Eine Satire mit Tagesbezug
Berlin dreht durch und warnt vor Bakterien auf Euro-Scheinen. Sie wandern beim Tanken, beim Einkaufen, im Bordell, im Klingelbeutel und im Restaurant von Hand zu Hand. Niemand weiß, ob sich alle die Hände gewaschen haben, bevor sie einen Schein anfassen. Der Gedanke wirkt unappetitlich und eignet sich deshalb bestens für Politik.
Neue Testgeräte an Supermarktkassen
Echtheitsprüfungen gehören längst zur Routine an der Kasse. Jetzt folgt ein Zusatzgerät. Oleomat heißt der Kasten in Schuhkartongröße. In fünf Sekunden meldet die Technik, ob eine Banknote kontaminiert ist. Die Sensoren reagieren auf Spuren von Toilettengängen, Niesen und Schneuzen usw. Millionen Keime, neuerdings aus aller Welt, reisen so huckepack durchs Land. Falls der Schein anschlägt, nimmt die Kasse ihn zwar als Zahlungsmittel an. Der Betrag wird gebucht, aber er wandert sofort in einen versiegelten Sicherheitsbehälter gleiten. Die Banknote verlässt damit den Umlauf und wartet auf die fachgerechte Entsorgung. Politische Hygiene wird Teil unseres Alltags und Keimfreiheit zur Tugendnote.
Currywurst, Döner und Bakterien
Am Stehimbiss wechselt ein Zehner die Hand. Im nächsten Griff landet dieselbe Hand am Brötchen. Der Appetit vergeht dem Esser noch nicht. Eine breite Aufklärung zur Bargeldhygiene hat gefehlt. Die Krankheitskosten zeigen seit Jahren eine steigende Kurve. Zunge, Rachen und Gedärme melden sich. Ungewohntes Kleingetier fühlt sich eingeladen. In der Debatte um die Abschaffung von Bargeld wird das Thema neu entdeckt. Wer Karte zückt, gilt als modern. Wer Scheine nutzt, soll desinfizieren.
Versagen bei Überweisungen
Nun der Praxistest außerhalb der Kasse. Wenn der AfD-Co-Chef einer Schule viertausend Euro spendet, geraten IBAN und BIC nicht technisch ins Stottern, sondern moralisch. Das Banksystem kennt noch keine Duftnote. Der Betrag landet auf dem Konto. Die Buchungszeile stimmt exakt. Die Kinder der Schule profitieren unmittelbar. Die Empörungsmeute sucht nach einem Geruch und erklärt die Spende zum Risiko.
Pecunia non olet, Bad Muskau
Am Ende bleibt der Satz des Bürgermeisters Thomas Krahl von der CDU. Geld stinkt in diesem Fall nicht. Es geht um die Kinder. Die Schule weiß es heute, warum Sprachförderung nicht ausfällt. Der Dank an den Spender erfolgte sachlich. Im Klassenzimmer erscheinen keine Logos. Keine Rede im Unterricht. Das Geld ging an den Schulträger. So bleibt die Armlänge gewahrt. Und die Lage vor Ort wirkt eindeutig: Bei der Bundestagswahl 2025 kam die AfD in Bad Muskau bei den Erststimmen auf 51,1 Prozent. Wer hier noch einen Skandal wittert, riecht nicht an Scheinen, sondern an sich selbst.























