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Lidl streicht Obst und Gemüse aus dem Sortiment

Im Kampf gegen den Klimawandel will der Discounter Lidl kein fliegendes Obst und Gemüse mehr anbieten. Der Schaden richtet sich gegen Verbraucher und Landwirte in den Erzeugerländern, die vom Export abhängig sind. In mehreren europäischen Märkten importiert Lidl zum Teil schon seit Jahren Obst und Gemüse nicht mehr per Luftfracht. Nach der Schweiz, Österreich, Schweden und zuletzt den Niederlanden traut sich Lidl jetzt auch in Deutschland den Verzicht auf Flugobst und -gemüse anzukündigen.

Dies ist eine Maßnahme im Zuge der aktuellen Klimabemühungen, bei denen sich auch andere Einzelhändler beteiligen, heißt es in der Presseerklärung. Der Import von Obst und Gemüse per Flugzeug soll komplett eingestellt werden. „Flugware Artikel, wie z.B. Papaya – die wir im Sortiment hatten – bieten wir bereits nicht mehr an“, schreibt Lidl auf Nachfrage einiger LinkedIn-Nutzer in den Kommentaren.

Menschen mit knappen Geldbeuteln betroffen

Nein, die Welt geht wohl nicht unter, wenn wir im Januar keine frischen Brombeeren kaufen können und keine Mangos oder Avocados, morgens aus Südamerika eingeflogen werden. Aber natürlich wird dadurch die Obst- und Gemüseabteilung vor allem im Winterhalbjahr sehr viel übersichtlicher. Papayas fallen weg, Baby-Bananen, keine Physalis, Erdbeeren oder Sternfrüchte mehr. Die Alternative sind Lageräpfel und Lagerbirnen. Ansonsten werden in den Lidl -Märkten nur noch Produkte mit längerer Haltbarkeit (z. B. Bananen) verfügbar sein, da diese üblicherweise per Schiff oder LKW transportiert werden. Als Low-Cost-Discounter ist Lidl bei insbesondere bei Menschen mit knappen Geldbeuteln beliebt. Auf billige Südfrüchte muss diese Gruppe nun verzichten. Lidl behindert damit auch weniger entwickelten Ländern den Zugang zu Südfrüchten zu ermöglichen. Damit verschärft Lidl die weltweite Armut in verschiedenen Regionen.

Die Auswirkungen dieses Schritts bedeuten nicht, dass der gesamte Obst- und Gemüsebestand aus den Regalen verschwinden wird. Stattdessen müssen sich Verbraucherinnen und Verbraucher darauf einstellen, dass bestimmte Produkte nur noch saisonal erhältlich sein werden. Der einfache Konsument soll es also richten. Die Lösung hätte auch eine andere sein können. Es muss eben nicht die eingeflogene Ananas sein, sondern vielleicht die per Schiff transportierte. Die hat nämlich nur mehr einen CO₂-Fußabdruck von 0,6 Kilogramm. Damit liegt sie sogar vor dem Apfel aus Neuseeland mit 0,8 Kilogramm. Das bedeutet, würden nicht nur Bananen per Schiff transportiert werden, sondern auch unreife Früchte, hätte das Argument „Klimakatastrophe” nicht angewendet werden können. Scheinbar möchte der Konzern Lidl das aber nicht.

Schon wieder Saisonprodukte

Nun, die Menschen aus der ehemaligen DDR dürften diese Form von Einkauf noch kennen. Wenn auch aus anderen Gründen. Möhren, Salat, Kirschen und Orangen nur zur Saison, Kohl aber – den gab es immer. Während Erich Honecker am liebsten Büchsen-Bier aus dem Westen trank und sich Bouletten und Kassler auftischen ließ, kämpfte man in den Supermärkten um die letzten Saisonprodukte. Der DDR-Spitzenfunktionär kippte auch jeden Morgen den Saft einer Zitrone hinunter, die man im Supermarkt nicht finden konnte. „Um sich vor Grippe zu schützen“, schrieb einst sein damaliger Butler Lothar Herzog in seinem Erinnerungsbuch „Honecker privat“. Keine Sorge, die Funktionäre flogen damals ins Ausland, um Eiskaffee zu trinken und sie werden es heute auch tun.

Aber aufgepasst: Frische Blumen aus aller Welt werden weiterhin für Lidl durch die ganze Welt geflogen. Wie gut, dass viele Rentner sich zwar keine Orangen zu Weihnachten leisten können, aber immerhin dürfen noch frische Rosen auf dem Tisch stehen.

 

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