Nach massiven Kundenprotesten haben zwei große Bäckereiketten in Hannover und Düsseldorf ihren Versuch beendet, Barzahlung abzuschaffen und ihre Kunden zur Kartenzahlung zu zwingen.
In Hannover kehrt die Bäckereikette Göing nach einem einjährigen Testlauf Mitte April wieder zur Bargeldannahme zurück. „Auf vielfachen Kundenwunsch“ werde in den betroffenen Filialen wieder bar kassiert, erklärte Verwaltungsleiter Uwe Koppermann laut dem Blog von log von Norbert Häring. Die Resonanz auf den Bargeldverzicht sei enorm gewesen: Proteste erreichten das Unternehmen über Verkaufsstellen, E-Mails sowie Plattformen wie TikTok, Instagram und Facebook – und blieben nicht folgenlos.
Auch die Düsseldorfer Bulle Bäckerei musste einlenken. 2021 hatte sie an einem Standort das Bargeld komplett abgeschafft und in den übrigen massiv für Kartenzahlung geworben. Nun, nach einer Welle der Empörung, entfernte auch diese Bäckereikette sämtliche Hinweise auf bevorzugte Kartenzahlung. Geschäftsführer Michael Gauert räumte gegenüber der Rheinischen Post ein, dass der Versuch gescheitert sei. Die Versicherung: Man habe nie beabsichtigt, ältere Menschen oder Kinder auszuschließen. Doch genau dieser Eindruck entstand offenbar – und führte letztlich zum massiven Protest.
Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks stellte – wie der Verein „Bargeld zählt! e. V.“ – fest, dass dieses unverzichtbar sei und stärkt mit einer offiziellen Mitteilung ebenfalls klar die Kundenseite. Zwar stehe man digitalen Bezahlverfahren offen gegenüber, doch das Bargeld sei „unverzichtbar“, heißt es. Viele Kunden erwarteten weiterhin, beim Bäcker bar bezahlen zu können. Eine Missachtung dieser Erwartung könne sich für Betriebe als schwerwiegender Fehler erweisen.
Die Entwicklung passt in ein größeres Bild: In Schweden und Norwegen wurden jüngst Gesetze beschlossen, die Einzelhändler verpflichten, Bargeld anzunehmen. Selbst die ARD, bislang Verfechterin bargeldloser Zahlungen, veröffentlichte kürzlich einen kritischen Beitrag, der Regierungen und Großkonzerne als treibende Kräfte hinter dem Bargeldabbau entlarvte. Der öffentliche Wind beginnt sich spürbar zu drehen – doch der Kampf um das Bargeld ist damit keineswegs entschieden.
Während einige Bäckereien ihre Lektion gelernt haben, versuchen andere, sich schleichend von der Barzahlung zu verabschieden. So berichtet Häring über die Düsseldorfer Bäckerei Hinkel, die ab Mai nur noch an jeweils einer Kasse pro Filiale Bargeld zu akzeptieren. An allen anderen Kassen sollen Kunden gezwungen sein, per Karte oder Smartphone zu bezahlen. Diese Strategie zielt offenbar darauf ab, Barzahler durch bewusst verlängerte Wartezeiten zu einer Verhaltensänderung zu bewegen, ohne sie vollständig auszuschließen.
(SB)























