Im Frankfurter Bahnhofsviertel brodelt es. Die Pläne der Stadt, in der Niddastraße 76 ein bundesweit erstes Suchthilfezentrum für Crack-Abhängige einzurichten, stoßen auf massiven Widerstand. Ein breites Bündnis aus Wirtschaftsvertretern, Immobilienunternehmern, Anwohnern und 68 Hotels – darunter namhafte Ketten wie Hilton und Marriott – hat sich in einem Brandbrief gegen das Projekt gewandt. Der Vorwurf: Die Stadt fördere mit dem Zentrum das Drogenelend, anstatt es zu bekämpfen. Doch was steckt hinter diesem Aufstand, und sind die Bedenken berechtigt?
Die Initiative, angeführt von Schwergewichten wie Felix von Saucken (Colliers) und Star-Architekt Jürgen Engel, kritisiert vor allem die Standortwahl. Das geplante Zentrum liegt unweit des Hauptbahnhofs, in einem Gebiet, das bisher nicht von der offenen Drogenszene geprägt war. Kritiker fürchten, dass die Einrichtung Süchtige anzieht und das Bahnhofsviertel weiter in eine „Tabuzone“ für Investoren verwandelt. „Offener Drogenkonsum, Kriminalität und Verwahrlosung sind für Anwohner und die 25.000 Beschäftigten hier nicht länger tragbar“, heißt es im Brief. Die Wirtschaft warnt: Unternehmen könnten Frankfurt den Rücken kehren.
„Irrationales Vorhaben”
Die Stadt, vertreten durch die (natürlich grüne) Sozialdezernentin Elke Voitl, verteidigt das Projekt als Teil des „Frankfurter Wegs“, der seit 30 Jahren auf akzeptierende Drogenhilfe setzt. Das Zentrum soll Konsumräume, medizinische Versorgung und Beratung bieten, um Süchtige von der Straße zu holen und die öffentliche Sicherheit zu erhöhen. Voitl betont, dass Repression allein die Probleme nicht löse. Doch die Kritik aus der Opposition ist scharf: Die FDP spricht von einem „irrationalen Vorhaben“, und die CDU fordert härtere Maßnahmen gegen Dealer und Konsum im öffentlichen Raum.
Die Kritiker sehen, neben den viel zu teuren Kosten von bis zu 27.000 Euro Miete pro Monat, in dem Zentrum einen Magneten für Drogenkranke aus ganz Deutschland, was das Viertel weiter belasten könnte. Anwohner klagen über Lärm, Müll und Aggressionen, die mit der Crack-Szene einhergehen. Ein Anwohner beschreibt den geplanten Innenhof des Zentrums, in dem Süchtige „austoben“ sollen, als „absoluten Horror“. Die Angst vor sinkenden Immobilienwerten und einem Imageschaden für Frankfurt ist inzwischen riesig. (AS)























