Eine im Fachmagazin „Nature“ veröffentlichte Studie will anhand der Untersuchung des aus Knochen verschiedener Grabstätten im heutigen Kroatien, Polen, der Ukraine und Ostdeutschland gewonnenen Erbgutes herausgefunden haben, dass es genetische Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen gibt. Aus den Daten gehe nun hervor, dass sich ab dem sechsten Jahrhundert nach Christus durch umfangreiche Migrationsbewegungen vor allem Menschen slawischer Abstammung in Mittel- und Osteuropa ausgebreitet hätten. Dadurch habe sich die genetische Zusammensetzung der Bevölkerung in vielen Regionen fast vollständig verändert – natürlich besonders in Deutschland. Menschen, deren Vorfahren seit mehreren Generationen im Bereich der ostdeutschen Bundesländer leben, haben laut der Studie ein Erbgut mit rund 50 Prozent slawischer Herkunft, die andere Hälfte gehe auf deutschsprachige Einwanderer ab dem Hochmittelalter zurück. Unter „slawisch“ verstehen die Forscher kein einzelnes Volk, sondern verschiedene Gruppen aus dem heutigen Belarus und Teilen der nördlichen Ukraine.
„Es gibt eine klare genetische Demarkationslinie, die in Mitteldeutschland ungefähr entlang der Elbe und Saale verläuft“, erklärte Johannes Krause, Direktor am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und einer der leitenden Autoren der Studie gegenüber dem „Spiegel“. In Westdeutschland liege „der slawische Anteil im unteren einstelligen Bereich und damit viel niedriger“. Die slawischen Gruppen hätten „den genetischen Stammbaum Europas“ viel stärker als bisher angenommen geprägt, so Krause weiter. In Russland, Polen oder Kroatien würde der Anteil der slawischen Signaturen im Erbgut noch heute 50 bis 80 Prozent betragen. Dieser Prozess sei jedoch keinesfalls als eine Eroberung dieser Gebiete zu verstehen, betont man. Statt wie damals oft üblich, seien nicht nur Krieger, sondern ganze Familien und Gruppen gekommen, die gemeinsam mit der Bevölkerung flexible Gemeinschaften aufgebaut hätten. Bei den Deutschen habe es sich schon immer um einen „wilden Mix“ gehandelt. Man müsse sich daher bewusst werden, dass es „keine homogene urdeutsche Abstammung gibt“, so Krauses Fazit.
Hier gelten die Argumente gegen Sarrazin plötzlich nicht…
Die tagespolitische Absicht dieser Studie ist natürlich mit Händen zu greifen. Migration soll grundsätzlich als etwas Wunderbares und Bereicherndes dargestellt werden, das es schon immer gegeben habe. Ferner soll der Eindruck vermittelt werden, dass es im Grunde noch nie etwas „Urdeutsches“ gegeben habe, sondern die Deutschen ein Volk sind, das nur durch Migration entstanden ist. Und gerade die millionenfach AfD-wählenden Ostdeutschen sollen sich gefälligst nicht so viel auf ihre angebliche deutsche Herkunft einbilden, da gerade ihre Länder am stärksten von slawischer Migration betroffen waren. Das alles schwingt hier überdeutlich mit.
Zum anderen fällt auf, mit welcher Selbstverständlichkeit hier plötzlich Begriffe wie „Erbgut“ und „Genetik“ verwendet werden, denen sonst sofort der Ruch des Rassismus und der weißen Überlegenheit übergestülpt wird. Allein Thilo Sarrazin kann ein Lied davon singen, der vor 15 Jahren medial auch deshalb hingerichtet wurde, weil er in seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ die genetische Herkunft von afrikanischen und arabischen Migranten thematisierte, um aufzuzeigen, dass nicht alle Kulturen gleich und beliebig miteinander kompatibel sind. Wenn es jedoch darum geht, gegenteilige Behauptungen aufzustellen, spielt all das keine Rolle mehr. Es ist also offensichtlich, welche Ziele mit dieser Studie und ihrer medialen Begleitung verfolgt werden. (TPL)























