Gedenken an sowjetische Weltkriegsopfer an einem Mahnmal in Berlin-Treptow: Am Montag dann alles nur noch in Ukraine-Flaggen (Foto:Imago)

8. Mai in Berlin: 20 Millionen toter Russen darf nur mit Ukraine-Fahnen gedacht werden

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Die tagespolitischen Debatten über den Ukraine-Krieg überlagern nun auch die Gedenkfeiern zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa am 8. und 9. Mai: Geschichte soll geklittert werden, um dem selenskyjkompatiblen Zeitgeist maximal zu frönen. Die Berliner Polizei hatte in einem Akt historischer Taktlosigkeit ein Verbot russischer und ukrainischer Fahnen rund um die sowjetischen Ehrenmäler erlassen. Begründet wurde dies damit, man wolle das „würdevolle Gedenken an die gefallenen Soldatinnen und Soldaten der damaligen Sowjetarmee“ gewährleisten. „Der Akt des Erinnerns sowie die Achtung dieser Gedenkstätten und Mahnmale ist auch vor dem Hintergrund des unverändert andauernden Russland-Ukraine-Krieges zu wahren. Dieser Krieg darf sich in Berlin, speziell im Hinblick auf das symbolträchtige Datum, nicht über den demokratischen Diskurs hinaus in Konflikten oder Auseinandersetzungen Bahn brechen”, hieß es weiter.

Nun der Knüller, der so typisch ampeldeutsch, verlogen, instinktlos und geschichtsvergessen ist wie das Gewese der politischen Klasse und ihrer bildungsfernen Haltungsinfanterie insgesamt: Am Freitag hob das Berliner Verwaltungsgericht das Verbot auf – allerdings nur für ukrainische Fahnen! Damit entsprach es einem Eilantrag des ukrainischen Vereins „Vitsche“. In der Urteilsbegründung hieß es, die Allgemeinverfügung sei „offensichtlich rechtswidrig“. Es fehlten „jeglichen Anhaltspunkte, um von einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit auszugehen“.

Verlogen und entrückt

Soso! Wieso jemand, der auch an die russischen Opfer des Zweiten Weltkrieges erinnert, die öffentliche Sicherheit gefährdet oder damit die aktuelle russische Politik rechtfertigt, erklärte das Gericht nicht. Die Shithole-Führung aber zeigte sich prompt als ebenso verblendet wie das Gericht – denn das Land Berlin kündigte an, gegen das Urteil keine Rechtsmittel (!) einzulegen.

Zum Hintergrund: Die Sowjetunion, zu der auch die Ukraine und Weißrussland gehörten, hatte im Zweiten Weltkrieg mindestens 27 Millionen Tote zu beklagen gehabt. Kein anderes Land hat einen derartigen Blutzoll entrichtet. Bezogen auf die heutigen Nachfolgestaaten trug Russland den Hauptanteil der damaligen Opfer. Alleine deren monströse Dimension zeigt, wie völlig unangemessen, das Gedenken daran aus politischen Erwägungen heraus einzuschränken – und das auch noch ausgerechnet zu Lasten der Russen und das in Deutschland, das diesen Krieg zu verantworten hatte. Anstatt sich wieder einmal als überkorrekter Oberlehrer aufzuspielen, hätte man in Berlin besser daran getan, die Veranstaltung ungestört stattfinden zu lassen und erst dann einzuschreiten, wenn es tatsächlich zu unangemessenen Kundgebungen gekommen wäre. So hat man sich wieder einmal eine völlig unnötige Debatte eingebrockt – und gleichzeitig offenbart, wie verlogen und entrückt die gesamte “Ukraine-Solidarität” inzwischen ist. Das Resultat ist nämlich einen beispiellose Geschichtsverfälschung. (DM)