In den vergangenen Jahren hat es sich in mehreren deutschen Zoos zur Praxis entwickelt, gesunde „überzählige“ Tiere zu töten. Zahlen dazu werden meist nicht transparent kommuniziert. (Copyright: Deutscher Tierschutzbund e.V. / Schicht)
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Tötung gesunder Tiere in Zoos: Deutscher Tierschutzbund fordert Kurswechsel

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Der Deutsche Tierschutzbund schlägt Alarm: Die Tötung gesunder Tiere in Zoos ist kein Einzelfall, sondern ein Symptom dafür, dass das Konzept Zoo in seiner jetzigen Form an Grenzen stößt. Anlässlich jüngster Vorfälle, wie der geplanten Tötung von bis zu 20 Pavianen im Nürnberger Tiergarten, fordert der Verband einen dringenden Kurswechsel. Statt Zuchtüberschüsse und Tötungen als Teil des Populationsmanagements hinzunehmen, müsse die Verantwortung für das Wohl jedes einzelnen Tieres im Fokus stehen.„Wer Tiere züchtet, hat eine Verpflichtung für ihr Wohlergehen“, betont Paulina Kuhn vom Fachreferat für Wildtiere des Deutschen Tierschutzbundes.

Artenschutz sei wichtig, doch die einseitige Fokussierung darauf, Arten um jeden Preis zu erhalten, sei fragwürdig – vor allem, wenn eine Wiederauswilderung oft unmöglich ist. „Zoos dürfen sich ihrer Verantwortung nicht entziehen. Wenn artgerechte Haltung nicht gewährleistet ist, sollte auf Zucht verzichtet werden“, so Kuhn.Die Praxis, überzählige Tiere zu töten, hat sich laut Tierschutzbund in den letzten Jahren etabliert.

Ethisch und juristisch problematisch

Zoos rechtfertigen dies oft mit „vernünftigen Gründen“ nach dem Tierschutzgesetz, etwa wenn Tiere verfüttert werden. Tierschützer sehen dies als ethisch und juristisch problematisch. Besonders kritisch wird die Absicht von Zooverbänden betrachtet, Tötungen auch bei Arten wie Beutegreifern oder Primaten als „vernünftig“ durchzusetzen. „Ernsthafter Artenschutz schließt Tierschutz ein“, betont Kuhn. Der Fokus sollte auf besseren Lebensbedingungen und dem Schutz natürlicher Lebensräume liegen, statt Tiere als „lebende Museumsstücke“ zu halten.

Aktuelle Fälle, wie die Tötung zweier Davidshirsche im Schweriner Zoo, die an Löwen verfüttert wurden, oder der Tod zweier Löwenjunge im Kölner Zoo aufgrund fehlerhafter Zuchtplanung, verdeutlichen die Dringlichkeit. Der Tierschutzbund fordert, dass Zoos ihre Verantwortung ernst nehmen und Zuchtprogramme überdenken, um Tierleid zu verhindern. (TPL)

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