Denunzianten per Handy am Werk: In München besonders beliebt (Symbolbild: shutterstock.com/Bilanol)
[html5_ad]

Parksünder denunzieren per App: In München immer beliebter

50553db4373e4331b143afc39cfe0dd2

Wenn es etwas gibt, dass jeden Regimewechsel in Deutschland überlebt, dann ist es die Lust am Denunzieren der Mitbürger. Der berüchtigte „Anzeigenhauptmeister“ Niclas Matthei, der es zu trauriger Berühmtheit brachte, indem er in mehreren Bundesländern unzählige Menschen wegen Falschparkens anzeigte, ist nur die extremste Verkörperung eines Typus, der offenbar unauslöschlich zum deutschen Volkscharakter gehört.
Diese Erfahrung müssen derzeit auch die Anwohner der Burgkmairstraße in München machen, die regelrecht mit Strafzetteln wegen Falschparkens überschüttet werden. Die Anzeigen kommen nahezu ausschließlich von anonymen „wachsamen Bürgern“ über eine App. Diese wird von der Polizei ausgewertet, die daraufhin die Bußgelder verhängt.

Die Burgkmairstraße ist so eng, dass Autos, die eigentlich korrekt neben dem Bürgersteig parken, trotzdem fast die komplette Straße blockieren. Deshalb weichen viele auf den Gehsteig aus, damit der Verkehr weiterfließen kann. Damit liefert man aber das Futter für Denunzianten, die fleißig von der App Gebrauch machen. Dadurch kamen allein in den letzten drei Monaten 6.000 Euro an Strafgeldern zusammen. Die mehrfach vorgebrachten Bitten der Anwohner, die Stadt München möge endlich Abhilfe schaffen, etwa durch das Aufstellen von Schildern, werden abgelehnt, weil man dafür nicht zuständig sei.

Anonym verpetzen

Diese Posse zeigt einmal mehr die ganze Verkommenheit dieses Staates: zuerst weigert er sich, ein Problem zu lösen, dann macht er es möglich, dass Anzeigen über eine anonyme App erfolgen können, um den Bürgern, die sich dieses staatlich verschuldeten Missstandes nur durch Umgehung der Verkehrsregeln erwehren können, ihr Geld abzunehmen. Denunziantentum wird dadurch vom Staat gefördert, um die Bürger für sein eigenes Versagen zu bestrafen.

Und dies ist natürlich nicht auf München beschränkt, sondern zieht sich durch das gesamte Land, wo überall staatlich geförderte Denunziantenportale aus dem Boden schießen, auch und gerade für ausdrücklich nicht strafbare Aussagen und Handlungen. Anzeigen und Verrat werden dadurch wieder einmal nicht zur verwerflichen Unsitte, sondern zur Tugend und sogar zur Bürgerpflicht erhoben. Der Rechtsfrieden wird dadurch zerstört, der Rechtstaat unterminiert. Hier offenbart sich ein gesamtgesellschaftlicher Verfall, der sich mittlerweile auf allen Ebenen zeigt. (TPL)

image_printGerne ausdrucken

Themen