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Die Alten werden die Wahlen entscheiden

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Nach der EU-Wahl gibt es einige Aufregung um das Wahlverhalten der jungen und jüngeren Wähler.
Von Wolfgang Hübner
Denn die wählten unerwartet in beträchtlicher Zahl rechts, also AfD oder CDU/CSU. Wobei klar sein sollte, dass die Wahl der Unionsparteien alles andere als rechts ist. Es ist aber auch keine Entscheidung für eine der linken Parteien SPD und Grüne. Gerade letztere hatten damit kalkuliert, wegen des Klima-Themas viele junge Stimmen abgreifen zu können. Zwar ist es misslich, dass dieser Fehlschlag ausgerechnet auch der Merkel/Merz-Union zugutekam, aber das kann sich ja noch ändern.
Ob sich in diesem Fall jedoch politisch viel ändern wird, kann bezweifelt werden. Denn die „Alterspyramide“, die in Deutschland schon längst keine mehr ist, zeigt für die kommenden Jahrzehnte eine wachsende Dominanz der Älteren und Alten an. In den nächsten Jahren werden immer mehr Angehörige der geburtenstarken 60-er Jahre vor der Einführung der Antibabypille in Rente oder Pension gehen. Als Wählerpotential ist das eine Macht, die von keiner Partei missachtet oder gar verärgert werden darf, die Regierungsmacht anstrebt. Davon werden, zumindest vorerst, CDU/CSU profitieren.
Denn ältere Menschen sind in der Regel weniger risikofreudig. Der Einwand, die Kriegstreiber Merz, Kiesewetter oder Söder zu wählen, sei kein geringes Risiko, ist richtig, betrifft aber nicht die Motive der Älteren und Alten für ihre Wahlentscheidung. Sie wollen Stabilität und glauben, sie bei der Union zu finden. Junge und jüngere Wähler hingegen sind in besonderem Maße mit den negativen Realitäten konfrontiert, für deren Entstehung ihre Eltern und Großeltern verantwortlich sind. Die jungen AfD-Wähler unter ihnen haben das schon begriffen oder begreifen es gerade. Doch ihre Jahrgänge sind zu schwach, um an der Übermacht der Alten etwas ändern zu können.
Diese Situation ist beim weiteren Niedergang Deutschlands geeignet, einen schweren Generationenkonflikt zu bewirken. Für jede radikaloppositionelle Partei oder Bewegung ist es unerlässlich, die nachwachsende Generation in diesem Konflikt zu stärken, zugleich aber unter den Älteren und Alten für Verständnis und Unterstützung der Jungen zu werben. Ein vergreisender Staat, ein vergreisendes Volk wird jedenfalls keine Zukunft haben.
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