Einst Elf gegen Elf und klare Kante (Symbolbild:Grok)
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Kann Demokratie zum Tod der Demokratie führen?

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Ein Gedankenexperiment aus dem Sport: Anhand eines Beispiels aus dem Breitensport soll gezeigt werden, wie sich gutgemeinte Inklusion, demokratische Mehrheiten und demografischer Wandel zu einer stillen Selbstabschaffung verbinden können. Ohne Umsturz, aber mit bleibender Wirkung.

Im Jahr 1990 gründeten 100 fußballbegeisterte Männer im fränkischen Hochkönigsbergstadt einen Sportverein. Elf gegen elf, der Ball ins Eckige, klare Regeln, klare Rollen. Niemand dachte daran, dass dies eines Tages problematisch sein könnte. Doch bald wurde von außen mehr Toleranz gefordert. Frauen müssten mitspielen dürfen. Zehn traten dem Verein bei. Die Mitgliederzahl stieg auf 110. Obwohl sie nur zehn Prozent stellten, bestand die Startelf bald zu über einem Drittel aus Frauen. Die Leistung ließ nach. Aber Kritik daran galt als unsensibel. Man müsse lernen, dass Ergebnisse nicht alles sind.

Der Verein wächst, der Ball verschwindet

Zugleich war der Verein knapp bei Kasse. Um das Vereinsheim zu erhalten und die Rasenpflege zu bezahlen, nahm man jeden auf, der den Jahresbeitrag entrichtete. Unabhängig von sportlicher Eignung oder Spielinteresse. So kamen 20 neue Mitglieder vom örtlichen Kegelverein. Der Verein zählte nun 130 Mitglieder. Die Neuen hielten das viele Laufen für überholt und schlugen vor, das Spiel auf Elfmeterschießen zu beschränken. Schließlich müsse niemand mehr rennen. Dann traten 50 ehemalige Handballer ein. Die Mitgliederzahl stieg auf 180. Sie empfanden das Verbot des Handspiels als Ausdruck eines männlich-muskelzentrierten Machtsystems. Auch das wurde angepasst. Der Verein verstand sich nun als offen für neue Spielkonzepte. Kritik galt als konservativ oder sogar ausgrenzend. Fußball wurde immer seltener gespielt. Die Zahl der Mitglieder wuchs. Der Sinn des Vereins ging verloren.

Demokratischer Umsturz – ganz legitim

Dann kamen 25 Senioren. Ärztlich zur Bewegung ermutigt, aber mit Hüftproblemen. Man nahm sie gerne auf. Der Mitgliedsbeitrag wurde vom Amt übernommen. Fußball sei zu hart. Man schlug vor, den Verein auf Federball umzustellen. Gelenkschonend, netzorientiert und unterhaltsam. Die Mitgliederzahl lag nun bei 205. Auf der eilends einberufenen Mitgliederversammlung waren alle 205 Mitglieder anwesend. 105 stimmten für die Satzungsänderung. Das war klar die demokratische Mehrheit. Ein Hoch auf die alten Griechen, die die Demokratie erfanden. Aus dem Fußballclub Hochkönigsbergstadt wurde der Federballverein Hochkönigsbergstadt. Ganz demokratisch.

Und was das mit uns zu tun hat

Auch die Bundesrepublik hat eine Satzung. Das Grundgesetz. Es beginnt mit den Worten: Das Deutsche Volk hat sich dieses Grundgesetz gegeben. Ein klarer Ursprung und ein klarer Wille. Doch was geschieht, wenn dieses Volk eines Tages nur noch 49 Prozent der Bevölkerung stellt? Dann entstehen andere Mehrheiten. Und mit ihnen andere Maßstäbe. Die alten Regeln werden nicht nur geändert. Sie werden belächelt. Vielleicht sogar verachtet. Und ersetzt. Demokratisch. Freundlich. Tolerant. Aber nicht mehr im Sinne derer, die einst das Spiel erfanden.

Denn das „Seid fruchtbar und mehret euch“ wird heute von Gruppen, die die Bibel gar nicht kennen, intensiv gepflegt. So wird das Spielfeld mit dem Kinderwagen gestürmt.

(PS: Angeregt zu diesem Text wurde ich durch dieses Video von 55 Sekunden Länge)

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