Die Deutsche Bahn gerät mehr und mehr zum Sinnbild für den Zustand dieses Landes: ein einst für seine Pünktlichkeit, seinen Service und seine Zuverlässigkeit in aller Welt bewundertes und nachgeahmtes Vorbild, ist heute nur noch ein peinliches Shithole, das seinen elementarsten Aufgaben nicht mehr nachkommen kann. Am Zwickauer Bahnhof funktioniert seit zwei Wochen nicht einmal mehr die Bahnhofstoilette. „Aufgrund eines Abwasserrohrbruchs wurde die WC-Anlage am 4. August geschlossen“, informiert die Bahn. Es passt zu diesem Land, dass dieser in über zwei Wochen nicht repariert werden konnte. Passagiere, die in Zwickau ankommen, müssen nun, neben dem Frust über die längst obligatorischen Verspätungen, auch noch damit klarkommen, dass sie nicht einmal mehr ihre Notdurft verrichten können.
Aber die Bahn weiß einen Ausweg. Anstatt auf die kaputte Bahnhofstoilette, wird man einfach auf andere Züge verwiesen, die gerade verfügbar sind! „Sie können jetzt nur auf Gleis 7 gehen, dort hat gerade eine Regionalbahn fünfzehn Minuten Aufenthalt“, erklärte eine Mitarbeiterin einem „Bild“-Reporter und gab ihm die Ermutigung: „Das schaffen Sie bestimmt“ auf den Weg.
“Das schaffen Sie bestimmt!”
Auf die Frage, wie lange dieser Zustand noch andauern soll, antwortete eine Bahn-Sprecherin: Unsere Kollegen arbeiten weiterhin daran, die technischen Mängel zu beseitigen. Einen konkreten Zeitpunkt für die Wiedereröffnung können wir noch nicht benennen.“ Auch die Installation einer mobilen WC-Anlage sei unmöglich. Was wie Satire klingt, ist in diesem Land längst bittere Realität. In einem ehemaligen Hochindustrieland kann nicht einmal mehr der Wasserrohrbruch auf einem Regionalbahnhof in einem vertretbaren Zeitraum behoben werden, sodass die Gäste tatsächlich zwischen den Zügen hin- und herspringen müssen, um pinkeln gehen zu können.
Wie größere “Geschäfte” in den stehenden Zügen verrichtet werden sollen, erklärt die Bahn offenbar nicht. Aller Erfahrung nach wäre es keine Überraschung, wenn es Jahre dauern und Millionen Euro verschlingen würde, um die Bahnhofstoilette zu reparieren, zumal wahrscheinlich auch noch ein Planfeststellungsverfahren oder anderer bürokratischer Irrsinn dafür vorgeschrieben ist. Diese neuerliche hochnotpeinliche Farce wirft jedenfalls ein Schlaglicht auf dieses Land, wie es aussagekräftiger kaum noch sein könnte. (TPL)























