
Im Zuge der von europäischer Seite beschworenen Durchhaltementalität bis zur letzten Patrone – nach dem Motto “von einem Friedensvertrag lassen wir uns doch nicht vom Krieg abhalten!” – wird immerzu die desolate und verzweifelte Lage der Ukraine beschworen, die angeblich über kaum Soldaten mehr verfügte. Das allerdings ist eine kecke Verbiegung der Wirklichkeit: Die Ukraine hat sehr wohl Soldaten – bloß wollen die, begreiflicherweise, nicht mehr kämpfen (wenn sie es je wollten). Die Rede ist hierbei nicht von den hunderttausenden Männern, die überwiegend im EU-Ausland als “Flüchtlinge” oder “Studenten” (so wie der Sohn des dauerpöbelnden ehemaligen Botschafterproleten Andrej Melnyk in Berlin) untergekommen sind und bei denen es sich faktisch oder technisch um Deserteure handelt, sondern wohlgemerkt von Inlandsukrainern, die zwar kämpfen könnten, dies aber aus unterschiedlichen Gründen nicht wollen, können oder gar müssen.
Experten schätzen, dass 90 Prozent der ukrainischen Soldaten und Offiziere aktuell nicht an der Front sind; ein Umstand, der in westlichen Medien ebenso geflissentlich verschwiegen wird wie die Tatsache, dass in dem angeblich von “Vernichtung” bedrohten Land in den größten Teilen seines Territoriums überhaupt keine Kampfhandlungen stattfinden; abgesehen von dem umkämpften Randstreifen der “Ostkokaine” (A. Baerbock) nimmt das Leben seinen gewohnten Gang, steigen Partys, werden Skiressorts erschlossen, finden Konzerte und ausgedehntes Nachtleben statt und verprassen Oligarchen Teile des für sie abfallenden Geldstroms, den vertrottelte westliche Politiker in dieses korrupteste Land Europas pumpen. In Odessa, Lliew oder Kiew kann man von Triago bis Booking.com alle erdenklichen Urlaubsdestinationen buchen.
Die Ukrainer kämpfen vor allem dafür, nicht an die Front zu müssen
In der hiesigen Propaganda wird unterdessen der Eindruck erweckt, als ob hier ein ganzes Land für seine Unabhängigkeit kämpft. Tatsächlich aber kämpfen nahezu alle Ukrainer darum, nicht an die Front geschickt zu werden, schrieb kürzlich ein Kommentator auf Facebook. Ebenfalls auf Facebook macht außerdem derzeit der Beitrag eines ukrainischen Bloggers die Runde, der – dort vieltausendfach geteilt und mit Zustimmungsemoticons versehen – eine überzeugende und plausible Sicht der Dinge beinhaltet und aus diesem Grund nachfolgend hier in voller Länge dokumentiert werden soll:
Laut der “New York Times” zählen die Streitkräfte der Ukraine 880.000 Soldaten, davon befinden sich 250.000 an der Front. Die Website des Weißen Hauses gibt an, dass die Gesamtzahl der mobilisierten Soldaten 1,06 Millionen beträgt. Dieser Unterschied ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass im Westen die Unterscheidung zwischen den Streitkräften der Ukraine und den Verteidigungskräften nicht besonders genau vorgenommen wird. Doch das Gesamtbild ist klar – die Anzahl der Soldaten im Hinterland übersteigt die Zahl derjenigen an der Front um das Dreifache.
Der Grund für diese Situation liegt auf der Hand – aus der Sicht der „fünf bis sechs Manager“, die die Ukraine regieren, sollen das Gesindel, das ländliche Lumpenproletariat und Narren wie der Autor dieser Zeilen kämpfen, die sich in den ersten Tagen der groß angelegten Invasion freiwillig zur Armee gemeldet haben. Für die Aristokraten (genau so bezeichnet diese Bevölkerungsgruppe der wehrpflichtige Portnikow) werden rückwärtige Brigaden mit zahlreichen komfortablen Posten geschaffen, die ihnen die Möglichkeit bieten, das Vaterland in Kiew, Lwiw oder Ternopil zu verteidigen.
Die Armee zerfällt einfach
Schauen wir uns nun die 250.000 Soldaten an, die sich in der Kampfzone befinden. 60.000–65.000 von ihnen sind Gefallene, deren Leichen nicht evakuiert werden konnten. Sie gelten als vermisst, sind weiterhin in den Personalverzeichnissen ihrer Militäreinheiten aufgeführt, und ihre Gehälter sowie zusätzliche Prämien werden auf die Konten ihrer Angehörigen überwiesen. Mindestens 50.000 sind Deserteure, deren Daten noch nicht in das Einheitliche Register für Voruntersuchungen (ЄРДР) aufgenommen wurden und die daher weiterhin in den Personalverzeichnissen ihrer Einheiten geführt werden.
Seit Anfang 2022 bis zum 1. Februar 2025 wurden 145.000 Strafverfahren gemäß den Artikeln 407 und 408 des Strafgesetzbuchs der Ukraine eingeleitet, aber dies erfasst bestenfalls nur die Hälfte der „Skiurlauber“ (Deserteure), da die Staatliche Ermittlungsbehörde (ДБР) bis September 2024 überhaupt keine Meldungen von Kommandeuren militärischer Einheiten geprüft hat. Da am 2. Januar 2020 die Militärstaatsanwaltschaft aufgelöst wurde, fehlt seit fünf Jahren eine Institution, die für die Aufrechterhaltung der Ordnung in den Streitkräften und anderen militärischen Formationen zuständig ist. Dies hat zu massenhaften Desertionen geführt – die Armee zerfällt einfach.
Noch einige Zehntausende – nach meinen Schätzungen nicht weniger als 50.000 – sind sogenannte Schabuljanten, also Soldaten, die nur auf dem Papier existieren – ähnlich wie Sergeant Schabunin, Sergeant Schadan, Sergeant Kipiani, Leutnant Lemenow, Hauptmann Wakartschuk und zahlreiche Aktivisten, Sänger sowie „Boyfriends“ hochrangiger Beamter. Sie alle erhalten Soldzahlungen, viele von ihnen sogar eine zusätzliche Prämie von 30.000 UAH (die ukrainische Währung Hrywnja, der Betrag entspricht rund 675 Euro, 20 Prozent mehr als das Durchschnittseinkommen) pro Monat „für die Erfüllung von Aufgaben unter Kriegsrecht“ sowie „Kampfeinsätze“ und Bescheinigungen der sogenannten “Form 6” über die direkte Teilnahme an Kampfhandlungen.
Wie Vieh behandelt
Doch der größte Schaden durch diese “Schabuljanten” besteht nicht darin, dass sie ihre militärischen Pflichten nicht erfüllen (ihren Nutzen an der Front hätte es ohnehin nicht gegeben) und auch nicht in der Veruntreuung von Haushaltsmitteln, sondern in der Demoralisierung der Armee. In manchen Einheiten kommt es vor, dass von 30 Mann eines Zuges nach dem Stellenplan nur 12 bis 13 tatsächlich vor Ort sind, während die übrigen irgendwo bei einem zivilen Ministerium, bei der Nationalen Agentur für Korruptionsprävention (НАПК) oder bei einem Wanderzirkus abkommandiert sind. Es ist offensichtlich, dass niemand bereit sein wird, für Schabunin, Schadan, Wakartschuk oder andere „Aristokraten“ zu kämpfen – und Soldaten, die wie Vieh behandelt werden, legen einfach die Waffen nieder und fahren nach Hause.
Eine weitere Kategorie von Soldaten in der Kampfzone sind Angehörige der Militärischen Ordnungspolizei – junge, rotwangige Männer in sauberer Ausrüstung, die an Kontrollpunkten 30 bis 50 Kilometer von der Front entfernt stehen und von Fahrern von Militärfahrzeugen Reisedokumente überprüfen. Das Durchschnittsalter dieser „Verteidiger“ liegt zwischen 26 und 32 Jahren (ich weiß das genau, weil ich sie immer frage: „Junge, wie alt bist du?“). Und auch sie werden in die Zahl der 250.000 Frontsoldaten einbezogen.
Bleiben also noch etwa 90.000 bis 100.000 übrig. Ein Drittel davon sind Stabs- und Logistikpersonal. Von den restlichen muss man die Verwundeten abziehen, die sich in Krankenhäusern befinden, krankheitsbedingt im Urlaub sind oder auf eine Entscheidung der medizinischen Kommission über ihre Untauglichkeit für den Militärdienst warten. Ebenso diejenigen, die nach Krankenhausaufenthalten mit einer Bescheinigung über eingeschränkte Dienstfähigkeit in ihre Einheiten zurückgekehrt sind – sie werden nicht für den Fronteinsatz eingeplant (und selbst wenn sie befohlen werden, würden sie sich weigern, in Stellung zu gehen). Am Ende bleibt eine reale Zahl von 30.000 bis 50.000 Soldaten an der Front. Deshalb kommt es schließlich zu Situationen, in denen beispielsweise die Verteidigung von Selydowe von nur 60 oder 80 Mann gehalten wurde.























