Krypto Handel Entzug in Spanien: Reha Klinik bietet außergewöhnliches Entzugsprogramm an

Kryptowährungen sind kein Nischenprodukt im Finanzsektor mehr. Sie sind längst im Mainstream angekommen. Insbesondere der Handel mit Bitcoin, Ethereum und Co. floriert und ermöglicht schnelle Renditen. Allerdings birgt diese Form des Handelns auch Risiken, denn die Suchtgefahr ist groß. Wer der Sucht verfällt, findet Hilfe in speziellen Reha-Kliniken, die ein außergewöhnliches Entzugsprogramm anbieten.

The Balance – Luxus-Krypto-Rehazentrum

Dass der Krypto-Handel auch seine Schattenseite hat, erkannte Abdullah Boulad bereits früh. In einem Interview verglich er das Geschäftsfeld mit einem Casino, das man zu jeder Zeit mit sich führt. Das Gefahrenpotenzial ist laut Boulad entsprechend riesig.

Vor gut sechs Jahren startet er ein Entzugsprogramm für Menschen, die dem Krypto-Handel verfallen sind und dem Teufelskreis der Sucht aus eigener Kraft nicht mehr entkommen. Das Programm hört auf den Namen The Balance und nahm seinen Anfang in der Schweiz. Heute gibt es weitere Standorte. So ist etwa auch ein Entzug für Krypto-Handel in Spanien oder in Großbritannien möglich.

Hundert Kunden pro Jahr betreut Boulad nach eigener Aussage. Die meisten Patienten sind relativ junge Unternehmer – meist zwischen 30 und 45 Jahren. In einem Luxus-Rehazentrum werden sie von 70 Spezialisten behandelt – darunter Ärzte, Psychologen und Psychotherapeuten. Auch ein persönlicher Manager und Koch wird den Kunden gestellt. Ihnen soll es während ihres Entzugs an nichts fehlen.

Das Programm ist jedoch nicht billig. Eine typische vierwöchige Krypto-Reha bei The Balance kostet zwischen 192.000 und 320.000 US-Dollar. Jede der Behandlungsvillen verfügt über einen Pool und ist entweder auf dem Land oder am Strand gelegen. Behandlungen für Alkoholismus, Drogenmissbrauch und Entgiftungen sowie ein Programm für Prominente werden ebenfalls angeboten.

Paracelsus Recovery

Paracelsus Recovery bietet ein vierwöchiges stationäres Programm zur Behandlung von Krypto-Sucht. Der Kostenpunkt liegt bei etwa 100.000 US-Dollar pro Woche. Gegründet wurde die Reha-Klinik von Jan Gerber im Jahr 2020.

Paracelsus besitzt insgesamt vier Residenzen in Zürich. Geboten werden ein Seeblick, private Köche und Dienstmädchen, Klienten-Suiten sowie eine separate Suite für einen 24-Stunden-Therapeuten. Zu den Dienstleistungen gehören Bentley-Limousinen und ein eigener Fahrer für Termine oder Ausflüge.

Auch spezielle Wünsche werden erfüllt – Klavier, High-End-Soundsysteme, Spielkonsolen, VR und Streamingdienste. Seit 2020 hat das Reha-Zentrum jährlich zwei bis drei Klienten wegen Krypto-Sucht behandelt.

The Diamond

In Asien erhalten Krypto-Süchtige für 25.000 US-Dollar eine Behandlung im The Diamond. Das luxuriösen Reha-Zentrum liegt in Phuket, Thailand, und wurde von Theo de Vries ins Leben gerufen.

Hier befinden sich 15 Zimmer auf einem Berg mit Blick auf den Andamanensee. Kunden erhalten 28 Tage lang Unterstützung von Psychologen, Suchtberatern, Psychiater und Pflegepersonal. Zudem stehen stets klinische Hilfskräfte und Mitarbeiter der thailändischen Fünf-Sterne-Küche zur Verfügung. An eine Einzahlung mit Kryptowährungen ist bei dieser rund um die Uhr Betreuung nicht zu denken.

Castle Craig Hospital

Das Castle Craig Hospital behandelt Menschen, die süchtig nach dem Handel mit Bitcoin, Ethereum und Co. sind, nach dem Vorbild einer Spielsucht. Laut der Klinik sind Symptome für eine Sucht unter anderem Muskelverspannungen und Angstzustände. Aber auch der Drang, ständig die Währungskurse zu überprüfen, ist ein Indiz für süchtiges Verhalten.

Tony Marini, ein Therapeut bei Castle Craig, sagte gegenüber dem Krypto-Nachrichtenportal Decrypt, dass er seit dem Jahr 2017 insgesamt 15 Patienten mit Krypto-Sucht behandelt hat. Seiner Meinung nach ähnelt der Handel mit Kryptowährungen dem Glücksspiel.

Krypto-Reha – klappt das überhaupt?

Anna Lembke, Psychiatrieprofessorin an der Universität Stanford und Leiterin der Stanford Addiction Medicine Dual Diagnosis Clinic, erklärte im Februar 2023 im Gespräch mit der BBC, dass die Behandlung von Krypto-Sucht auf einem soliden Fundament steht. Die Abläufe und die generelle Methodik kommt auch bei anderen Suchterkrankungen zum Einsatz.

Bei einer Sucht handelt es sich um eine biopsychosoziale Krankheit, die eine biopsychosoziale Intervention erfordert – etwa durch Medikamente (situativ), Einzel- und Gruppenpsychotherapie, Änderung der Gewohnheiten und der Umgebung sowie die Einführung gesünderer Ersatzaktivitäten.

Boulad von The Balance und de Vries von The Diamond sind beide der Überzeugung, dass die Behandlung funktioniert. Die Patienten schaffen es, aus der Sucht herauszukommen. Sie ändern ihre Verhaltensmuster und krempeln ihren gesamten Lebensstil um. Sie kümmern sich wieder um die Familie und sind glücklich, weil die zugrundeliegenden Probleme innerhalb des Entzugsprogramms gelöst wurden.

Geschichte der Kryptografie

Der Urknall der Kryptografie und somit die Basis zur Entstehung von Kryptowährungen liegt etwa 45 Jahre zurück. 1976 publizierte das amerikanische National Bureau of Standards and Technology den Algorithmus Data Encryption Standard (DES).

Dieser wurde gemeinsam von dem IT-Unternehmen IBM und der bundesstaatlichen US-Behörde NSA entwickelt. DES ermöglichte Personen und Unternehmen über verschlüsselte Nachrichten zu kommunizieren. Die US-Regierung war somit die erste Regierung, die einen Krypto-Algorithmus veröffentlichte.

Dezentrale Strukturen

Im Jahr 1999 bot Napster kostenlos MP3-Musikdateien auf seiner Plattform an und revolutionierte damit die bisher von physikalischen Tonträgern dominierte Musikindustrie. Zunächst wurde dieses kostenfreie Angebot von staatlichen Stellen auf Grund der damit verbundenen  Urheberrechtsverletzungen unterbunden.

Allerdings bildeten sich dezentrale Strukturen von Filesharing-Plattformen, um sich gegen die Eingriffe der Obrigkeit zu wehren. Durch das dezentrales Filesharing wurden die Dateien nicht mehr auf einem zentralen Rechner oder Server zum Download bereitgestellt werden. Vielmehr verbanden sich die vielen Rechner zu einem sogenannten Peer-to-Peer-Netzwerk (P2P). Hierbei dient jeder Rechner des Netzwerks als Speicher- und Downloadelement.

Alle Bemühungen staatlicher Stellen, dem Austausch von Musikdateien Einhalt zu gebieten, verliefen daher im Sand. Wurden ein paar Knoten des weltweiten Netzwerks abgeschaltet, entstanden an anderer Stelle einfach neue. Die Macht dezentraler Netzwerke war bewiesen.

Satoshi Nakamoto und der Bitcoin

Die Geschichte des Bitcoin ist eng mit Satoshi Nakamoto verbunden. Er erkannte die Vorteile von P2P-Netzwerken und entwickelte unter Verwendung kryptografischer Verfahren ein eigenes, angriffssicheres System für eine Digitalwährung. Da es mit der Blockchain keine zentrale Autorität mehr gab, wurde sein Netzwerk resistenter gegenüber Cyberattacken. Seine Digitalwährung taufte er Bitcoin.

Am 03. Januar 2009 schürfte Nakamoto die ersten Bitcoin. Mit dem sogenannten Genesis Block wurden die ersten 50 Bitcoin erzeugt. Damit war das digitale Geld auf Basis einer dezentralen Blockchain und unter Verwendung seit Jahrzehnten bekannter Verschlüsselungsverfahren geboren.

Beitragsbild: https://unsplash.com/de/fotos/vBCVcWUyvyM

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