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AfD-Mann Jank: „Lasse mich nicht mundtot machen“

Eine der beiden Führungsfiguren des „Zentrums für Politische Schönheit“ (ZPS) droht dem Brandenburger AfD-Abgeordneten Fabian Jank erst mit Unterlassungserklärung und dann mit einer Klage. Hintergrund sind dessen Recherchen und anschließenden Veröffentlichungen zu den Geschäftsbeziehungen des ZPS-Funktionärs und einem alten Ziegeleigelände in der Lausitz, das 19 Millionen Euro aus den Mitteln für Strukturwandel erhält. Im Kern geht es um den Vorwurf, dass der sogenannte Eskalationsbeauftragte des „Zentrums“ von staatlichen Fördergeldern profitiert – und diese auch politisch einsetzt.

Ein Beitrag von EinProzent

Strukturwandel-Förderung für Berliner „Raver“

Der Name Schertz Bergmann ist unter Juristen berüchtigt: Die Berliner „Star-Anwälte“ mit Kanzleisitz am Ku’damm vertreten Mandanten wie Günther Jauch, Jan Böhmermann oder Rammstein-Sänger Till Lindemann. Oft reicht schon ihr Briefkopf, um Gegner einzuschüchtern, noch bevor ein Verfahren beginnt. Genau mit dieser Kanzlei – die schon gegen den türkischen Präsidenten Erdogan und angebliche Lindemann-Opfer prozessierte – hat der AfD-Landtagsabgeordnete Fabian Jank nun Ärger.

Auslöser sind Janks Nachforschungen zu einem Immobilienprojekt in seinem Wahlkreis: In Muckwar, einem Dörfchen mit 144 Einwohnern, entwickelt die Wilde Möhre GmbH ein ehemaliges Ziegeleigelände zum Veranstaltungsort. Geschäftsführer Alexander Dettke, Organisator des gleichnamigen Techno-Festivals im nahegelegenen Drebkau, spricht von einem „Erholungsort für erwachsen gewordene Raver“.

Das Projekt wird üppig gefördert: Allein 2024 wurden der Wilde Möhre GmbH im Rahmen des Strukturstärkungsgesetzes insgesamt 354.768,08 Euro aus Bundes- und Landesmitteln bewilligt, davon 241.607,82 Euro für das Ziegeleigelände – insgesamt wurden bereits 19 Millionen zugesagt. Eigentlich sollten diese Gelder den (negativen) wirtschaftlichen Strukturwandel der Lausitz abfedern, die nach dem Ende der Braunkohleförderung vor tiefgreifenden Umbrüchen steht. Das ergab eine Anfrage Janks im Brandenburger Landtag.

„Wir greifen jetzt an!“

Ob ein Szene-Projekt für Berliner Raver den arbeitslos gewordenen Kumpeln in Südbrandenburg tatsächlich neue Perspektiven eröffnet, ist fraglich. Noch brisanter ist aber: Jank stieß bei seinen Recherchen auf enge Verbindungen des Projekts zu Stefan Pelzer, einem der beiden Führungskader des „Zentrums für Politische Schönheit“ (ZPS). Das sind jene linken „Aktionskünstler“, die ein AfD-Verbot fordern, prominente Gesichter der Partei hinter Gittern sehen wollen, Björn Höcke auf seinem Privatgrundstück belästigten und zuletzt das ARD-Sommerinterview mit Alice Weidel störten.

Der 39-Jährige Pelzer bezeichnet sich selbst als „Eskalationsbeauftragten“ und gilt laut SPIEGEL als „organisatorischer Motor des Kollektivs“. Zuletzt machte seine Truppe mit einem umgebauten Gefangenentransporter Schlagzeilen: Ausgestattet mit einer leistungsstarken Lautsprecheranlage, dient der sogenannte „Adenauer SRP+“ als Aktionsbus für Demonstrationen und AfD-Störungen. Optisch könnte man das Gefährt auf den ersten Blick mit einem Polizeitransporter verwechseln – wären da nicht das Logo der militanten Antifa und der Slogan „FCK AFD“, die gut sichtbar auf der Frontseite prangen.

Pelzer sagte martialisch über die linksextreme RoadshowWir greifen jetzt an! Der Adenauer geht heute in seinen Regeldienst und wird in den kommenden Wochen und Monaten immer da sein, wo die Hetzer hetzen, wo die Faschisten auf Bauernfang gehen“.

Dieser Drohung ließ man Taten folgen. Im Januar 2025 blockierte der „Adenauer“ eine Zufahrt zum AfD-Bundesparteitag in Riesa – neben dem Fahrer gab Stefan Pelzer Anweisungen. Im Juli störte der ZPS-Bus das ARD-Sommerinterview mit Alice Weidel. Als Polizeikontakt fungierte erneut ein 39-jähriger Mann, der vorgab, weder Fahrer noch in der Lage zu sein, das Fahrzeug zu bewegen – womöglich ebenfalls besagter Pelzer. Immer wieder ist Pelzer da, wo der Bus auftaucht, koordiniert Aktionen und gibt öffentlichkeitswirksam Erklärungen im Namen des ZPS ab – wie hierhier und hier.

Gegen den Betreiber des „Adenauer“ wurden inzwischen Ermittlungen eingeleitet, unter anderem wegen Körperverletzung, nachdem dieser im Februar und August 2025 insgesamt 15 Polizeibeamte bei Demonstrationen verletzt haben soll. Es ist nicht das erste Mal, dass das ZPS ins Visier der Staatsanwaltschaft gerät: Bereits in der Vergangenheit wurde gegen die selbsternannten „Aktionskünstler“ ermittelt, unter anderem wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung (2019 eingestellt) oder Datenfälschung.

Profitiert das ZPS von Fördergeldern?

Stefan Pelzer ist also nicht gerade ein unbeschriebenes Blatt, sondern ein notorischer Linksextremist. Im Podcast „Logbuch: Netzpolitik“ erklärte er zur Finanzierungshistorie des ZPS: „Wir waren ganz am Anfang bei Kulturförderung und haben dort Gelder abgegrast, wo es halt ging.“ Allerdings werde die Zahl der Theater, die mit der Gruppe zusammenarbeiten wollen, immer weniger. Pelzer bedauert: „(…) subversive Kunst ist etwas, das man nicht dauerhaft über den Staat finanziert kriegt.“ Daher sei man auch auf Spenden angewiesen. Wie es scheint, wäre es ihm allerdings am liebsten, wenn seine rechtlich fragwürdigen Antifa-Aktionen auch noch vom Steuerzahler berappt würden.

Nun also taucht ausgerechnet dieser Mann – laut Jank – im Zusammenhang mit dem staatlich geförderten Ziegelei-Projekt der „Wilden Möhre“ auf. Deren Geschäftsführer Dettke schwärmt: „Ein großes Glück ist die Kooperation mit Stefan Pelzer (…) und seinen Veranstaltungen“.

Pelzer, auch im privaten Leben als Busunternehmer und als „Veranstalter von Reisen und Kulturveranstaltungen“ aktiv, betreibt auf dem Gelände eine eigene Firma – deren Bevollmächtigter wiederum Dettke ist. Dettke und Pelzer sind finanziell und über das geförderte Projekt verbunden. In einem YouTube-Video des Projekts spricht Pelzer so, als ob die Ziegelei ihm gehören würde: „Wenn ich jetzt in Berlin herumlaufe und sage: Ah, ich hab‘ da so eine Fabrik in Brandenburg (…), wer hat Bock mit aufzuräumen?“ Pelzer philosophiert außerdem darüber, dass auf dem Gelände später auch Vorträge und Kongresse stattfinden könnten und präsentiert Teilvorhaben des Umbaus. Er führt aus, er und der Eigentümer Dettke hätten eine Zeit lang „permanent auf dem Platz gelebt“. Weiter bezeichnet er das Gelände sogar als „unser eigenes Gelände“ und kündigt an: „Ich werd‘ vermutlich auch für einige Jahre hier eine ziemlich wichtige Rolle spielen, fürchte ich (…).“

Kurzum: Er stellt sich als Gestalter dar statt als passiver Teilhaber. Genau das bestreitet Pelzer jetzt und will Jank untersagen, das mit Millionen geförderte Projekt mit ihm in Verbindung zu bringen.

Dabei stellte Pelzer erst im August 2025 mit seinem Busunternehmen wieder den Shuttleservice zum Festivalgelände der „Wilden Möhre“ – in welches ebenfalls staatliche Fördermittel fließen, wie die Anfrage im Brandenburger Landtag beweist.

Für den AfD-Landtagsabgeordneten Fabian Jank steht deshalb der Verdacht im Raum, dass ortsfremde Linksextremisten von Strukturwandel-Mitteln profitieren könnten, die eigentlich den Lausitzern zugutekommen sollen. Schließlich ist der offizielle Zweck dieser Programme, „Arbeitsplätze zu schaffen und junge Menschen zu halten oder zurückzugewinnen“.

Auf X schrieb er:

PostJankWildeMoehre

Pelzer bestreitet Verbindungen

Die Reaktion kam prompt: Die Kanzlei des ZPS-Mannes schickte Jank eine Unterlassungsaufforderung. Er solle die Beiträge über ihren Mandanten Stefan Pelzer und die „Wilde Möhre“ löschen. Pelzer stehe „mit einem derartigen Projekt in keinerlei Zusammenhang“ und habe auch nicht „den Bus gefahren, mit dem das Sommerinterview von Alice Weidel gestört wurde“, heißt es in dem Schreiben, das „Ein Prozent“ vorliegt. Angesichts der gut dokumentierten Fakten wirkt diese Verteidigung gelinde gesagt ziemlich wacklig.
Konkret heißt es vom Anwalt des ZPS-Funktionärs:

Sie behaupten darin der Wahrheit zuwider und ohne jede Tatsachengrundlage, mein Mandant sei ‚mit an Bord‘ bei einem angeblichen mit öffentlichen Fördergeldern geförderten Projekt mit dem Namen ‚Erholungsort für erwachsen gewordene Raver‘. Diese Behauptung ist schlicht falsch. Mein Mandant steht anders als von Ihnen behauptet mit einem derartigen Projekt in keinerlei Zusammenhang. Auch die Behauptung, er ‚profitiere‘ von 355.000 EUR Strukturwandel-Förderungen ist mithin schlicht erfunden.“

Offenbar mögen es die „Aktionskünstler“, die allzu gerne politische Gegner anprangern und ihnen bis in die persönlichsten Lebensbereiche nachstellen, gar nicht, wenn der Spieß einmal umgedreht wird. Wir erinnern an dieser Stelle an das Stalking gegen AfD-Politiker Björn Höcke im Rahmen der Aktion „Holocaust-Mahnmal vor Höckes Haus“. Auf Einwände, dass das ZPS sich hier Stasi-Methoden bediene, entgegnete Frontmann Philipp Ruch seinerzeit: „Gegen Nazis wenden wir nur Nazi-Methoden an.“ Nervös scheint man vor allem deshalb zu sein, weil Jank, anders als viele AfD-Politiker zuvor, nicht den ZPS-Chef Ruch in den Fokus nimmt – sondern den weniger bekannten Organisator Pelzer, laut SPIEGEL einer der beiden Köpfe des ZPS und dessen geschäftliche Machenschaften.

19 Millionen für linke Ideologien

Das Projekt „Wilde Zukunft“ hat Gelder aus den Strukturentwicklungs­mitteln für die Lausitz beantragt. Das Projekt mit der Wilde Möhre GmbH als Antragssteller bekommt unglaubliche 19,1 Millionen Euro Fördermittel aus dem Strukturwandeltopf. Fünf Millionen Euro sind für das Wilde-Möhre-Festival in Göritz/Drebkau vorgesehen, weitere 14 Millionen für die Umnutzung der alten Ziegelei in Muckwar/Altdöbern.

Eigentlich sollten diese Millionen der Lausitz, ihren Menschen und ihrer Zukunft zugutekommen. Doch ein Blick in das Programm des diesjährigen Festivals (22. bis 25 August 2025) zeigt, welche Ideologien hier mit öffentlichen Geldern gefördert werden.

Dort gibt es unter anderem Veranstaltungen zu Themen wie „Critical Whiteness – Ein Blick auf Weißsein“, zu „Digitalem (De-)Kolonialismus“ oder „Männlichkeit? Lass mal drüber reden!“. Auch Aktivismus und „transformatives Organizing“, also der Aufbau linker Strukturen, stehen im Mittelpunkt: „Wir schauen uns gemeinsam an, wie Machtaufbau von unten funktionieren kann und was es dafür braucht. Wie können wir uns langfristig engagieren? Wie können wir inklusive Bewegungen aufbauen? Wie können wir ganz wortwörtlich ,mehr werden‘?“ Daneben findet sich ein Workshop über das sexuelle Ich: „In diesem Workshop erkunden wir gemeinsam mit euch das sexuelle Ich mit Tanz- und Theaterimpro, aber auch meditativ und körperlich.“Ebenfalls Themen, das Erstarken rechter Strukturen und feministische Theorie.

Dies ist nur ein kleiner Auszug des mit unfassbaren 19 Millionen Euro geförderten Treibens im Projekt „Wilde Zukunft“. Gelder, die an anderer Stelle in der Lausitz fehlen, um den Strukturwandel voranzutreiben, Arbeitsplätze zu sichern und Familien eine Perspektive zu geben. Die aktuelle Auseinandersetzung kann nur ein Anfang sein. Es liegt an Jank und den verantwortlichen Kommunalpolitikern, genau hinzusehen, was hier mit öffentlichen Geldern betrieben wird. Gerade, weil die Stadt Drebkau und das Amt Altdöbern als Projektträger auftreten, die die Wilde Möhre GmbH mit der Projektdurchführung beauftragt haben.

Kulturpolitik als linkes Einfallstor

„Wir wissen aus den Erfahrungen mit der Kulturpolitik, dass diese oft das Einfallstor für linke Raumnahme ist“, kommentiert Jank. „Denken wir zum Beispiel an die ehemals besetzten Häuser, die durch Städte und Kommunen legalisiert wurden und heute Rekrutierungsbasen der gewaltbereiten Antifa sind.“ Ein anderes Beispiel seien die Fußball-Fanprojekte der 1980er-Jahre, in deren Folge zahlreiche Fankurven „nach links gekippt“ seien: „Oftmals kommen solche Initiativen anfänglich ganz harmlos daher – nicht selten mit öffentlichen Geldern ausgestattet und von naiven Landespolitikern geduldet.“

In der Lausitz, so Jank, sei man deshalb besonders wachsam, wenn sich „Berliner Linksextremisten bei uns einnisten wollen und direkt oder indirekt von staatlichen Fördergeldern profitieren könnten“ – besonders, wenn das anscheinend deren erklärte Strategie sei.

An die Betreiber der „Wilden Möhre“ richtete er sich direkt: „Niemand hat ein Problem mit alternativen Musik- und Kulturveranstaltungen. Wo aber knallharte Linksextremisten wie Stefan Pelzer ins Spiel kommen, werden wir ganz genau hinschauen, was dort eigentlich passiert und in wessen Tasche staatliche Fördergelder am Ende landen.“

Von juristischen Drohgebärden will sich Fabian Jank daher nicht beeindrucken lassen: „Als direkt gewählter Abgeordneter bin ich einzig und allein meinen Wählern verpflichtet. Deshalb lasse ich mich weder einschüchtern noch mundtot machen – auch nicht von einer teuren Promi-Kanzlei.“

Fest steht: Die Frage nach den Netzwerken und der Finanzierung des „Zentrums für Politische Schönheit“ sollte die AfD und alternative Medien auch künftig beschäftigen – im Bundestag wie in den Ländern.

Foto: Wikipedia/Tobias Klenze/CC-BY-SA 4.0

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