Feuerwerk in Clownsform; Bild: Collage
Feuerwerk in Clownsform; Bild: Collage

Unterdrückte Lieblinge: Wahnsinn in Gagaland

So viel “Israel” war lange nicht mehr in Gagaland. Jeder weiß inzwischen, was ab dem 8. Oktober im heiligen Land passiert ist, daß es unfaßbar gräßlich gewesen ist – und daß die Vergeltungsmaßnahmen allerweil großzügig laufen. Über den Geisteszustand in Gagaland.

von Max Erdinger

Angesichts der öffentlich geführten Debatten in Deutschland seit dem 8. Oktober überlege ich mir, ob ich zukünftig anstatt von der Bundesrepublik Deutschland nicht lieber von der Republik Gagaland reden will. Nicht, daß ich mir das nicht schon früher überlegt hätte. Es ging nicht erst mit “Corona” los, steigerte sich dann aber bei “Ukraine” in einer steil ansteigenden Kurve – und angesichts der gegenwärtigen Auseinandersetzungen zwischen der “Pro-Israel” – Seite und der “Pro-Palästina”-Seite bleibt die Zeitachse praktisch stehen, weil der Richtungspfeil senkrecht nach oben zeigt. Ich glaube tatsächlich, daß die Bundesrepublik zu Gagaland geworden ist. Völlig durchgeknallt.

Wie groß ist ein Fußballplatz, auf dem internationale Spiele stattfinden, wie etwa bei einer Fußballweltmeisterschaft? Ich habe nachgesehen: Es hat eine Fläche von 7.140 Quadratmetern. Es ist 105 Meter lang und 68 Meter breit. Wie groß ist das Holocaust-Mahnmal im Berliner Stadtzentrum? – 19.000 Quadratmeter. Wow. Das entspricht der Fläche von fast drei Fußballfeldern. Einfach gigantisch. Warum? Na, weil “wir” uns auch gigantisch schämen. Aber “wir” hätten nichts davon, wenn es niemand mitbekommen würde. Deshalb ist das Holocaust-Mahnmal so groß. Niemand, der in Berlin gewesen ist, ganz egal, aus welcher Weltgegend er angereist ist, kann nachher behaupten, er hätte nicht mitbekommen, wie weltmeisterlich sich die Deutschen schämen. Noch nicht einmal, wenn er wollte, könnte er das ignorieren. Mir kommt ein solcher Scham-Exhibitionismus indiskret und verlogen vor. Ehrliche Scham ist immer diskret. Das Holocaust-Mahnmal ist allerdings extrem indiskret. Es verweist nicht auf die Trauer um die jüdischen Opfer der Nazis und die Bestürzung darüber, daß ein solcher Zivilisationsbruch passiert ist, sondern es verweist auf die Täter beziehungsweise deren Nachkommen. Um die geht es. Schau, Welt, wie großartig wir uns schämen. Wir sind nämlich immer großartig.

Betreut wird das indiskrete und protzige Mahnmal von der “Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas”. Die war auch Bauherr. Warum von einem Denkmal die Rede ist, kann ich mir nicht erklären. Es ist schließlich keine großartige Leistung, sich ermorden zu lassen. Deswegen nenne ich es das Holocaust- Mahnmal. Die Stiftung betreut aber außerdem noch als Denkmal bezeichnete Mahnmale für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, das Mahnmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas sowie den Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde. Die anderen Mahnmale, die unverständlicherweise als Denkmale bezeichnet werden, sind aber deutlich kleiner als das Holocaust-Mahnmal. Wie scheußlich der Massenmord ist, scheint an der Frage zu hängen, wie groß die Masse der Ermordeten gewesen ist. Viel Masse – großes Mahnmal. Nicht so viel Masse – kleineres Mahnmal. Oder doch Denkmäler alle miteinander? Mal den Kuckuck fragen. Der weiß es. Sagt man ja: Weiß der Kuckuck. Vielleicht weiß der auch, wofür ich mich schämen soll, wo ich doch in anderen Zusammenhängen niemals nicht ein deutscher Nationalist sein soll. Schließlich bin ich erst 15 Jahre nach dem Ende des Massenmordens zur Welt gekommen. In der Bundesrepublik Deutschland, heute Gagaland.

Der Massenmord ist schon ein riesiges Problem. Sollte nicht passieren. Hätte auch nicht passieren sollen. Eigentlich weiß das doch jeder. Wahrscheinlich schämen sich Russen, Chinesen und Kambodschaner einfach diskreter. Und die Amerikaner gar nicht. Unter dem Motto “Wir haben recht” haben die allein seit 1945 Leichenberge hinterlassen, daß sie ganz Washington planieren könnten, um stattdessen graue und fensterlose Betonklötze aufzustellen. Sie könnten es “Monument For Global Justice” nennen und das vormalige Washington mit hunderttausend Sternenbannern rundherum dekorieren. “Land Of The Free”, “freedom”. Ob “freedom” wohl erst dann herrscht, wenn du Millionen killen kannst, ohne daß du hernach ein Mahnmal aufzustellen brauchst? – Sieht so aus, als müsste ich dem Kuckuck noch ein paar mehr Fragen stellen.

I Stand With Israelis

Vorgestern gab es vor dem Verteidigungsministerium in Tel Aviv eine Demonstration von hunderttausenden israelischer Kriegsgegner. Mindestens die Hälfte der Israelis ist nicht einverstanden mit einem Krieg gegen die “Hamas”. Sie halten “Hamas” für ein Zauberwort, das ihnen gerade mit aller Gewalt in den Schlund gestopft werden soll als Rechtfertigung für einen Krieg gegen alle möglichen Gegner, unter denen die Hamas aber nur einer ist. Und nicht einmal der bedeutendste. Beschuß kam auch aus dem Libanon von der Hizbollah. Vor fünf Tagen bereits hatte die israelische Luftwaffe die Flughäfen in Damaskus und in Aleppo bombardiert. Die liegen in Syrien.

Demonstration Tel Aviv
Demonstration in Tel Aviv – Screenshot Telegraph/Facebook

Die Demonstranten in Tel Aviv wissen, daß man noch nicht einmal grundsätzlich gegen den Krieg als solchen sein müsste, um zu erkennen, daß gerade einer ausbricht, der womöglich das Ende Israels bedeuten könnte. Sie wissen, daß die Frage nach Sieg und Niederlage nicht davon abhängt, wer rechthat oder glaubt, daß er rechthat, sondern davon, wer die militärische Macht hat, einen Krieg zu gewinnen. Und daß es unter Berücksichtigung dessen nicht so aussieht, als sei ein israelischer Sieg garantiert. Einrückende Reservisten äußerten sich dieser Tage verärgert über den Mangel an adäquater Ausrüstung. Nicht einmal schußsichere Westen gebe es in ausreichender Anzahl. Bei der Demonstration in Tel Aviv wurde “Bibi ist ein Mörder” skandiert. Ministerpräsident Netanjahu wird vorgeworfen, den Hamas-Angriff nicht abgewehrt zu haben, die Geheimdienste und die Armee seien unvorbereitet gewesen, und das Geld sei nur für PR in TikTok ausgegeben worden, nicht für “die stärkste Armee und den stärksten Geheimdienst im Nahen Osten”.

Sie wissen auch, wie sich ihr Land verändert hat seit dem Untergang der Sowjetunion, und daß seither massenhaft Immigranten aus Russland seßhaft geworden sind, deren Sympathien den religiösen Fundamentalisten gelten. In Israel sind beispielsweise Spielcasinos und Bordelle verboten. Und jeder weiß, warum das so ist, ohne daß er sich vorher überlegen muß, ob er das gut oder nicht so gut findet. In Netanyahus Regierungskoalition befinden sich solche Fundamentalisten. An deren Wohlwollen hängt, ob die Regierung Netanyahu Bestand hat. Lassen sie die Kolition platzen, ist es auch mit Netanyahu vorbei. Sie wissen, wie das die Entscheidungen ihres Premierministers einengt. Die Demonstranten wissen, daß religiöser Fundamentalismus und Fanatismus kein exclusiv islamisches Problem sind. Spätestens seit 1995 wissen sie das. Damals wurde ihr Premierminister Jitzchak Rabin erschossen, ganz eindeutig nicht von Hamas-Terroristen, sondern von einem israelischen Fundamentalisten namens Jigal Amir. Sie wissen, da´ß die Behauptung, ausschließlich die Palästinenser wollten keinen Frieden, nicht mehr ist als ein nützliches Narrativ. Eines, das aber nicht allen den gleichen Nutzen liefert.

Außerdem wissen die Demonstranten, daß bislang nur feststeht, woher die Killerbestien gekommen sind, die ab dem 8. Oktober viehisch gemordet haben und mindestens 1.000 israelische Leichen hinterlassen haben. Die Terroristen kamen aus dem Gazastreifen. Daß sie im Auftrag der Hamas gemordet haben, ist zwar sehr wahrscheinlich, aber es steht nicht fest. Ein höherer Hamasfunktionär namens Dr. Naim bestritt bei “Fox-News”, daß die Hamasführung den Auftrag zu diesem bestialischen Angriff auf israelische Zivilisten erteilt habe. Fest steht: Es waren Terroristen und sie kamen aus dem Gazastreifen. Keiner der Demonstranten in Tel Aviv kann sich erklären, weshalb zuerst das beste Sicherheitskonzept der Welt völlig versagen musste, damit Hamas-Terroristen aus dem Gazastreifen ins Land eindringen und über 1.000 Israelis massakrieren konnten, wohlwissend, daß sie damit eine israelische Reaktion auslösen würden, die für sie selbst, zynisch ausgedrückt, ein absolutes “Verlustgeschäft” werden wird. Die Demonstranten wissen, daß keiner der 1.500 getöteten Terroristen, die man in Israel bislang gezählt hat, jemals noch ein Wörtchen über seine Auftraggeber verlieren wird. Sie wissen, daß das “Hamas” in “Hamas-Terroristen” sich in die Berichterstattung eingeschlichen hat, als handele es sich um eine Gewißheit. Dabei ist es lediglich eine auf den ersten Blick plausible -, aber bei näherem Hinsehen eher wenig plausible Behauptung. Schließlich ist ja auch die Rede von einem überrachenden Angriff gewesen, den kein westlicher Geheimdienst auf dem Schirm hatte. Überraschend war er, weil niemand mit einer solchen Aktion der Hamas gerechnet hatte. Obwohl die Hamas angeblich mit Argusaugen argwöhnisch beobachtet worden ist von den V-Männern und Informanten im Gazastreifen. Die Demonstranten fragen sich, ob in Israel wirklich alle überrascht gewesen sind, und ganz besonders, ob Netanyahu überrascht gewesen ist. Immerhin behaupten ja der ägyptische Geheimdienst und der Vorsitzende des Außenausschusses im Repräsentantenhaus der USA, Michael McCaul, die israelische Regierung habe zehn – respektive drei Tage vor dem bestialischen Terrorangriff aus israelische Zivilisten gewußt, daß etwas Derartiges im Busch sei. Natürlich bestreitet Netanyahu das. Was sollte er auch sonst tun?

Parallelen

Nicht wenige der Demonstranten in Tel Aviv dürften auch wissen, wie verzweifelt die “Eliten” im “Wertewesten” im Herbst 2021 schon fast gewesen sind, weil Wladimir Putin nicht und nicht auf ihre Provokationen in der Ukraine reagierte. Hatte die ukrainische Armee denn nicht seit Jahren extra die eigenen Landsleute, ethnische Russen, im Donbass beschossen und gekillt? Hatten die Donbass-Russen nicht bereits die “Allee der Engel” in Donezk errichtet, mit welcher sie der 10.000 getöteten Donbass-Kinder gedachten, die von der ukrainischen Armee massakriert worden waren, lange bevor dann “Putins unprovozierter Angriffskrieg” losging? Bis dann endlich die Reaktion kam und im “Wertewesten” hochoffiziell und reichlich, bei jeder Gelegenheit, nicht etwa von “Krieg” die Rede gewesen ist, sondern immer von “Putins unprovoziertem Angriffskrieg”, damit das auch wirklich sitzt. Überhaupt “Angriffskrieg”: Geht nicht jeder Krieg mit einem Angriff los? Und ist nicht vor jedem Krieg die lästigste Frage, wie man es in der Öffentlichkeit hinbekommt, keinesfalls als der Angreifer zu gelten? – Doch, ist es. Die Demonstranten in Tel Aviv wissen, was es bedeutet, wenn ein Amerikaner sagt, er unterstütze einen “as long as it takes” – so lange, wie es eben dauert bis zum Sieg. Das bedeutet, daß er so lange hilft, wie er will oder kann, aber nicht, daß er so lange hilft, wie “es eben dauert” bis zum Sieg. Sie wissen, daß die Ukraine kein großes Thema mehr ist. Weil es ihr Land ist, das jetzt interessant geworden ist. Die Demonstranten wissen, was Amerikaner unter “Freunden” verstehen. Sie kennen die Bilder vom letzten Hubschrauber, der vom Dach der amerikanischen Botschaft in Saigon im Jahre 1975 abhob und wieviele der amerikanischen “Freunde” auf und in dem Gebäude in Vietnam zurückbleiben mussten, während die Vietcong anrückten. Und was man sich über ihr späteres Schicksal mit Leichtigkeit ausmalen kann. Und daß sich das im August 2021 in Afghanistan wiederholte. Die Demonstranten wissen, wer den Deutschen mutmaßlich ihre Gaspipeline weggesprengt hat. Sie wissen auch, daß ihr eigenes Land so dringend nicht bedroht gewesen sein kann, weil die israelische Regierung andernfalls wohl kaum den amerikanischen Bitten nachgekommen wäre, die israelischen Bestände an 155mm-Artilleriegeschossen zu opfern, um sie in die Ukraine zu schicken. Sie wissen auch, daß dann, wenn die Russen in den vergangenen Jahren jemals als expansionistische Bedrohung für Europa begriffen worden wäre, heute nicht generell ein Mangel an 155mm-Artilleriegeschossen im “Wertewesten” zu konstatieren wäre und daß die Nato in Europa die notwewndigen Truppenstärken vorgehalten hätte, mit denen einer Expansion der Russen hätte begegnet werden können. Die israelischen Demonstranten in Tel Avib´v wissen auch, wer die “wertewestliche” Unterstützung für “die Ukraine” (“I Stand With Ukraine”) mit seinem Leben bezahlt hat. Es waren die Ukrainer selbst, nicht diejenigen, die mit ihr “standeten”. Das sind auch frappierend wenige geworden. Da war schon einmal deutlich mehr blaugelbes Lametta. Die Demonstranten wissen, daß sie besser aufpassen sollten, wenn es heißt, jemand “stande with Israel”. Weil sie keine Lust haben, zu den Ukrainern des Nahen Ostens zu werden. Die Figuren, die sie in den Nachrichten vor wenigen Wochen noch in Kiew gesehen haben, sehen sie jetzt in Israel. Anthony Blinken war schon da, Biden kommt erst noch. Weil sie es in der Ukraine bereits gesehen haben, wissen die Demonstranten in Tel Aviv, wie man im “Wertewesten” einen “unprovozierten Angriffskrieg” provoziert: Man krallt sich vorher die Extremisten, die Fanatiker, die Chauvinisten und Rechthaber, redet ihnen ein, daß sie für eine gute und gerechte Sache kämpfen und sichert ihnen Unterstützung zu für “as long as it takes”. Und leider, leider: Fanatische Extremisten haben sie in ihrem eigenen Land seit dreißig Jahren in zunehmender Zahl. Die lassen sich nutzen. Von außen.

Deutsche Motive

Die Deutschen “standen” auch “with Israel”. Aber aus ganz anderen Gründen als die Amerikaner. Die Deutschen “standen with Israel”, weil Israel als jüdischer Staat gilt. Warum der wiederum endlich nötig geworden war, wissen wir Deutschen ganz genau. Eine furchtbare lästige Geschichte, der man sich als Deutscher nicht so einfach entziehen kann. Wenn man täglich an die bestialischen Untaten der eigenen Vorfahren erinnert wird, kann einem das die tägliche Lebensfreude schon gründlich vergällen. Am liebsten wäre einem, dieses ständige Erinnern würde endlich ein Ende nehmen. Aber es nimmt keines. Dagegen, daß es kein Ende nimmt, darf man sich als Deutscher, der lange nach dem Krieg zur Welt kam, aber auch nicht wehren. Weil man sonst als Antisemit gilt. Und das wäre wirklich das Letzte, als was man in Deutschland gelten wollen sollte. Davon kommt die Lebensfreude nämlich erstrecht nicht zurück. Was macht man denn da? Man zeigt der ganzen Welt ein 19.000 Quadratmeter großes Protzdenkmal, das beweisen soll, wie sehr man sich schämt als deutscher Nationalist, der man eigentlich ebenfalls nicht sein sollte. Wenn es gerade kriselt in Israel – und meistens kriselt es dort – dann behauptet man eben schnell, daß man “with Israel standet”, und schon kann einem keiner mehr am Zeug flicken. Die Israelis sind im Oktober 2023 zwar gespalten wie kaum jemals zuvor, aber man hat eigentlich überhaupt keine Lust, sich wieder damit auseinanderzusetzen, weil: die haben seit 75 Jahren ihren jüdischen Staat und gut isses. Richtig blöd wäre, wenn sie ihn nicht mehr hätten. Deswegen gilt auf jeden Fall: “I Stand With Israel”. Das ist günstig, es geht schnell und prompt hat man wieder Lebensfreude. Die könnte man sich auch ganz schnell wieder zerstören, wenn man behaupten würde, ihrem Wesen nach unterschieden sich extremistische jüdische Siedler nicht so sehr von den anderen Fundamentalisten und Extremisten, die es so gibt auf der Welt. Weil jüdische Extremisten nämlich immer die besseren Extremisten sind. In Deutschland muß man das so sehen, wenn man sich kein Ungemach einhandeln will, das die Lebensfreude stört. Was interessiert einen da schon zum Beispiel ein Rabbi Kahane? Oder der israelische Streit über den Film “Jenseits der Angst” im Jahr 2015? Muß man da noch wissen, wer Baruch Goldstein gewesen ist?

Es war ja auch beim “standen with Ukraine” für die Deutschen eine erhebliche Gewissenshilfe, daß der dortige Oberkorrupte, der Komödiant und Schauspieler Selenskyj, Wolodymyr, Jude ist, wenn auch kein fundamentalistisch fanatischer. Weil: Wo ein Jude der Staatschef ist, wird es wohl kaum einflußreiche Nazi-Extremisten geben, die von außen dazu veranlaßt werden könnten, einen Krieg im Interesse der USA zu kämpfen, den sie nicht gewinnen können, weil sie ja Unterstützung bekommen “as long as it takes”. Es ist ja auch kein Amerikaner und kein Brite traditionell überhaupt in einen Zusammenhang mit irgendwelchen Nazis zu bringen. Vielmehr beißt sich das förmlich. Es beißt sich, obwohl der Madison Square Garden vor dem Zweiten Weltkrieg durchaus mit Nazis zu füllen gewesen ist bis auf den letzten Platz. Und trotz Henry Ford. Und trotz Oswald Mosley, König Edward und Frau Unity Mitford. Und trotz Wernher von Braun. Und trotz Reinhard Gehlen und der CIA. Und überhaupt: Wann wäre der “Wertewesten” jemals für etwas anderes gestanden als für das Wahre und Gute? – Na eben. Der “Wertewesten” hatte schon immer recht. Die Russen, die Chinesen, die Araber und die ganze islamische Welt hingegen noch nie. Die haben gefälligst keine eigenen Sichtweisen zu haben, weil die sowieso falsch wären. Die Amerikaner stehen für Frieden und die Nato ist ein rein defensives Verteidigungsbündnis auf Gegenseitigkeit. Das Böse ist uns völlig fremd. Wir bekämpfen es.

Ach, übrigens: Der Mossad stellte seine Erkenntnisse der Ukraine zur Verfügung, und die 155mm-Artilleriegeschosse, die jetzt im gesamten “Wertewesten” und in Israel fehlen, gingen ebenfalls an die Ukraine. Und das, obwohl Putin den Syrern Jahre zuvor angedroht hatte, die russische Unterstützung für Syrien aufzugeben, sollten sich Syrer dazu entschließen, irgendetwas gegen den Staat Israel zu unternehmen. Deswegen: “I Stand With Israel”. Hallo, Lebensfreude, auch schon wieder da? Da spielt es doch kaum noch eine Rolle, daß die 1.500 Bestien, diese Terroristenleichen, die in Israel vor Tagen bereits gezählt worden sind, über eine ganz erstaunliche Menge westlicher Waffen verfügten. Aus der Ukraine sollen sie stammen. Oder aus Afghanistan. Jedenfalls sind sie im “Wertewesten” hergestellt worden. Die ca. 2.000 Raketen, die aus dem Gazastreifen heraus auf Israel abgefeuert worden sind, waren auch nicht mehr das von der Hamas selber zusammengebastelte Zeug von früher. Das alles soll die Hamas gehortet haben können, ohne daß ein westlicher Geheimdienst davon gewußt hat? Und dann versagt noch das beste Sicherheitskonzept der Welt? Und alles ist egal, weil: “We Stand” ja schon “With Israel”? Wäre es nicht besser, stattdessen mit den Israelis zu “standen”? Auch und gerade mit den hunderttausenden, die vorgestern in Tel Aviv gegen ihre Regierung protestiert haben und deren Rücktritt forderten? Wäre vielleicht ein bißchen mehr Differenzierungsbereitschaft angezeigt? Oder soll es dabei bleiben: “I Stand With Israel” – und jetzt hätte ich gern wieder meine Ruhe, weil ich ja gezeigt habe, daß ich für die Guten bin? Je nachdem, wie es im Nahen Osten weitergeht, könnte das mit der “Ruhe vor Israel” per “I Stand With Israel” und Holocaust-Mahnmal hierzulande schnell vorbei sein. Wir haben schließlich genügend erbitterte Israelfeinde im eigenen Land. Da würde meinereiner schon gern wissen, was in Israel selber passiert und “wie’s wohl” wieder einmal “kommt”. Besonders, wenn es angeblich so “überraschend” kommt, nachdem der “westliche Käse” in der Ukraine gegessen zu sein scheint. Der ukraininische Verteidigungsminister Budanow gab inzwischen zu, daß die Sache militärisch aussichtslos sei und daß die ukrainische “Gegenoffensive” zu Ende ist. Und zwar ohne daß sich für das “Erreichte” auch nur ein einziges ukrainisches Leben “gelohnt” hätte. Es wurde nichts erreicht. Überhaupt nichts. Mir dreht sich der Magen um, wenn ich mir vorstelle, daß noch viel mehr Israelis ihr Leben lassen müssen könnten, als die Tausend, die schon bestialisch ermordet worden sind. Und daß das “Israel” noch nicht einmal etwas Erstrebenswertes “bringen” könnte.

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