Der fast überall in Europa grassierende Antisemitismus, ist möglicherweise auch in Spanien um ein Kapitel reicher: Am Mittwoch warfen uniformierte Polizisten 47 Kinder und vier Betreuer einer französischen Reisegruppe der Ferien-Organisation „Club Kineret“ aus einem Flugzeug der spanischen Billig-Airline Vueling. Laut Karine Lamy, der Mutter eines der Kinder, war der Grund für die Aktion, dass die Kinder im Flugzeug hebräische Lieder gesungen hätten. Die Flugbegleiter hätten die Kinder aufgefordert, damit aufzuhören, ansonsten würden sie die Polizei rufen. Obwohl die Kinder danach nicht mehr gesungen hätten, sei die Polizei dennoch gekommen. Die Beamten hätten die Betreuerin festgenommen und die Gruppe des Flugzeugs verwiesen. Ein Video soll zudem zeigen, wie eine Betreuerin von Polizisten auf einer Fluggastbrücke gefesselt wird.
Amichai Chikli, Ider israelische Minister zur Bekämpfung von Antisemitismus, postete das Video des Polizei-Einsatzes auf Twitter und sprach von „einem der schwerwiegendsten antisemitischen Vorfälle der letzten Zeit“. Die Fluglinie Vueling teilte dagegen mit: „Das Handeln des Bordpersonals erfolgte ausschließlich aufgrund eines Verhaltens, das die Integrität des Fluges sowie die Sicherheit der Passagiere und des gesamten Betriebs gefährdete. Die Besatzung handelte dabei mit größter Professionalität und in Übereinstimmung mit den Verfahren von Vueling und forderte das Einschreiten der Guardia Civil an, die nach Einschätzung der Lage den Ausstieg der Gruppe veranlasste.“
Angebliche Sicherheitsgefährdung
Man wies „jegliche Behauptung entschieden zurück, wonach die Entscheidung unserer Crew im Zusammenhang mit dem religiösen Ausdruck der betroffenen Passagiere stehen könnte“. Die spanische Polizei erklärte auf „Bild“-Anfrage, die 51 Personen seien wegen „unangemessenen Verhaltens“ aus einem Flug nach Paris entfernt worden. Die Minderjährigen hätten wiederholt das Notfallmaterial „manipuliert“ und die Sicherheitsdemonstration der Besatzung unterbrochen. Deshalb habe der Pilot die Sicherheit des Fluges gefährdet gesehen und die Räumung angeordnet.
Eine der Betreuerinnen habe Widerstand geleistet und die Anweisungen der Beamten der Guardia Civil ignoriert, weshalb sie unter Zwang aus dem Flugzeug habe entfernt werden müssen. Es ist zwar unklar, ob die Polizeiaktion erfolgte, weil die Airline keine hebräischen Gesänge an Bord ihrer Maschinen duldet oder ob die Kinder den Flugbetrieb so gestört haben, dass man sich zu diesem Schritt gezwungen sah. Fakt aber ist, dass der Eindruck des gezielten antisemitischen Vorgehens bei Betroffenen und auch anderen Passagieren entstand. Die Anwälte von Club Kineret erklärten, dass sie gegen die Fluggesellschaft Beschwerde wegen der Behandlung der Kinder eingereicht habe. (TPL)























