Komiker- und Schauspielerlegende Dieter Hallervorden hat mit seinem Sketch, in dem er politisch unkorrekte Begriffe verwendete, und seiner schlagfertigen Reaktion auf Vorhaltungen mit seinen 89 Lenzen bewiesen, dass er immer noch voll auf der Höhe ist und die negativen Entwicklungen in Deutschland genau wahrnimmt – und damit wesentlich wacher und geistig agiler ist als seine Nachfolger im deutschen „Comedy“-Mitläuferstadl.. In der Jubiläumsgala „75 Jahre ARD“ hatte die lebende Legende Hallervorden eine Neuaufführung seines legendären 70er-Jahre-Skechtes „Palim Palim“ dargeboten – allerdings ergänzt um einen Seitenhieb auf den woken Wahnsinn unserer Tage. „Mann, Mann, Mann, du. Knast, du. Wenn ick det gewusst hätte, dat man det nicht mehr sagt, ,Zigeunerschnitzel‘ und so, und ,Negerkuss‘ und so, Indianer und Cowboy kann man auch nicht mehr spielen. Wusste ich doch nicht, verstehste?“, heißt es darin.
Und siehe da: Genau diejenigen, deren irre Sprachdiktate Hallervorden damit aufs Korn nahm, bestätigten mit der Zuverlässigkeit Pawlowscher Reflexe die Berechtigung seiner Kritik. Wegen des Aussprechens der verbotenen Worte ergoss sich der unvermeidliche lächerliche Empörungssturm des linken Medienkartells über ihn. Hallervorden reagierte jedoch souverän darauf: „In Ermangelung von Mut, sich über die wirklichen Missstände zu erregen, weil diese anzuprangern gerade nicht in Mode ist, ereifert man sich über einen Komiker, der auf einem Knastbett sitzt und einen berühmten Sketch mit neuem Text beginnt“, kritisierte er gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.
“Realsatiren unserer Zeit”
Auf Instagram legte “Didi” noch einmal ausführlich nach: „Satire wird nicht mehr verstanden (…) Es herrscht Verwunderung darüber, wieso die ARD diesen Moment unzensiert zuließ. Gut so!“, so Hallervorden. Dazu schrieb er weiter: „1. Ich will auf kein Gleis gestellt werden, 2. Ich möchte nicht zensiert werden. DANKE, ARD“. Den Pressevertretern, die nach dem „Tatvorwurf“ eine Stellungnahme forderten, hätte er entgegnet: „Woke Menschen von heute versuchen ängstlich, nicht aus der Reihe zu tanzen, befolgen akribisch alle Social-Media-Gebote, um keine Likes aufs Spiel zu setzen und verstehen keine Satire mehr, weil Satire aus Angst vor Missverständnissen nicht mehr vorkommt.“ Und weiter: „Uiuiuiui, ich habe dies gesagt und das gesagt und das darf man heute alles nicht mehr tun, das habe ich irgendwie verpeilt und nun sitze ich im Bau“, schreibt Hallervorden, um daraufhin nachdenklich zu werden: „Wer weiß, vielleicht könnte das durchaus bald passieren, weil solche Bestrafung von den wirklichen Verfehlungen unserer Zeitenwende ablenkt“.
Wenn Wokeness „Wachsamkeit für Missstände“ bedeute, „so wäre es wünschenswert, dass sie ihre Aufmerksamkeit auf die eine oder andere Realsatire unserer Zeit lenkt, die leider gar nicht satirisch gemeint ist, sondern mit feierlichem Ernst verkündet wird“, so Hallervorden.
Credo: Sich nicht verbiegen lassen
Als Beispiel führt er an, dass die Bundesregierung „gerade den Tod von Tausenden von jungen Menschen billigend in Kauf“ nehme und darüber nachdenke, „dass die Streitkraft um 70.000 Soldat:innen erweitert werden müsste, denn die NATO hat letzte Woche ausgerechnet, dass an der „Ostfront“ täglich 5000 Soldat:innen sterben werden“. Eine Satire mit Regierungsbeamten im Knast würde vermutlich auf dem Index stehen und Formulierungen wie „Kanonenfutter an der Ostfront […] im Zuge unseres neuen Demokratie-Verständnisses“ verboten sein, so Hallervorden. Dass er seine Einlassungen ändert, will man zu seinen Gunsten hier ebenfalls als augenzwinkernde Ironie annehmen.
Nicht nur die an die heutigen Zustände angepasste Version seines Sketchklassikers, sondern auch seine Reaktion auf die völlig lächerliche Kritik daran zeigen, dass er, der einst aus der DDR floh, um sich seine Freiheit zu erhalten, sehr genau wahrnimmt, in welches totalitäre Zeitalter die Bundesrepublik abzudriften droht. Während jüngere deutsche „Comedians“ entweder selbst eingefleischte woke Linksradikale sind, wie etwa der widerliche Hetzer Jan Böhmermann, oder aus Angst und Opportunismus mit den Wölfen heulen und die erwünschten Bekenntnisse „gegen Rechts“ abgeben, bleibt Hallervorden sich treu und schert sich nicht darum, bei wem er aneckt. Zwar hatte auch er in der jüngeren Vergangenheit am unvermeidlichen AfD-Bashing teilgenommen, insgesamt jedoch bewahrt er sich eine fast schon revolutionär anmutende Unabhängigkeit. Selbst wenn man einwendet, dass dies als 89-jähriger Millionär leichter ist, als wenn man noch am Beginn seiner Karriere steht: Hallervordens gesamtes Lebenswerk ist ein Beispiel dafür, sich nicht zu verbiegen und verbiegen zu lassen. Mancher jüngere Kollege könnte sich daran ein lehrreiches Beispiel nehmen. (TPL)























