Ein ungeheuerlicher Verstoß gegen journalistische Standards: Die Lippische Landes-Zeitung verändert eigenmächtig ein Interview mit dem AfD-Kandidaten Viktor Hübner, welches von der Zeitung angefragt wurde, streicht Aussagen, ohne dies kenntlich zu machen – und reicht kritische Passagen sogar an den Verfassungsschutz weiter. Was hier geschieht, ist kein Journalismus, sondern politisch motivierte Denunziation.
Was sich in Detmold abspielte, ist ein ungeheuerlicher Angriff auf demokratische Grundprinzipien. Die Lippische Landes-Zeitung LZ interviewt den AfD-Kandidaten Viktor Hübner, löscht Aussagen – ohne Wissen, ohne Einwilligung des Interviewten – die ihr missfallen – und reicht diese dann kommentarlos an den Verfassungsschutz weiter. In diesem besten Deutschland, das wir je hatten, missachtet ein Mainstreammedium auf widerlichste Art und Weise jegliche journalistischen Standards und spielt sich als politische Inquisitorin auf.
Wörtlich heißt es bei der LZ im prahlerische Denunziantenton: „Im Original-Interview fielen Aussagen, die unserer Meinung nach verfassungswidrig sein oder rechtsextremistische Tendenzen des Interviewten offenbaren könnten. Wir werden diese nicht veröffentlichen und haben diese Aussagen an die verantwortlichen Behörden zur Prüfung weitergeleitet“, heißt es in einem Text, der in der Online-Version noch vor Beginn des Interviews zu lesen ist. Das Opfer: Jirka Möller, AfD-Kandidat für das Bürgermeisteramt, wird von der Redaktion aktiv um ein Interview gebeten.
Flächendeckender Antritt bei #Kommunalwahl!#AfD tritt 2025 erstmals in #Extertal an. Jirka Möller (53) kandidiert als #Bürgermeister. AfD will mit Bürgernähe und wöchentlichen Sprechstunden punkten. Chancen nach starkem Bundestagswahlergebnis (24,3 %). #Hitze #Klimawandel pic.twitter.com/gbk0GQyVqS
— AfD Kreisverband Lippe (@afd_kreis_lippe) July 2, 2025
Das Portal Nius wollte von der Zeitung wissen: Begehen Journalisten, die ihre Gesprächspartner bei Behörden melden, nicht einen schwerwiegenden Bruch des journalistischen Berufsethos und Ehrenkodex? Dirk Baldus, Chefredakteur der Lippischen Landes-Zeitung: „Bei möglicherweise strafrechtlich relevanten Äußerungen nicht. Wir reden hier nicht über politische Meinungsäußerung.“ Der Vorgang ist bislang einzigartig für die Zeitung, zuvor habe man noch nie Inhalte von Interviews angezeigt, so Baldus.

Auf der Plattform LinkedIn präsentierte eine Redakteurin der LZ die Passage, in der die Meldung angekündigt wurde, und lobte die Redaktionsleitung dafür, dass „verfassungswidrige und rechtsextremistische Aussagen erst gar nicht abgedruckt, sondern an die verantwortlichen Behörden weitergeleitet“ würden. Das ist nicht investigativer Journalismus. Das ist Gesinnungskontrolle. Es ist der offene Bruch mit jeder journalistischen Ethik – und der kalte Missbrauch publizistischer Macht, um politische Gegner mundtot zu machen. Noch schockierender: Die Redaktion prahlt offen mit diesem Vorgehen – als wäre das Denunzieren von Interviewpartnern ein Akt besonderer Verantwortung. In Wahrheit ist es ein Tiefpunkt für die Pressefreiheit in Deutschland.
Jan A. Karon von Nius kommentiert auf X:
„Das ist die absolut kaputteste und kränkste journalistische Praxis, die mir bisher untergekommen ist: Journalisten der »Lippische Landes-Zeitung«, die ein Interview mit den AfD-Kandidat Viktor Hübner in Detmold eigens (!) angefragt haben, editieren die Antworten ohne Autorisierung bis zum get-no (»Einordnung«) und greifen massiv in die Redefreiheit und Autonomie des Interviewten ein; aber als ob das nicht genug wäre, löschen sie böse Passagen heraus und verschicken sie als Anschwärzer an den Verfassungsschutz (!), betätigen sich also als Denunzianten, die hier offenkundig einen Lokalpolitiker erledigen wollen. Das ist absolut indiskutabel und mit journalistischem Ethos unvereinbar. Eigentlich ein Fall für @djuverdi, @uebermedien , DJV und @ZappMM. Das ist wirklich seltenst gruselig.“
(SB)























