Bei der römischen Zeitung „Il Foglio“ ist man seit dem 18. März auf die Idee verfallen, täglich vier Seiten der Printausgabe mit Texten zu füllen, die komplett von Künstlicher Intelligenz (KI) verfasst wurden. Die Journalisten beschränken sich darauf, nur noch das jeweilige Thema vorzugeben. Chefredakteur Claudio Cerasa behauptet, das Ziel der bis Mitte diesen Monats laufenden Aktion sei es, herausfinden, „welche Grenzen KI im Journalismus überwinden kann und welche nicht“. Das Einsparen von journalistischem Personal ist angeblich ausdrücklich nicht geplant.
Bisher sei erkennbar, dass die KI-erstellten Texte sich durchaus wie professionelle Zeitungsartikel lesen und sich gut ins Gesamtbild der Zeitung einfügen würden. Damit von Menschen geschriebene Texte für die Leser einen Mehrwert gegenüber KI-generierten Artikeln haben, müsse sichtbar sein, dass darin Fähigkeiten stecken, über die nur Menschen verfügen, so Cerasa. „Wir müssen beweisen, was wir gut können, damit wir nicht durch eine Maschine ersetzbar sind“, meint er. Finanziell lohnt sich das Ganze offenbar: die 29.000 Exemplare betragende Auflage der kaum bekannten Zeitung sei um mehr als die Hälfte gestiegen.
Grundprinzip der Algorithmen
Neue Abonnenten habe man auch gewonnen. Alessio Jacona, KI-Experte der italienischen Nachrichtenagentur ANSA, räumte zwar ein, die Texte seien recht gut lesbar und faktentreu, es fehle ihnen jedoch an menschlichen Elemente wie Einordnung und Humor. KI sei zwar in der Lage, Texte zu generieren, die sich so lesen, als ob dahinter eine gewisse Nachdenklichkeit stehe, in Wirklichkeit könne sie aber nicht vom Grundprinzip der Algorithmen abweichen, die Wörter nach statistischen Regeln sortieren. Deswegen sei auch nicht fähig, „Humor zu erfassen“.
Das alles hätte man jedoch auch ohne die Marketing-Aktion von „Il Foglio“ wissen können, die am Ende wohl doch darauf hinauslaufen wird, anderen Zeitungen die Entlassung von Journalisten schmackhaft zu machen. Der Qualität wird dies aber dennoch nicht dienen. Die Journalistin Eva Herrmann brachte es auf den Punkt, als sie feststellte: „Wenn die natürliche Intelligenz nicht mehr ausreicht, muss man eben zur künstlichen greifen.“ (TPL)























