Die einst in aller Welt als leuchtendes Vorbild für Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit beneidete Deutsche Bahn ist nur noch ein Schatten ihrer selbst und zum internationalen Gespött geworden – so wie das Land, das sie einst repräsentierte. Im letzten Monat waren nur noch 57,1 Prozent der ICE- und IC-Züge pünktlich. Immerhin ist dies eine leichte Verbesserung zum Vorjahreszeitraum, als es 52,9 Prozent waren. Von den Regionalzügen kamen immerhin 88,9 Prozent pünktlich an. Die Deutsche Bahn ist ein einziger Sanierungsfall – wie das ganze Land. Zwar wurde ihr Eigenkapital für den Zeitraum 2020 bis 2030 um eine Milliarde Euro pro Jahr erhöht, trotzdem sind die Züge unpünktlich, der Service oft miserabel, Bordrestaurants sind oft geschlossen, Toiletten verstopft und das Schienennetz marode.
Dafür wird aber überall gegendert und die Preise steigen ständig. Tausende von Sitzplätzen werden abgebaut, Reservierungen werden immer teurer, die zermürbten Kunden, für die jede Fernzugreise zum Glücksspiel wird, ob sie pünktlich ans Ziel kommen, sollen für dieses Totalversagen immer mehr bezahlen – auch hier ist die Bahn ein Abbild des Staates, dem sie gehört. 2024 machte sie 1,8 Milliarden Euro Verlust. Ihre Gegenmaßnahmen bestehen nur darin, beim Staat um immer noch mehr Geld zu betteln – bis 2029 sollen es ca. 17 Milliarden Euro sein, obwohl die Regierung gerade erst 107 Milliarden Euro aus ihrem gigantischen Schuldenpaket für Investitionen in Infrastruktur bewilligt hat.
Täglich fünf Millionen Euro mehr Schulden
„Die DB entwickelt sich zu einem Fass ohne Boden“, hatte Kay Scheller, der Präsident des Bundesrechnungshofes, bereits vor zwei Jahren erklärt. Das „gesamte System Eisenbahn“ sei dadurch gefährdet, der Konzern habe bereits über 30 Milliarden Euro Schulden, zuletzt seien täglich fünf Millionen (!) dazu gekommen. Genau wie in der Politik, wird das Geld geradezu wahnhaft ausgegeben, ohne dass es irgendwelche Verbesserunten gäbe. Es herrscht die gleiche Kurzsichtigkeit und Verantwortungslosigkeit wie überall im Land. Ab dem 1. August bis zum 30. April 2026 wird die ICE-Strecke Hamburg–Berlin für eine Generalsanierung voll gesperrt. Die moderne ECTS-Technik wird dabei aber nicht installiert – dies soll erst „in den frühen 2030er Jahren erfolgen“. Dafür werden die Preise auch in den kommenden Jahren stetig erhöht werden. CSU-Verkehrsminister Patrick Schnieder fiel nichts anderes ein als die seit Jahren abgespulten, ewig gleichen Phrasen: „Pünktlichkeit ist ein Punkt, Sauberkeit, Sicherheit sind andere Punkte. Da müssen wir besser werden“, faselte er. Außerdem teilte er mit, er wäre „sehr froh, wenn wir eine Pünktlichkeitsquote jenseits der 80 oder 90 Prozent erreichen“.
Auch dies bringt die herrschende Mentalität in diesem Land perfekt auf den Punkt. Man setzt die Ziele niedrig und ist froh, wenn man sie nicht allzu stark unterbietet. Die Schuld sucht man bei anderen, kreativ ist man nur noch beim Erfinden von Ausreden. Es fehlt eigentlich nur noch, dass man auf die Idee kommt, der AfD irgendwie die Bahnmisere anzulasten. (TPL)






















