Während im Zuge der “Nachhaltigkeit” immer wieder von “wohnortnaher Versorgung“ und „Regionalität“ die Rede ist, vollzieht sich im Gesundheitswesen die genau gegenteilige Entwicklung: Zum fatalen Praxissterben und zur politisch gewollten Konzentration und Ausdünnung der medizinischen Versorgung kommt nun auch noch der alarmierende Trend des zunehmenden Apothekensterbens, das zunehmend die Arzneimittelversorgung gefährdet, insbesondere im ländlichen Raum. So gibt es beispielsweise in Niedersachsen bereits 475 Gemeinden – darunter drei Städte – ohne eine einzige Vor-Ort-Apotheke. Bis zu 20 Prozent der Apotheken haben in einigen Regionen innerhalb von fünf Jahren geschlossen.
Dennoch sieht die niedersächsische Landesregierung „in absehbarer Zeit grundsätzlich keine Gefährdung der Arzneimittelversorgung“, wie sie in einer Antwort auf eine Anfrage der AfD-Fraktion erklärte. In anderen Ländern sieht es jedoch nicht viel besser aus. Mit jeder Schließung einer Apotheke in einer Gemeinde wird nicht nur den Zugang zu Medikamenten erschwert, sondern auch die Versorgung in Notfällen oder bei Rezepturarzneien und Lieferengpässen gefährdet.
Hausgemachte Ursachen
„Kein Bus, kein Notdienst, kein Zugang zu Medikamenten – das ist keine Versorgungspolitik, das ist Staatsversagen“, kritisiert die AfD-Gesundheitspolitikerin Delia Klages. Sie fordert ein Stabilisierungsprogramm für Apotheken im ländlichen Raum, weniger Bürokratie, Förderung von Neugründungen und ein strategisches Handlungskonzept.
Die Ursachen für das Apothekensterben sind zumeist politisch hausgemacht: Sinkende Rentabilität, steigende Bürokratie und Personalmangel setzen Apotheken unter Druck. Zudem gründen immer weniger junge Menschen Apotheken, da die wirtschaftlichen und administrativen Hürden abschrecken. Früher galten Apotheken fast standortunabhängig als Goldgruben – heute ist es das Gegenteil. Immerhin fordern Bundesländer einen bundesweiten „Apothekenrettungsschirm“, um abzuwenden, dass die Versorgungslücken im ländlichen Raum wachsen. Es muss die Erkenntnis reifen, dass Apotheken mehr sind als nur Geschäfte – sie sind systemrelevant für die Gesundheitsversorgung, und ihre nicht nur den Zugang zu Medikamenten, sondern auch die Lebensqualität und Sicherheit der Bürger bedroht. (TPL)























