Der Skandal um die nun glücklicherweise ehemalige SPD-Verfassungsgerichtskandidatin Frauke Brosius-Gersdorf, hat die öffentliche Aufmerksamkeit erneut auf die Unsitte plagiierter oder in sonstiger Weise unredlich erworbener Doktortitel gelenkt. Dies ist einmal mehr dem österreichischen „Plagiatsjäger“ Stefan Weber zu verdanken. Dieser deckte vor einem Jahr auch Plagiate in der Dissertation des heutigen Thüringer CDU-Ministerpräsidenten Mario Voigt auf – und zwar gleich 140, was bei dem 114-seitigen Umfang des Werkes, das sich mit dem US-Präsidentschaftswahlkampf von 2004 befasst, schon eine Leistung für sich ist. Voigt war offenbar nicht in der Lage, auch nur einen einzigen eigenen, geschweige denn originellen Gedanken zu formulieren. „Besonders bitter sind vier Plagiatsfragmente im Schlussteil der Dissertation. Wo, wenn nicht dort hätte man sich eigene Gedanken Mario Voigts erwartet?Aber auch hier griff Voigt an verschiedenen Stellen auf unzitierte Textvorlagen zurück. In einem Fall „interpretierte“ er die Bush-Kampagne anlässlich der US-Präsidentschaftswahlen 2004 mit einem österreichischen Text, der schon vor der Wahlkampf-Auseinandersetzung erschienen ist. Peinlich sind auch neun Seiten, auf denen Wikipedia plagiiert wurde“, so Webers Fazit.
Die Technische Universität Chemnitz kündigte vor einem Jahr eine Prüfung der Vorwürfe an. Diese ist bis heute nicht abgeschlossen, sofern sie überhaupt stattfand. Dies legt den Verdacht nahe, dass Voigt, der Thüringen mit einer bizarren „Brombeerkoalition“ aus CDU, BSW und SPD regiert, obwohl bzw. gerade weil die AfD die mit Abstand stärkste Kraft ist, durch die offizielle Bestätigung, sich seinen Doktortitel ergaunert zu haben, nicht beschädigt werden soll. Denn dies könnte seinem ohnehin kaum vorhandenen Ansehen den Rest geben und der AfD den Weg zur Macht ebnen.
Kein ernsthaften Forschungsinteresse
Es ist geradezu lächerlich, dass man es binnen eines Jahres nicht geschafft haben soll, die Dissertation zu überprüfen. Dabei handelt es sich um ein eilig zusammengeschustertes Werk, das, wie die meisten Doktorarbeiten, kein ernsthaftes Forschungsinteresse verfolgt, sondern nur dazu dient, dem Verfasser einen akademischen Titel und damit Sozialprestige zu verschaffen. Wenn man in Chemnitz ernsthaft vorhätte, den Vorwürfen auf den Grund zu gehen, wäre dies in spätestens einem Monat problemlos möglich gewesen. Auskünfte über den Stand des angeblichen Prüfungsverfahrens werden nicht erteilt. Offensichtlich hofft man, das Ganze irgendwie aussitzen zu können. Dies ist die bewährte Methode bei derartigen Vorwürfen, sofern sie Politiker oder andere öffentliche Personen betrifft, die der Linkstaat aus irgendeinem Grund für schützenswert erachtet. Man wird das Thema einfach auf sich beruhen lassen.
Und im Fall Brosius-Gersdorf, wo die Universität Hamburg ebenfalls ein Prüfungsverfahren angekündigt hat, nachdem die ersten Vorwürfe eilig abgeschmettert wurden, wird man wohl ebenfalls so viel Zeit wie möglich schinden, bis Gras darüber gewachsen ist. Mit ihrem „freiwilligen“ Verzicht auf ihre Kandidatur als Verfassungsrichterin dürfte sie sich das Vorrecht erkauft haben, ihren Titel behalten zu dürfen, an dem ihre gesamte akademische Karriere hängt. Auch dies passt perfekt in das desolate Bild, das dieses durch und durch verkommene Land überall abgibt. (TPL)























