Fußball ist ein Gesellschaftliches Ventil. Zu allen Zeiten waren Massen Spectacle, eine Gelegenheit für den Pöbel und auch das Bildung fernere Volk, seine Emotionen abzulassen. Was früher in Gladiatoren Kämpfen geschah, erfolgt heute im Fußballstadion, und gerade weil in der Hitze von van kurvenpolitische, correctness, oder Wohl gesetzte Wortwahl nie eine Rolle spielten, wurde dort auch nie die Goldwaage gelegt. Früher jedenfalls. Strafbare und menschenverachtende Aktionen wurden früher mit Stadion verboten und möglicherweise auch Vereinsstrategen geahndet, doch iInzwischen ist die Sprachpolizei auch bei den woke-hypersensiblen Vereinen und in den Stadien unterwegs, um Haltung und “rote Linien” bei jeder Gelegenheit zu demonstrieren. Und wehe, sie findet Beanstandenswertes – dann wird heute gleich schwerstes Geschütz aufgefahren, bis zur Spielunterbrechung.
So sorgten am Sonntag rassistische Rufe bei zwei DFB-Pokalspielen für einen Skandal, der von den üblichen Medien und Verdächtigen natürlich sogleich begierig aufgegriffen wurde: Beim Spiel zwischen Lok Leipzig und Schalke war der Schalke-Profi Christopher Antwi-Adjei von den Zuschauerrängen mit dem Wort „Scheiß-Nigger“ beleidigt worden, wie er selbst berichtet. Mittlerweile hat er Anzeige erstattet. Natürlich ist der Ausruf eine abstoßende und inakzeptable Schmähung, für die die Verantwortlichen (die heute im Gegensatz zu früher ja einfach mit Kameras identifizierbar sind), auch verantwortlich gemacht werden müssten – entweder vom Verein oder sogar strafrechtlich –, auch wenn man die traditionelle Maßlosigkeit der Zorn- und Hassäußerungen mancher gegnerischer Fans als mildernder Umstand zugrundelegen sollte. Jedenfalls sind Parolen von irgendwelchen asozialen Fans kein Grund, hier über die Stränge zu schlagen. Trotzdem geschah genau das: Das Spiel wurde zwischenzeitlich unterbrochen und das Publikum aufgefordert, „diskriminierende Rufe zu unterlassen“. Auch die “Opfer” selbst wissen inzwischen genau, wie sie sich mediengerecht zu präsentieren haben, nach solchen Anlässen: „Für mich war es ein einzelner Ruf. Ich weiß nicht, von wem es war. Ich hoffe, die Person denkt nochmal über die Worte nach“, so Antwi-Adjei.
Hysterie statt Mäßigung
Auch beim Spiel zwischen der RSV Eintracht Stahnsdorf und Kaiserslautern wurde ein Lauterer-Spieler beim Aufwärmen beleidigt, der Täter wurde bereits ermittelt. Natürlich muss sich kein Mensch so etwas gefallen lassen, und dass die Schuldigen bestraft werden, ist völlig richtig. Die Reaktionen auf solche Vorfälle, die es schon immer gab und immer geben wird, sind jedoch völlig maßlos. In manchen Medien wird geradezu der Eindruck einer Pogromstimmung vermittelt. Schalke-Kapitän Kenan Karaman empörte sich: „Diese Aktion überschattet das ganze Spiel. Wenn es so weitergegangen wäre, hätten wir nicht mehr weitergespielt“. Selbst Gianni Infantino, der Präsident des Weltfußballverbandes FIFA, hielt es für nötig, sich einzuschalten: „Bei zwei DFB-Pokalspielen in Deutschland gab es untragbare Vorfälle“, erklärte er. Das Spieler-Gremium, das als Teil der 2024 vom FIFA-Rat beschlossenen fünf Aktionsbereiche im Kampf gegen Rassismus gegründet worden sei, werde sich „mit dem Deutschen Fußball-Bund in Verbindung setzen und diese Vorfälle weiterhin genau beobachten“.
Stimmen der Mäßigung und Vernunft bleiben bei dieser Hysterie in der Minderheit: „Bei aller Notwendigkeit einer zügigen Aufarbeitung dieses ernsten Themas, hört auf mit Spekulationen und Schuldzuweisungen, bevor nicht Spielbericht und Ergebnisse der polizeilichen Befragungen ausgewertet sind“, appellierte Hermann Winkler, der Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) und Vizepräsident des DFB, der auch klarstellte, „keine fremdenfeindliche Stimmung wahrgenommen“ zu haben. Damit muss er jedoch befürchten, sich des Vorwurfs auszusetzen, Rassismus zu verharmlosen. Wegen eines einzigen Zuschauers, der sich ausfällig äußerte, wird so getan, als sei das ganze Leipzig-Stadion ein Bollwerk des Rassenhasses. Gerade gegen Ostdeutsche wird so etwas natürlich besonders gerne ausgeschlachtet, um die ewige Mär vom notorisch rechtsradikalen Osten zu befeuern, wo ja auch die angeblich „gesichert rechtsextreme“ AfD zu weiten Teilen Volkspartei ist. Auch hier geht jedes Maß verloren, und auch beim nächsten derartigen Vorfall, der so sicher wie das Amen in der Kirche ist, wird die immer gleiche Empörungsmaschine wieder angeworfen werden. (JS)























