Doch nicht so lecker? Größte Insektenfabrik Skandinavien kämpft ums Überleben

Skandinaviens Mega-Insektenfabrik bleibt auf ihren Maden sitzen. Trotz Millioneninvestition, trotz künstlich aufgebautem medialem Hype scheinen die Bürger nicht zum Insektenfressen bereit zu sein. Niemand will das produzierte Insektenprotein kaufen. Zudem beschweren sich die Anwohner über den widerlichen Gestank.

Es wurde den Bürgern als die Ernährung der Zukunft, als Lösung für die Versorgung mit Proteinen verkauft: Insekten statt Soja, Maden statt Fleisch. Die Enorm Biofactory im dänischen Hvirring wurde als Europas größte Insektenfarm mit viel Tamtam eröffnet. Nun steht der XXL-Insektenverwerter kurz vor dem Aus. 70 Millionen Euro investiert, 22.000 Quadratmeter Hightech-Halle gebaut, Robotersysteme installiert, die im Akkord Millionen Larven der Schwarzen Soldatenfliege aufziehen. Jetzt ist klar: Der Markt funktioniert, keiner will das Ekelzeug haben – der große Krabbel-Traum wird zum Krabbel-Desaster. Die Zurückhaltung des Marktes habe es erschwert, ausreichend Umsatz und Finanzierung sicherzustellen, so der Vorstandschef von Enorm Biofactory, Carsten Lind Pedersen.

Täglich sollten 100 Tonnen Larven gezüchtet, dann zu proteinreichem Mehl und Öl verarbeitet werden – gedacht als Futtermittel, vor allem für Geflügel und Schweine. Alle sieben Sekunden befüllt ein Greifarm eine neue Box mit Larven, 20 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Gefüttert werden die Maden mit Lebensmittelresten aus der Region.

Innovativ, effizient, nachhaltig – so lautete das Verkaufsversprechen. Doch der Markt sagt: Nein danke. Weder Tierfutterhersteller noch Konsumenten interessieren sich für das ekelhafte Krabbelprotein.

Jetzt steht das Prestigeprojekt vor dem Abgrund. Trotz modernster Technik, schönem Nachhaltigkeitsimage und Millionenförderung fehlen die Kunden, fehlen die Abnehmer, fehlt das Vertrauen in eine Idee, die in den Redaktionsstuben von Personen wie der Neigungsjournalistin Anja Reschke nach Leibeskräften beworben wurde:

Die Insektenfabrik hatte bereits im Vorfeld für negative Schlagzeilen gesorgt. Immer häufiger kam es in den letzten Monaten zu Beschwerden der Nachbarn über Geruchsbelästigung, woraufhin sich die dänische Umweltschutzbehörde eingeschaltet hatte. Zuletzt stand gar ein behördlich angeordneter Produktionsstopp im Raum.

Hinzu kommen ungeklärte Fragen: Wie ökologisch ist der ganze Insektenbums wirklich? Wie steht es mit dem Tierschutz, der unseren grünen Gut-bis Bessermenschen ja so wichtig ist. Es sei denn es handelt sich um halal-dahingemetzelte Rinder oder Insekten, die rechtlich nicht als fühlende Lebewesen gelten, was eine bequeme Grauzone für eine Industrie darstellt, die täglich Milliarden Lebewesen einfriert, zerquetscht oder verbrennt. Was passiert mit den Überresten der Produktion?

(SB)