Wladimir Putin: Nicht im Wertewesten sprechen. - Foto: Imago

Schockierend: Des finsteren Putins rabenschwarze Putschpläne für Deutschland

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Es ist unglaublich, was der umtriebige Peter Tiede ganz aus eigenem Antrieb und vor lauter Sehnsucht nach der Wahrheit herausgefunden hat, um es dann in der honorigen “BILD”-Zeitung zu veröffentlichen: Der finstere Putin, Herrscher über Dunkelrussland, hatte einen Putsch geplant. Im lichten Deutschland! Die AfD und die Frau Wagenknecht hätten dabei die Putschisten geben sollen. “Wir müssen” dankbar sein, daß wir einen so aufmerksamen Peter Tiede als einen der unseren haben. Aber meinereiner ist sogar noch besser.

von Max Erdinger

Der AfD-Chef Tino Chrupalla erklärte nach Tiedes Enthüllung in der “BILD” schmallippig, daß er gar nichts von des finsteren Putins rabenschwarzen Plänen für Deutschland gewußt habe. Und Sahra Wagenknecht erklärte der “Washington Post”, die als erste mit der Enthüllung Tiedes herausgekommen war, daß sie zu keiner Zeit an eine Putschzusammenarbeit mit der AfD gedacht habe. Moment, ich merke da gerade etwas. Hat etwa nicht der “BILD”-Tiede unser feministisches Mutterland rechtzeitig vor dem gräßlichen Putsch gewarnt, sondern die “Washington Post”? – Na egal. Unser “BILD”-Tiede wird es schon nicht einfach so von der “Washington Post” übernommen haben, ohne gründlich zu recherchieren, ob stimmt, was die seriöse “Washington Post” aus dem Lande derer, die wahlweise “France” oder “Europe” für die Hauptstadt von Germany halten (Umfrage unter Passanten am New Yorker Times-Square), schockierenderweise behauptet hatte. Aber ein bißchen dünne ist die schockierende Enthüllung von unserem treudeutschen Tiedepeter dennoch. Da meinereiner bekanntlich von Russen für seine Desinformationskampagnen bezahlt wird (Millionen von Rubeln jeden Monat!), weiß er natürlich noch viel mehr.

Putin Putsch 1
“Wir müssen” schockiert sein – Screenshot “BILD”
Putin Putsch 2
Ist es die Möglichkeit? – Screenshot “BILD”

Gospodin & Putschputin

Der geplante Putsch – gut, daß er vor seiner Verwirklichung aufgeflogen ist – sah nämlich vor, daß dann, wenn Tino Chrupalla Bundeskanzler geworden ist und Sahra Wagenknecht deutsche Außenministerin, die deutsche Amerikanisierung hätte ersetzt werden sollen durch eine Russifizierung. Im Detail waren vom Kreml die folgenden Maßnahmen vorgesehen worden:

  1. Beginnend mit zehn Kniebeugen pro Tag, sich steigernd auf 100 Kniebeugen, sollten alle Deutschen gezwungen werden, binnen sechs Monaten so fit zu werden, daß sie einen zehnminütigen Kasatschok tanzen können.
  2. Durch die gleichzeitige Stärkung der Oberschenkel-Muskulatur hätten die besten deutschen Kasatschok-Tänzer zwangsrekrutiert werden sollen für das russische Team (команда) der Winterolympiade, wo sie im Abfahrtslauf von Gold bis Bronze alle Medaillen hätten abräumen müssen, um sie hernach dem finsteren Putschputin auszuhändigen.
  3. In sämtlichen deutschen Getränkemärkten hätten Schilder aufgestellt werden sollen, auf denen es heißt: “Jägermeister verboten! Trinkt Wodka!”
  4. Amerikanische Fernsehserien sollten aus den TV-Archiven von ARD und ZDF entfernt werden. “Dallas” sollte durch “Wladiwostok” ersetzt werden, “Drei Engel für Charlie” durch “Drei Gospodins für Wladimir” und “Dick & Doof” – ach, ich will’s gar nicht sagen, wodurch “Dick & Doof” hätten ersetzt werden sollen. Zuletzt hieße es noch, meinereiner sei von einer russischen Grünenfeindlichkeit beseelt, obwohl ich doch nur Tiedes schockierenden Enthüllungsartikel in der “BILD” präzisiert hätte. Das will ich nicht riskieren.

“Wir müssen” froh und glücklich sein

Froh und glücklich müssen wir (“wir müssen”) sein, daß wir in Gestalt der souveränen Nation Ukraine einen kampfstarken Verbündeten haben, der dem finsteren Putschputin heimzahlen wird, daß er auf intriganteste Art & Weise einen Umsturz in unserem geliebten Muttiland, dem amerikanisierten (“motherfucker-country”), geplant hatte. Ein bißchen stärker unterstützen “müssen wir” die gänzlich unamerikanisierte und total souveräne Nation Ukraine natürlich dabei. So sagte es jedenfalls der ehemalige ukrainische Botschafter in Deutschland, der überaus ehrenwerte Herr Melnyk, Andrij, bei Twitter.

Melnyk Militaerhilfe 10fach
Heldenhafter Melnyk-Tweet – Screenshot Twitter

Nachdem die gänzlich unamerikanisierten und total souveränen Ukrainer uns Deutschen so heldenhaft den putschenden Finsterrussen vom Leibe halten, sollten wir nicht kleinlich sein. Ein Hundsfott, wer angesichts der Forderung des tapferen Melnyk, Andrij von einer Unverschämtheit spricht. Mehr als verdient haben es die ukrainischen Wackerkämpfer, daß wir ihnen alles geben, was wir haben, damit sie uns auch weiterhin erfolgreich vor dem finsteren Putschputin beschützen. Hierzulande macht sich ja niemand eine Vorstellung davon, wie wichtig die Ukrainer für ganz Europa sind. Ausgerechnet der russische Botschafter bei den Vereinten Nationen wies erst kürzlich bei einem multinationalen Vereinstreffen darauf hin.

Im Vereinsheim der Nationen

Wassili Nebensja, der russische UN-Botschafter, zog kürzlich erst ein ukrainisches Schulbuch  hervor und präsentierte es den versammelten Vereinsnationalisten. Nebensjas Worte:  “Ich habe ein Geografie-Lehrbuch der 8. Klasse gelesen. Wenn Sie es glauben, kamen die Vorfahren der Franzosen, der Spanier, der Portugiesen, der Türken und sogar der Juden aus der Ukraine. Ich möchte mich an meinen französischen Kollegen wenden: Mykola, wusstest du, dass du in Wirklichkeit ein Ukrainer bist? Wenn Sie mir nicht glauben – lesen Sie ein Lehrbuch! In dem Lehrbuch steht eine eiserne Logik: Da die Vorfahren der Franzosen Gallier sind, kamen sie aus Galizien in der Ukraine.

Und wissen Sie, dass laut dem Autor des Lehrbuchs Ukrainer und Polen slawischen Ursprungs sind und Russen ugro-finnischen Ursprungs? Auch den Weißrussen wurde die slawische Abstammung abgesprochen und sie wurden den baltischen Völkern zugerechnet.

Im ukrainischen Geschichtslehrbuch für die 7. Klasse heißt es, dass ‘die Entstehung der ukrainischen Nation 140 Tausend Jahre alt ist’. Im Geschichtslehrbuch für die 9. Klasse heißt es, dass ‘die Ukrainer Ende des 18. Jahrhunderts eines der größten Völker Europas waren’. Der Autor des Buches ‘Die ukrainische Nation’ ist allgemein davon überzeugt, dass ‘die Bevölkerung Osteuropas im ersten Jahrtausend der Neuzeit unter dem Namen Ukrainer auftrat’.

Wer hat aber nun die trotz des Reichtums an natürlichen Ressourcen per Kleptokratie verarmte und notorisch klamme Ukraine mit solcherlei Schulbüchern versorgt? – Die USA via USAID und auch die EU. Viele der Schulbücher wurden sogar in den USA gedruckt. Nach dem Putsch ukrainischer Nationalisten zum Jahreswechsel 2013/2014 und dem Sturz des russlandfreundlichen Präsidenten Janukovych (Euro-Maidan) mit Unterstützung der USA und der EU, wurde nicht nur die russische Sprache für die ethnischen Russen in der Ukraine verboten – als zweite Amtssprache sowieso – , sondern der neue Präsident Poroschenko, “Schokoladenoligarch” und zugleich Vorsitzender der Partei “Europäische Solidarität”, verkündete im ukrainischen Parlament auch,  daß die ukrainischen Kinder eine glänzende Zukunft in der Schule haben würden, während die Kinder der Russen (“Orks”) würden in Kellern sitzen müssen, da Russen ohnehin zu faul und zu dumm für alles seien. Der ukrainische Nationalismus erfuhr ab 2014 eine richtige Blüte – und die Angriffe der ukrainischen Armee auf die Autonomisten im Donbass begannen, was dort zu ca. 14.000 Toten führte bis die Russen mit ihrer sogenannten “Militärischen Spezialoperation” am 24. Februar 2022 eingriffen. Allein über USAID sollen 500.000 in den USA gedruckte Schulbücher in die Ukraine gelangt sein, um in den dortigen Schulen Verwendung zu finden. Darunter auch Geschichtsbücher.

Ukraine Schule USAID
Ukrainische Lehrerin Iryna Belova auf Foto von USAID – Screenshot USAID

(Auf dem Foto hier spricht sie vom heroischen Ausharren der ukrainischen Lehrer  in den Kellern von Butscha während der Zeit der russischen Besetzung der Stadt.)

Spaßeshalber unterstellt, daß der deutsche Wacker-“Kampf gegen rechts” tatsächlich ein solcher sei und nicht etwa ein Kampf gegen alles, was nicht ausdrücklich links ist, dann müsste Tiedepeters “BILD”-Märchen über den geplanten Aufstand von AfD und Wagenknecht unter der Regie des finsteren Putschputin bei der deutschen Bundesregierung wahre Begeisterungsstürme für den russischen Präsidenten, die AfD und Sahra Wagenknecht ausgelöst haben, weil das bedeuten würde, daß Putin einen Putsch gegen solche “Rechten” geplant hätte, die geschichtsklitternde Ukro-Nazis mit Geschichtsbüchern für die dortigen Schulen versorgt hätten, um per Desinformation fanatisierte Herrenmenschen heranzuzüchten.

Damit wäre dann aber auch fraglich, ob die Teilnahme der USA am Zweiten Weltkrieg erfolgte, um Deutsche von den Nazis zu “befreien”, oder ob es ihnen nicht doch ganz profan darum gegangen ist, einen Krieg zu gewinnen, an dessen Ende – mit Kenntnisstand Dezember 1941 – als Resultat hätte stehen können, daß das Unternehmen Barbarossa tatsächlich erfolgreich verlaufen ist, womit sich dann der amerikanische Albtraum von einem mit Europa verbundenen Russland realisiert hätte. Eine ernsthafte Gefärhdung ihres eigenen Territoriums zwischen Atlantik und Pazifik hatte schließlich trotz der Kriegserklärung der Achsenmächte schon aufgrund der Entfernungen zwischen den Achsenmächten und den USA nicht bestanden, zumal erhebliche Kräfte mit dem Vormarsch in Russland beschäftigt gewesen sind. Bis zum amerikanischen Kriegseintritt waren Nazis schließlich auch keine amerikanische Sorge gewesen. Die füllten auch in Amerika ganze Stadien, den Madison Square Garden in New York z.B. – und nach dem Krieg haben sich etwa 10.000 Nazis in die USA verdünnisiert, wo sie insgesamt mehr als 20 Mio. Dollar an Sozialleistungen bezogen, wie die “Süddeutsche Zeitung” im Jahr 2015 berichtete. Und die “Frankfurter Rundschau” zeigte erst im März 2023 ein Foto des republikanischen Kongreßabgeordneten Matt Rosendale, auf dem er, von US-Nazis flankiert, vor dem Kapitol fröhlich in die Kameras grient.

Rosendale Nazis
Rep. Matt Rosendale, flankiert von den US-Nazis Ryan Sanchez und Greyson Arnold – Screenshot “Frankfurter Rundschau”

So lächerlich die Story vom finsteren Putschputin auch ist, der in Deutschland angeblich eine “Querfront” von AfD und Wagenknecht aufbauen wollte: Rein spaßeshalber unterstellt, daß etwas dran wäre an der Story, dann hätte der finstere Putschputin wohl einen Putsch gegen die deutschen US-Büttel als Helfershelfer der ukrainischen Herrenmenschen-US-Büttel geplant gehabt – und Leute wie Nancy Faeser müssten längst Blumen nach Moskau versandt haben.

Nein – es geht natürlich um etwas ganz anderes bei der infamen Putschgeschichte: Wer aufgrund seiner Kenntnis der Entstehungsgeschichte des Ukrainekrieges schon aus Gewissensgründen partout kein bedingungsloser Unterstützer der ach-so-souveränen und hochdemokratischen Freiheits-Ukraine mitsamt ihrer legendären Rechtsstaatlichkeit sein kann, soll einfach als “Feindagent” diffamiert werden. Das zeigt eigentlich nur, wie sehr der Bundesregierung in ihrem Kadavergehorsam den amerikanischen Kriegstreibern gegenüber inzwischen der Kittel brennt. Es gibt da ja auch noch diese bemerkenswerten Pentagon-Leaks – vermutlich aus höchsten Sicherheitskreisen des US-amerikanischen Militärs – , die das ganze politische Wolkenkuckucksheim-Gelaber der US-Administration um Joe Biden Lügen strafen. Lanciert wurden die Informationen offenbar, weil sich der militärische Sachverstand in den USA nicht länger mehr von politischen Traumtänzern hat knebeln lassen wollen. Dafür musste eben ein 21-jähriger Kadett geopfert werden.

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Transatlantisches Mediennetzwerk – Screenshot Facebook

 

Kein Wunder, daß das transatlantische Mediennetzwerk sich müht, die deutschen Aufrechten in Kriegs- & Sanktionsfragen als “Feindagenten” zu etikettieren. An der Lächerlichkeit von Tiedepeters “BILD”-Story, die er von jener “Washington Post” übernommen hatte, bei der seit der Laptop-Story um Hunter Biden vermutlich nichts mehr veröffentlicht wird, was nicht vorher von der CIA abgesegnet wurde, ändert das gar nichts. Was “müssen wir” (“wir müssen”) als wackere Antifaschisten deshalb der Bundesregierung und den Schmiergriffeln des transatlantischen Medien-Netzwerks frohgemut zurufen? – Ein herzhaftes “Wir kriegen euch alle!” – und die Gläubigen fügen hinzu: “So wahr uns Gott helfe”.