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Auch der TÜV kritisiert AKW-Aus

Berlin – Das wird die grünen Steinzeitler nicht weiter interessieren, aber versuchen kann man es ja mal, wobei man immer daran denken muss, dass die Grünen davon überzeugt sind, dass sämtliche Regierungen der Welt auf dem falschen Dampfer sind und nur sie den heiligen Gral der Energie in den Händen halten. Eine Denke, die schon einmal Deutschland das Genick gebrochen hat.

Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands, hat die Abschaltung der drei verbliebenen deutschen Kernkraftwerke kritisiert. “Die drei Kernkraftwerke hätten bis Ende des Jahrzehnts sicher weiterlaufen können”, sagte Bühler der “Bild” (Mittwochausgabe). Genau dafür seien die Meiler ausgelegt worden.

“Die Anlagen befinden sich in einem sehr guten Zustand. Die drei Kernkraftwerke, die am 15. April abgeschaltet werden sollen, wurden 1988 und 1989 in Betrieb genommen und sind für eine Betriebsdauer von mindestens 40 Jahren ausgelegt. Aus sicherheitstechnischer Sicht könnten bei regelmäßiger Wartung und der entsprechenden Sicherheitsprüfung die drei Kernkraftwerke noch einige Jahre betrieben werden”, so der Vorsitzende des TÜV-Verbands.

“Die deutschen Kernkraftwerke zählen nach wie vor zu den sichersten Kraftwerken der Welt. Das gilt bis zur Abschaltung und darüber hinaus.” Bühler bemängelt auch die Folgen des AKW-Aus für die Klimabilanz und die Stromversorgung.

“Die Atomkraftwerke liefern die Grundlast. Das heißt: Egal, ob draußen die Sonne scheint oder der Wind weht, die AKW liefern stabil Strom”, so Bühler. “Der Atomstrom, der nicht durch erneuerbare Energien gedeckt wird, muss durch Strom aus Kohle und Gas kompensiert werden – mit entsprechend schlechterer CO2-Bilanz.”

Der Weltklimarat hatte in seinem Synthesebericht Atomkraft als Möglichkeit zur CO2-Reduzierung im Energiesektor aufgeführt. Dabei übersteigt laut IPCC das Potential von Windkraft und Solar das Potential von Atomkraft um ein Vielfaches – bei deutlich geringeren Kosten.

Nur, dass die Grünen in der ideologischen Falle stecken (Atomkraft, nein danke) und die Welt zu Gründe richten würden, damit sie sich selbst treu bleiben können.

Hier weitere aktuelle Meldungen vom Energiesektor:

Greenpeace verteidigt AKW-Aus als “Booster” für Erneuerbare

Der Deutschland-Chef von Greenpeace, Martin Kaiser, spricht beim Ende der Atomkraft von einem “guten Tag für den Klimaschutz”. Schon heute stelle man fest, dass die Grundlast von Atom- und Kohlekraftwerken dazu führe, dass Windräder täglich abgeschaltet und damit Erneuerbare Energien verschwendet würden, sagte er den Sendern RTL und ntv. “Und mit dem Aus von Atomkraft werden wir jetzt einen richtigen Booster erleben für die Erneuerbaren Energien.”

Schon als der Beschluss für den Ausstieg aus Atomenergie getroffen wurde, habe man gesehen, dass dann ein Boom der Erneuerbaren Energien in Deutschland losgegangen sei. Greenpeace erwarte, dass auch jetzt die Weichen gestellt würden, um sowohl Klima- als auch Sicherheitspolitik “ernst zu nehmen”.

Trittin weist Forderung nach Atomkraft-Reserve zurück

Der frühere Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hat die Forderungen der FDP nach einer AKW-Reserve scharf zurückgewiesen. “Das ist kompletter Unsinn”, sagte er dem “Tagesspiegel” (Mittwochausgabe). Die Rechtslage würde dies nicht ermöglichen, so der Grünen-Politiker.

Zudem sei eine solche Reserve der verbliebenen drei Atomkraftwerke nutzlos: “Wir haben jetzt dreieinhalb Monate simulierte Versorgungssicherheit hinter uns. An den meisten Tagen haben wir mehr Strom produziert als benötigt, wir haben Strom exportiert, Windparks zugunsten der Atomkraft abgeschaltet und den Betreibern dafür Geld bezahlt.” Zuvor war ein 14-seitiges Strategiepapier der Liberalen bekannt geworden, in dem die FDP ihre Vorstellungen der Energiepolitik skizziert hatte.

Der Generalsekretär der FDP, Bijan Djir-Sarai, hatte zudem dafür geworben, die Atomkraftwerke mindestens noch ein Jahr in der Reserve zu behalten. Trittin kritisierte ihn dafür scharf: “Herr Djir-Sarai sollte sich überlegen, was er sein möchte: Generalsekretär einer Regierungspartei oder Kampfhamster im Auftrag der Bild”, sagte Trittin dem Tagesspiegel. “In Teilen der FDP fehlt mir die Ernsthaftigkeit bei dem Thema Energiewende und Zukunftstechnologien.”

Trittin, der von 1998 bis 2005 das Amt des Bundesumweltministers innehatte und damals den ersten Atomausstieg verhandelte, verteidigte das endgültige Atom-Aus am Wochenende. “Der Atomausstieg ist keine Grünen-Veranstaltung.” Man habe 2001 im Konsens den Beschluss gefasst, um Investitionssicherheit zu haben und den Ausbau der erneuerbaren Energien zu ermöglichen.

Die Atomkraft habe keine Zukunft: “Schon heute beträgt der Preis für Strom aus AKWs den vier- bis fünffachen Preis im Vergleich zu Strom aus Solar- und Windkraftanlagen”, sagte Trittin. Weltweit würden nicht einmal fünf Prozent der Energie durch Atomkraft produziert. “Atomkraft ist eine Nischentechnologie”, sagte Trittin.

Bundesverband Erneuerbare kritisiert Fokus auf LNG-Kraftwerken

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) hat die Bundesregierung aufgefordert, sich statt auf LNG-Kraftwerke auf den Ausbau der erneuerbaren Energien zu fokussieren. “Bei der Energiewende muss die Politik jetzt klaren Kurs halten, statt auf neue LNG-Gaskraftwerke mit ungewisser Wasserstoffzukunft zu setzen”, sagte BEE-Präsidentin Simone Peter dem “Redaktionsnetzwerk Deutschland” (Mittwochausgaben). “Wirtschaft und Gesellschaft müssen darauf vertrauen können, dass Erneuerbare die Versorgung verlässlich übernehmen und auch die Zeit für fossile Energieträger abläuft.”

Peter zeigte sich optimistisch, dass Deutschland bis 2045 Klimaneutralität in der Energieversorgung erreichen wird. “Die ersten Maßnahmen für mehr Tempo bei Solar- und Windenergie beginnen bereits zu wirken”, so die Verbandspräsidentin. “80 Prozent Erneuerbare Energien in der Stromversorgung bis 2030 bei gleichzeitiger Erfüllung des Kohleausstiegs und 100 Prozent Erneuerbare in Strom, Wärme und Mobilität bis spätestens 2045 sind erreichbar.”

Der Atomausstieg bedinge auf breitester Front die Nutzung aller erneuerbaren Technologien, sagte Peter.

Kemfert sieht Energieversorgung trotz Atomausstieg als gesichert

Claudia Kemfert, Energie-Expertin des DIW, hat Warnungen vor einer Gefährdung der Versorgungssicherheit durch den kommenden Atomausstieg zurückgewiesen. “Die derzeit noch laufenden restlichen drei Atomkraftwerke produzieren weniger als fünf Prozent der Stromerzeugung in Deutschland”, sagte Kemfert den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Mittwochausgaben). “Wir können in Deutschland problemlos die restlichen Atomkraftwerke abschalten, ohne dass die Lichter ausgehen.”

Dies wäre auch schon am 1.1.2023 möglich gewesen, so Kemfert. “Der letzte Winter hat gezeigt, dass die Gefahr eines Blackouts nie bestand.” Weder sorge der geringe Beitrag der Stromproduktion durch Atomkraftwerke für sinkende Strompreise noch für sinkende Emissionen, sagte die Wissenschaftlerin.

Der Neubau von Kraftwerken dauere nicht nur Jahrzehnte, sondern sei enorm teuer und ohne staatliche Subventionen nicht finanzierbar. Auch die nun versprochene angeblich neue Atomtechnik von kleinen Reaktoren entpuppe sich bei näherem Hinsehen als “Fata Morgana”, sagte Kemfert. Für den Ausstieg sprechen ihr zufolge unter anderem die hohen Kosten der Technologie: Rechne man externe Kosten wie Neubau und Endlagerung ein, sei Atomstrom extrem teuer, so Kemfert.

“Atomenergie macht nur Verluste und muss staatlich subventioniert werden. Erneuerbare Energien und Windstrom sind deutlich billiger.” Daher sollte das Kapitel des Betriebs von den restlichen drei Atomkraftwerken endlich geschlossen werden.

“Der Betrieb der Anlagen behindert den Umstieg zu erneuerbaren Energien, da Atomkraftwerke zu inflexibel sind in der Kombination mit erneuerbaren Energien und der Weg nicht frei gemacht wird für die echte Energiewende mit erneuerbaren Energien”, erklärte sie. “Es ist Zeit, die Kraftwerke endlich abzuschalten und die endlosen Gespenster- und Zirkeldebatten zur Atomenergie zu beenden. Um es zusammenfassend zu sagen: Atomenergie ist zu teuer, zu langsam, zu gefährlich und zu blockierend.”

Umfrage: Mehrheit gegen Abschaltung letzter Atomkraftwerke

Zwei Drittel der Deutschen finden die Abschaltung der verbliebenen drei Atomkraftwerke nicht richtig. Das ist das Ergebnis einer Forsa-Umfrage für die Sender RTL und ntv. Demnach will die Mehrheit, dass die AKWs noch länger zur Stromerzeugung genutzt werden (43 Prozent) oder dass sogar auch noch einige der stillgelegten Atomkraftwerke wieder Strom produzieren sollten (25 Prozent).

28 Prozent dagegen finden die Abschaltung laut dem sogenannten “Trendbarometer” richtig. Für eine endgültige Abschaltung sprechen sich mehrheitlich nur die Anhänger der Grünen (65 Prozent) aus. Etwas weniger als die Hälfte der Bundesbürger (45 Prozent) glaubt generell, dass die Stromversorgung in Deutschland auch ohne Strom aus der Kernenergie dauerhaft gesichert werden kann, 51 Prozent glauben das nicht.

An eine dauerhafte Sicherung der Stromversorgung ohne Nutzung der Kernenergie glauben mehrheitlich lediglich die Anhänger der Grünen (81 Prozent) und der SPD (59 Prozent). Die Daten wurden vom 5. bis 6. April erhoben. Datenbasis: 1.001 Befragte.

Haßelmann verteidigt Abschalten der letzten Atommeiler

Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann hat das Abschalten der letzten drei deutschen Atommeiler in Deutschland zum 15. April als einen “Gewinn an Sicherheit” in der Energieversorgung verteidigt. “Atomkraft ist teuer, sie ist unsicher und sie ist eine Technologie von gestern”, sagte Haßelmann der “Rheinischen Post” und dem “General-Anzeiger” (Mittwochsausgaben). “Wie wir in Frankreich und Belgien sehen, sind AKW störanfällig und unzuverlässig.”

Mit dem Atomausstieg gewinne man in der Energieversorgung an “Sicherheit und Unabhängigkeit”. Jetzt sei der Weg frei für die Technologien der Zukunft, vor allem aus Wind und Sonne. Bereits in wenigen Jahren werde sich das Stromsystem in Deutschland zu 80 Prozent aus erneuerbaren Quellen speisen, so die Grünen-Fraktionschefin.

Damit würde “Wohlstand mit zukunftssicheren Arbeitsplätzen” in der Branche der Erneuerbaren Energien gesichert.

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