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Wo steckt der Terrorchef? Warum fahndet die Polizei nicht öffentlich nach Guntermann?

Er gilt als der „meistgesuchte Linksextremist Deutschlands“ (Bild): Johann Guntermann, genannt „Lücke“. Während die Linkextremistin Lina Engel wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung in U-Haft sitzt und auf ihr Urteil wartet, ist ihr damaliger Verlobter seit Jahren auf der Flucht vor der Polizei. „Ein Prozent“ liegen exklusive Informationen vor, wonach er nach wie vor in Leipzig sein könnte!

Ein Beitrag von EinProzent

Doch von vorne: Als Lina Engel am 6. November 2020 von vermummten Beamten aus dem Polizeihubschrauber geführt wurde, sorgte das für eine Menge Aufmerksamkeit. Es war das erste Mal seit mehr als 20 Jahren, dass der Generalbundesanwalt den Fall einer Linksextremistin übernahm. Die Leipziger Studentin soll Teil einer äußerst brutalen Antifa-Gruppe sein, die militärisch geplante Überfälle auf vermeintliche Rechte begangen hat. Weil die Bande mit Hämmern zuschlug und das Überleben ihrer Opfer kaum mehr als dem Zufall überließ, ist im Haftbefehl vom „Grenzbereich zum Terrorismus“ die Rede.

Die Antifa-Zelle hat sich selbst nie einen Namen gegeben. Ermittler nennen sie die „Gruppe E.“ Andere sprachen von der „Hammerbande“.

Drahtzieher der „Hammerbande“

Während der Fokus der Presse immer auf der jungen Frau mit Nagellack und Minirock lag, wurde ihren Mitangeklagten und ihrem Partner in Crime kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Das lag zum einen an medialer Effekthascherei, zum anderen an der Soli-Kampagne der Antifa-Szene, die – zumindest anfangs – auch von zahlreichen linken Journalisten und Politikern mitgetragen wurde.

Dabei spricht viel dafür, dass Johann Guntermann der eigentliche Drahtzieher hinter der „Hammerbande“ ist. Zuletzt hat das ein Kronzeuge im sogenannten Antifa-Ost-Prozess bestätigt. Immer wieder sei es Guntermann gewesen, der mögliche Zielpersonen für Überfälle ausgesucht und ausgekundschaftet habe, um dann Mittäter zu rekrutieren. Dabei habe dieser auf ein klandestines Netzwerk vor allem aus Leipzig und Berlin zurückgegriffen. Besonders wichtig sei ihm gewesen, persönlich an den Attacken beteiligt zu sein, um den Schaden bei den Opfern zu „maximieren“.

Auch mehrfache Haftstrafen konnten den gebürtigen Hallenser, der als Kind mit seinen Eltern nach Bayern zog und 2011 nach Leipzig zurückkehrte, nicht von seinen Taten abhalten. Noch bis September 2019 verbüßte er eine Haftstrafe in einem sächsischen Gefängnis, unter anderem, weil er Steine auf das Leipziger Amtsgericht geworfen und bei einer Legida-Demonstration eine Frau zusammengeschlagen und als „Nazi-Schlampe“ beschimpft hatte. Während seiner Haftzeit scharte er eine Gruppe von Antifa-Hools um sich, die im Gefängnis für Fotos mit Szene-Shirts und Sturmhauben posierten und sich dafür in einem linken Szenemagazin feiern ließen. Als er auf Bewährung freikam, begann Guntermann laut Verfassungsschutz sofort, seinen Aufenthaltsort zu verschleiern. Zwei Mal war er an Überfällen auf die Kneipe „Bulls Eye“ in Eisenach beteiligt, Ermittler fanden seine DNA am Tatort. Nach der aus dem Ruder gelaufenen zweiten Attacke wurde Lina Engel auf der Flucht von der Polizei gestellt. Die Luft für die Bande wurde dünner.

Johann%20Guntermann%202018Quelle: Screenshot Bild-Zeitung

Lückes Handschrift

Nachdem Engel im Juli 2020 das erste Mal kurzzeitig verhaftet wird, tauchte Johann Guntermann endgültig ab. Szenekenner vermuten ihn zwischenzeitlich in der Schweiz oder in Athen. Doch weiterhin kam es zu brutalen Überfällen, die seine Handschrift tragen. Nur einen Tag, nachdem Haftbefehl ergangen ist, wird in Dresden ein ehemaliger Mitgefangener attackiert. Guntermann soll diesen noch hinter Gittern mit den Worten „Du Nazi, dich kriegen wir auch noch“ bedroht haben. Die Täter verkleideten sich als DHL-Boten, klingelten und schlugen den Mann dann mit einem 500g-Schlosserhammer nieder.

Einige Monate später, im März 2021, wurde im sächsischen Eilenburg der JN-Vorsitzende Paul R. überfallen. Als Polizisten verkleidete Linksextremisten drangen in die Wohnung des Familienvaters ein und versuchten, seine Füße mit Hämmern zu zertrümmern. Das Ziel: Der angehende Fahrlehrer sollte seinen Beruf nie wieder ausüben können. Rund zwei Monate später spielten sich in Erfurt ähnliche Szenen ab. Vermeintliche „Polizisten“ rammten die Tür eines jungen Pärchens auf, fesselten beide. Sie brachen dem Mann ein Bein, sprühten ihn mit Pfefferspray ein und übergossen seine schwangere Freundin mit einer aggressiven Flüssigkeit.

Sowieso, immer wieder Thüringens Landeshauptstadt: Im April 2022 trifft es eine Verkäuferin in einem Thor-Steinar-Laden („Ein Prozent“ organisierte Hilfe für die junge Mutter). Auch das Muster dieses Überfalls spricht eindeutig für Guntermann: Schließlich hatte dieser bereits 2019 eine ähnliche Tat in Dortmund begangen. Dann, im Januar 2023, werden zwei Mitglieder der Splittergruppe „Neue Stärke Partei“ überfallen und schwer verletzt. Besonders brutal: Erstmals setzten die Täter eine Axt als Tatwaffe ein. Ein Opfer erleidet einen Schädelbruch.

Über die jüngste Serie von Gewalttaten in Budapest, die sich mit der „Hammerbande“ in Verbindung bringen lässt, haben wir hier und hier ausführlich berichtet. „Ein Prozent“ deckte auf: Der in Ungarn Hauptverdächtige ist Tobias Edelhoff, der schon gemeinsam mit Johann Guntermann Überfälle beging und laut Kronzeugen zu dessen engeren Kreis zählt. Inzwischen sitzt Edelhoff in Ungarn in U-Haft.

Verräterische Tattoos

Doch auch die deutsche Polizei jagt die Hintermänner, die größtenteils aus der Bundesrepublik stammen. Kürzlich fanden wegen des Antifa-Amoklaufs in Ungarn Hausdurchsuchungen in Leipzig und Jena statt. Am Morgen des 15. März durchsuchten die Beamten mehrere Wohnungen, die der linksextremen Szene zugerechnet werden. Auffällig war jedoch, dass es am Nachmittag in der Eichendorffstraße in Leipzig-Connewitz noch eine weitere, offenbar spontane Razzia unter Beteiligung des SEK gab. Das hatte es offenkundig eilig und schoss sich Türen kurzerhand mit der Schrotflinte auf (es gibt zu diesem Zweck spezielle Munition). Der wahrscheinliche Grund: Die Beamten hatten während des Einsatzes Hinweise auf eine „flüchtige Person“ gewonnen.

Auf dem Szeneportal Indymedia heißt es über die Vorgänge:

„Uns wird nur gesagt, wir seien Drittbetroffene, uns selbst sei nichts vorzuwerfen, es gäbe aber eben diesen nicht näher bezeichneten Hinweis zum Aufenthaltsort einer gesuchten Person oder mehrerer gesuchten Personen. Auf eine außergewöhnliche Beobachtung ist noch hinzuweisen: Die Polizei interessierte sich für besondere Merkmale an Fingern und Händen. Welche, verriet sie nicht.“

Wir bringen an dieser Stelle gerne Licht ins Dunkel: Es geht um Johann Guntermann, der in Frakturschrift „Hate Cops“ auf die Finger tätowiert hat.

SuperNovaQuelle: Supernova Mag

Damit verdichten sich die Indizien, dass Guntermann weiter in Deutschland und nach wie vor aktiv ist – und dass es sich bei der „Hammerbande“ und den Hintermännern der letzten Gewalttaten um ein und dieselbe Gruppe handelt. Diese hat zwar offenkundig eine (auffällig weibliche) zweite oder dritte Generation herausgebildet, weist aber auch personelle Kontinuitäten auf.

Wie es scheint, ist Johann Guntermann den Ermittlern einmal mehr knapp entwischt. Umso unverständlicher ist, dass die deutschen Behörden – anders als ihre erfolgreicheren ungarischen Kollegen – nicht öffentlich nach Mitgliedern der „Hammerbande“ wie ihm fahnden. Immerhin ist Guntermann bereits seit mehr als zwei Jahren untergetaucht.

Neue Erkenntnisse

Apropos weiblicher Neuzuwachs: In unseren Artikeln über die Budapest-Attacken konnten wir bisher alle namentlich bekannten Täter identifizieren. Bis auf „Anna M.“, die nach den Taten gemeinsam mit Tobias Edelhoff verhaftet wurde und unter polizeilicher Beobachtung freikam. Das wollen wir an dieser Stelle gerne nachholen. Es handelt sich um die in Hildesheim geborene Anna Christina Mehwald (26) aus Berlin-Treptow. Für Informationen zur Person sind wir wie immer dankbar.


Quelle: Screenshot Facebook-Profil CoreTex