstieg vom Gipfel des Argwohns zu schaffen, ohne dieses lästige “typisch östrogenalgründeutsch” auf der Seele lasten zu haben. Es durfte doch nicht wahr sein, daß nur mein Heimatland mit solchen Figuren geschlagen war? Mein Gemütszustand hellte sich allerdings erst wieder auf, als ich zuhause angekommen war und die nächste Meldung las. Sie stammte aus dem britischen “Telegraph”. Die britische Fährgesellschaft P&O, deren Schiffe ständig zwischen Dover und Calais verkehren, hatte zwei neue Hybridschiffe angeschafft für 230 Millionen Pfund, Fähren also, die über einen Kombiantrieb aus einem riesigen Elektroakku und einem herkömmlichen Schiffsdiesel verfügen. Ganz schön teuer, solche Hybridfähren. In der Meldung stand zu lesen, daß diese Anschaffungen aber ein Schlag ins Wasser gewesen sind und nicht einer gegen den fiesen Weltklimawandel, den gräßlichen. Weil: Weder im Hafen von Dover noch in dem von Calais gibt es Ladekapazitäten für die riesigen Akkus der Fähren. Deshalb würden die Fähren nun ihre schweren Akkus mit der Motorkraft der herkömmlichen, notwendigerweise etwas unterdimensionierten Schiffsdieseln über den Ärmelkanal schippern, was die Überfahrtsdauer nicht gerade verkürzt. Der Lebensdauer der beiden Schiffsdiesel dürfte es auch nicht gerade zuträglich sein, wenn sie die ganze Zeit auf Volllast laufen müssen, um die Fähre wenigstens nicht unter die Reisegeschwindigkeit einer römischen Galeere absinken zu lassen.

Optimismus

Nach dieser Meldung war ich dann wieder ganz frohen Mutes und sagte mir: Tröste dich, du bist nicht allein auf Gottes schöner Welt mit deinen östrogenalgründeutschen Weltenretter:innen. “Die Menschen” anderer Nationen haben ebenfalls ihr Päckchen zu tragen mit den Durchgeknallten:innen. Aber da spielte natürlich auch eine riesige Portion Glück mit. In meiner Gegend gibt es (noch) keine riesigen Windräder in Hülle und Fülle. Diesbezüglich lebe ich auf einer Insel der Seligen, genau in der schmalen Mitte zwischen dem Naturpark Frankenhöhe und dem Naturpark Steigerwald. Nirgendwo in der unmittelbaren Umgebung meines Städtchens kann man ein Windrad sehen. Wenn ich mir aber vorstelle, daß ich nur aus dem Fenster zu blicken bräuchte, um Dutzende von diesen riesigen Monstren in meiner lieblichen Heimat herumstehen zu sehen, wie sie blöde die Landschaft verschandeln und sich wegen Flaute noch nicht einmal drehen, dann wird mir sofort klar, daß ich mir den Aufstieg auf den Gipfel des Argwohns sparen könnte, weil sich mein Wohnzimmer bereits auf demselben befände. Vor allem, wenn dann noch der Fernseher liefe und ich die wenig geistreichen Grünvisagen sehen müsste, derentwegen der ganze nutzlose Monsterkrempel die Landschaft entstellt.

Aufgrund meinr philanthropischen Grundhaltung muß ich aber sagen, daß es mich natürlich freut, wenn grüne “die Menschen” in der Politik ein leistungsloses Grundeinkommen beziehen, das ihnen vom deutschen Steuerzahler großzügig gewährt wird. Es ist sogar so viel, daß auch Grüne reich werden können. Das Gehalt einer Flaggen-Emoji-Diplomatin liegt für eine Neueinsteigerin bei mindestens 4.600 Euro brutto im Monat, kann aber auch bis auf über 8.000 Euro steigen. Da kann man natürlich gut am Geistesreichtum sparen, ohne daß es einem zum Nachteil gereicht.

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