Ein Politiker beim Denken (Symbolfoto:Von Lolostock/Shutterstock)

Erdingers Schweigsamkeit: Dämliches Stück Hirn-Vakuum

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+++ Ein dämliches Stück Hirn-Vakuum hatte vor dem Landgericht in Heilbronn wegen Beleidigung denjenigen verklagt, der es in einem Kommentar bei Facebook als ein solches Stück bezeichnet hatte. Die Äußerung des Beklagten unterliege jedoch der Meinungsfreiheit, stellte das Landgericht Heilbronn fest – und lehnte die Klage des dämlichen Stücks Hirn-Vakuum ab. Ein schwarzer Tag für die Gemeinschaft der dämlichen Stücke Hirn-Vakua in Deutschland. Dem Landgericht Heilbronn zufolge kann nun wohl jedes einzelne Stück dämlichen Hirn-Vakuums als “dämliches Stück Hirn-Vakuum” bezeichnet werden. Lob & Ehre dem Heilbronner Landgericht für seinen Dienst an dem eminent wichtigen Recht, seine Meinung frei zu äußern.

Nicht ganz zufrieden mit der Klageabweisung soll jedoch die eminent weise, mordsmäßig gebildete und blitzgescheite SPD-Politikerin Sawsan Chebli aus Berlin gewesen sein. Wie die umstrittene “F.A.Z.” angeblich berichtet haben soll, habe sich die brillante Frau Ex-Staatssekretärin geäußert wie folgt: “Das Gericht sendet mit dieser Entscheidung ein fatales Signal. Meinungsfreiheit bedeutet nicht, dass man Menschen aufs Übelste beleidigen und diffamieren darf“.  Daß Hass und Hetze keine Meinung und das Netz kein rechtsfreier Raum seien, habe die kommunikationsphilosophische Koryphäe außerdem noch behauptet, soll es in der anno dunnemals noch lesenswerten, heute jedoch umstrittenen Allgemeinpublikation aus Frankfurt am Main geheißen haben, deren fataler Buchstabensalat mutmaßlich keiner Lektüre mehr wert ist. Weswegen meinereiner den Artikel auch nicht gelesen hat, obwohl er die Schlagzeile nicht ignorieren konnte. Meinereiner kommentiert das deshalb auch nicht und übt sich lieber in Schweigsamkeit, um nicht sagen zu müssen, daß das Netz auch kein Raum für ein dämliches Stück Hirn-Vakuum sein kann. Hingegen kann schon sein, daß ihm deshalb ein wichtiges Detail an der Geschichte über das Landgericht und das dämliche Stück Hirn-Vakuum entgangen ist. Er will also nichts gesagt haben. +++

+++ Im Sauerland hatte der 68-jährige Manfred Stell den fehlerhaften Entschluß gefaßt, den ersten alkoholfreien Landgasthof der Region zu eröffnen. Im Restaurant gab es keinerlei alkoholhaltige Getränke auf der Karte. Nach nur einem Monat mußte der Abstinenz-Pionier den rauch- & alkoholfreien Betrieb schon wieder schließen, berichtet die umstrittene “hna“. In dem Artikel werden alle möglichen Ursachen für den geschäftlichen Mißerfolg von “Stells Landgasthof” erwähnt, nur die entscheidende nicht. Ausreden wie “unbezahlbare Energiepreise” und “Personalmangel” sind zwar allgemein sehr beliebt, aber  der entscheidende Fehler war, daß Manfred Stell in seinem Restaurant Speisen angeboten hatte, die von Bedienungen serviert worden sind. Hätte er diesen Fehler nicht gemacht, könnte Manfred Stell heute zufriedener Gastronomie-Millionär sein. Sein Werbeslogan hätte lauten müssen: “Stells Landgasthof – das erste speisenfreie Restaurant. Ganz ohne Speisen. Und ohne Bedienung.” Aber meinereiner will nichts gesagt haben. +++

Stells Landgasthof
Nicht nur auf Hawaii gab es kein Bier, sondern in Stells Landgasthof auch nicht – Screenshot “hna”

+++ Die weltberühmte Autorin Agatha Christie (1890 – 1976) ist endlich aufgeflogen. In den Machwerken der ordinären Kriminalromans-Schlampe wurden Textstellen entdeckt, die unmöglich so bleiben können, wenn des Lesenden Wohlgefühl nicht beeinträchtigt werden soll. Nervenstarke “Sensitivity Reader” ( “Empfindlichkeitsleser”), wahre Metzgerseelen vor dem Herrn, hatten selbstlos nach den anstößigen Formulierungen der völlig verwahrlosten Literatin von der umstrittenen Insel gefahndet. Die entsprechenden Textstellen sollen ihren Vorschlägen gemäß “entschärft” werden. Das Resultat wäre dann “Hercule Poirot in gerechter Sprache”. Das Vorgehen ist nicht ganz neu. Seit vielen Jahren schon gibt es die von femsibimstischen Sensitivity-Readern allen empfindlichkeitsdefätistischen Unrats befreite “Bibel in gerechter Sprache”. Aus Pippi Langstrumpfs Vater, im literarischen Original von Astrid Lindgren seines Zeichens “Negerkönig in der Südsee”, wurde bereits ein “Südseekönig”. Liedertexte von Udo Jürgens wurden von ihrem empflichkeitsschädlichen Schrecken befreit. In dem Kinderlied vom Hoppe-Hoppe-Reiter wurde aus: “ … fällt er in den Graben, fressen ihn die Raben” ein “ … fällt er in den Graben, HELFEN ihm die Raben“.

Sensitivity Reader
“Empfindlichkeits-Leser*in”: Knallharter Job für unempfindliche Metzgerseelen – Screenshot Facebook

Kommentar eines inexistenten Experten für Literatur & Schweinehaltung: In früheren Zeiten, als “Sensitivity” noch nicht so populär gewesen ist in Deutschland, seien die “Sensitivity Reader*innen” zwar ebenfalls schon bekannt gewesen, hätten aber andere Bezeichnungen gehabt. Damals seien sie “NS-Textstellenfahnder” bei der “empfindlichen Reichsschrifttumskammer” genannt worden. Die Kommentare von inexistenten Experten bewertet meinereiner aber lieber nicht. Wegen der löblichen Schweigsamkeit nicht. +++