Andriy Parubiy 2019 als Parlamentssprecher (Foto:Imago)
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Ermordeter ukrainischer Ex-Parlamentschef Parubij: Ein fragwürdiger „Held“

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Im Fall des am Samstag ermordeten ehemaligen ukrainischen Parlamentspräsidenten Andrij Parubij wurde inzwischen ein Verdächtiger verhaftet, der auch bereits eine Aussage gemacht hat, wie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte. Ein als Kurierfahrer verkleideter Angreifer hatte Parubij am Samstag in dessen Heimatstadt Lwiw auf offener Straße mit mindestens sieben Schüssen niedergestreckt. Er verstarb noch vor dem Eintreffen der Sanitäter. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde der Mord akribisch vorbereitet. „Der Zeitplan für die Bewegungen des Verstorbenen wurde studiert, die Route wurde festgelegt, ein Fluchtplan wurde ausgearbeitet“, teilte Selenskyj mit. Die Drahtzieher vermutet man in Russland.
1991 war Parubij einer der Mitgründer der Sozial-Nationalistischen Partei der Ukraine. 2004 war er aktiver Teilnehmer an der „Orangenen Revolution“, 2013/2014 war er für die Selbstverteidigung auf dem Maidan-Platz verantwortlich, bevor er 2014 zum Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine ernannt wurde. Von 2016 bis 2019 war er Parlamentspräsident.

Soweit die offiziellen biographischen Fakten, die nun überall berichtet werden. Parubij wird als Patriot und leidenschaftlicher Streiter für die Unabhängigkeit der Ukraine dargestellt. Ein Blick zurück auf Zeiten, in denen hierzulande noch neutral über die Ukraine berichtet wurde, zeigt jedoch eher das Bild eines skrupellosen Nationalisten mit mindestens faschistischen Anklängen. So schrieb der „Spiegel“ im April 2014: „Parubij ist Mitglied der Vaterlandspartei von Julija Timoschenko und war Mitbegründer der rechtsextremen Sozial-Nationalen Partei, aus der die heutige Swoboda-Partei hervorging. Während der Proteste in Kiew war Parubij als Kommandeur des Maidan bekannt, der eng mit dem Führer des paramilitärischen Rechten Sektors, Dmytro Jarosch, zusammenarbeitete“. Der Bericht stand im Zusammenhang mit dem Vorstoß ukrainischer Truppen in den Osten des Landes, um gegen Separatisten zu kämpfen. Nach Angaben Parubijs seien „sehr kämpferische“ Soldaten „auf dem Weg an die Front“. Nur einen Tag später schrieb der „Spiegel“, Kiew habe „in der Ostukraine einen heiklen Feldzug gestartet“. Die neue Regierung sei dort „nicht sonderlich beliebt“, der Widerstand gehe vornehmlich von Einheimischen aus.

Beteiligung auch am “Odessa-Massaker“

„Wir wollen nicht, dass die Junta in Kiew unsere Länder erobert. Sie werden uns zerstören“, wird eine Einwohnerin zitiert. Parubij wird auch vorgeworfen, maßgeblich am „Odessa-Massaker“ beteiligt gewesen zu sein, bei dem am 2. Mai 2014 insgesamt 42 pro-russische Aktivisten verbrannten. „Die Anwesenheit von Andriy Parubiy und 500 Mitgliedern der Maidan-Selbstverteidigung, die am Vorabend des Massakers von Kiew nach Odessa entsandt wurden, deutet ebenfalls darauf hin, dass die gewaltsame Auflösung des Separatistenlagers durch rechtsextreme Aktivisten von führenden Regierungsvertretern orchestriert wurde“, schreibt der kanadische Politikwissenschaftler Ivan Katchanovski. Einer der Teilnehmer habe in einer israelischen Dokumentation zugegeben, „dass er unter dem Kommando von Parubij, der den Befehl gegeben hatte, die Separatisten anzugreifen und „alles niederzubrennen“, an „Provokationen“ im Rahmen des Massakers von Odessa beteiligt war“.

Parubij war also ein brutaler Ultranationalist, der eine erhebliche Mitverantwortung für den seit 2014 tobenden Bürgerkrieg in der Ukraine ist. Das alles spielt für „Spiegel“ und Co. aber alles keine Rolle mehr. Die Ukraine ist seit 2022 ein Hort von Demokratie und Freiheit, dem um jeden Preis geholfen werden muss, die Maidan-Revolutionäre von 2014 sind alle Helden und wer etwas anderes sagt, betreibt russische Propaganda. So läuft die derzeitige Berichterstattung. Die Verbrechen Parubijs werden dabei einfach unterschlagen. Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, wie Wahrheit und Objektivität auch in diesem Krieg auf der Strecke bleiben. (TPL)

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