Ein Land, das sich infantil und realitätsfern in einen abstrusen militärischen Konflikt mit Russland hereinfabuliert, braucht neben “Kriegstüchtigkeit” vor allem Kanonenfutter. Und so schlägt nun auch der Reservistenverband der Bundeswehr Alarm: Eine Million Reservisten seien nötig, um Deutschland “verteidigungsfähig” zu machen, so Verbandspräsident Patrick Sensburg. Angesichts der aktuellen geopolitischen Lage, insbesondere der Spannungen mit Russland, soll diese Reserve “die Abschreckung stärken” – sofern man diesen Begriff angesichts des mitleidserregenden Gesamtzustands und Außenbildes Deutschlands – militärisch und gesamtpolitisch – überhaupt verwenden kann. Doch die Forderung wirft Fragen auf: Ist sie realistisch, notwendig oder gar kontraproduktiv?
Zunächst die Zahlen: Aktuell hat die Bundeswehr etwa 181.000 aktive Soldaten und rund 34.000 regelmäßig übende Reservisten. Sensburgs Vision würde das militärische Personal fast versechsfachen – ein ehrgeiziges Ziel, das an logistischen, finanziellen und gesellschaftlichen Hürden scheitern könnte. Nach der Aussetzung der Wehrpflicht 2011 fehlt die Infrastruktur, um Millionen Reservisten zu erfassen, auszubilden und einsatzbereit zu halten.
Spannungen verschärfen statt eskalieren
Zum Frohlocken der Linken wurden Kreiswehrersatzämter aufgelöst, sogar die Adressen vieler Ex-Soldaten sind unbekannt (!). Selbst wenn man die geschätzten 900.000 wehrrechtlich verfügbaren Reservisten aktiviert, bleibt fraglich, wie viele fit, willig und verfügbar sind. Kritisch ist auch der Kontext: Russland wird als Bedrohung genannt, doch ein direkter Angriff steht nicht bevor. Sollte Abschreckung das Ziel sein, könnten Investitionen in moderne Technologie – Drohnen, Cyberabwehr – effizienter sein als ein „Massen-Heer“. Zudem könnte eine Aufrüstung dieser Größenordnung die Spannungen verschärfen statt deeskalieren.
Gesellschaftlich ist die Akzeptanz ohnehin fraglich. Wer sollte dieses Deutschland verteidigen, wer der neurotischen Weicheier “Generation Snowflake” freiwillig eine Uniform anziehen geschweige denn ein Gewehr halten? Wobei hier Ursache und Wirkung schon lange verwischen; die Wehrpflicht wurde nicht ohne Grund ausgesetzt – viele Deutsche lehnen militärische Verpflichtungen ab. Eine Million Reservisten zu mobilisieren, würde zudem Arbeitgeber und Wirtschaft belasten. Sensburgs Plan klingt nach Cold-War-Nostalgie, doch die Realität verlangt pragmatischere Lösungen. Statt Quantität sollte Qualität im Fokus stehen. Sonst droht ein teurer, ineffektiver Koloss, der im Ernstfall nicht einmal mobil gemacht werden könnte. (AS)























