Es ist eine Nachricht, die fast “zu schön” ist, um wahr zu sein, und die wie ein feuchter Traum von linken AfD-Verbotsfanatikern anmutet: Bei einer Razzia in Lübtheen (Mecklenburg-Vorpommern), an der rund 60 Polizisten beteiligt waren, wurden am Mittwoch wunderbarerweise größere Mengen Sprengstoff und scharfe Waffen sichergestellt. Die Behörden gaben zwar nicht bekannt, gegen wen sich die Razzia richtete, der AfD-Kreistagsabgeordnete und Unternehmer Philip Steinbeck bestätigte aber dem NDR gegenüber die Razzia in dem von ihm bewohnten Anwesen. Wie viele Waffen beschlagnahmt wurden und ob deren Besitz gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstößt, ist derzeit noch unklar, da die Auswertung der sichergestellten Waffen und Sprengmittel bisher noch nicht abgeschlossen sei, wie die Polizei erklärte.
Möglicherweise steht die Razzia im Zusammenhang mit einem Vorfall im April, als Steinbeck über den Notruf zwei bewaffnete Einbrecher in seinem Haus gemeldet hate. Die Polizei konnte dann keine akute Bedrohung feststellen. Vor dem Gebäude trafen die Beamten auf Steinbeck, der eine Pistole mit sich führte, die er nach eigenen Angaben zur Selbstverteidigung bei sich trug und freiwillig abgab. Die bei der anschließenden Durchsuchung sichergestellten weiteren Waffen seien alle ordnungsgemäß registriert gewesen.
Irgendwas mit “Reichsbürgern”
Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Christian Pegel (SPD) erklärte, derartige Funde seien “alarmierend”. Umso wichtiger und notwendig sei das konsequente Vorgehen der Sicherheitsbehörden. Aus Ermittlerkreisen hieß es, man habe Steinbeck schon länger im Visier gehabt. Dieser beteuert, es handele sich um Deko-Waffen wie Vorderlader, nicht um Kriegswaffen. Der AfD-Landesverband teilte dagegen mit, die im Raum stehenden Anschuldigungen seien „schwerwiegend“ und seien „sehr überraschend“ gekommen. Man wolle Steinbeck aber zunächst die Möglichkeit geben, darauf zu antworten. Es gelte die Unschuldsvermutung. Steinbeck war einer der frühen Förderer der AfD in Mecklenburg-Vorpommern.
Die spektakuläre Razzia liefert den AfD-Gegnern natürlich wieder Material für ihre Propaganda: Ein Unternehmer, der auf seinem Schloss angeblich Kriegswaffen hortet, ist natürlich ein gefundenes Fressen – und passt so ganz in die staatliche Erzählung von “Reichsbürger-Putsch”, der sich nun einmal mehr raunend mit der AfD irgendwie in Verbindung bringen lässt. Würden staatliche agents provocateurs so etwas inszenieren, könnte es nicht bestechender ablaufen! Man kann sich, wie etwa auch der Publizist Oliver Janich vermutet, hier des Eindrucks kaum erwehren, dass hier womöglich einmal mehr der Verfassungsschutz oder irgendwelche gedungenen Strippenzieher die Finger im Spiel haben, um eine wunschgemäße Bedrohungslage passend zum geplanten AfD-Verbotsverfahren zu inszenieren. Dies erscheint zumindest nicht abwegig. Die weiteren Ermittlungen und die Reaktionen der AfD bleiben nun abzuwarten. (TPL)























