Neulich im Ersatzteillager (Foto: chainarong06/Shutterstock)
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Wiederholter Anlauf zur Widerspruchslösung: Oder, wenn der Staat an die Organe seiner Bürger will

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Im Bundestag läuft derzeit ein neuer Anlauf zur Einführung der Widerspruchslösung bei der Organspende. Das Prinzip: Jeder Bürger gilt automatisch als Spender – solange er nicht ausdrücklich widerspricht. Wer also vergisst oder zu bequem ist, aktiv Nein zu sagen, dessen Körper wird im Todesfall zur staatlich verwalteten Ersatzteilbank erklärt. Mit grauenhaften Konsequenzen.

Unterstützt wird der Gruppenantrag zur Einführung der Widerspruchslösung bei der Organspende von Abgeordneten aller Altparteien. Sie argumentieren- ganz im Sinne der Medizinindustrie – dass so die Zahl der verfügbaren Organe erhöht und Menschenleben gerettet werden könnten. Kritiker betonen hingegen, dass hier Freiheit und Selbstbestimmung des Einzelnen auf dem Spiel stehen. So lehnt die AfD die Widerspruchslösung klar ab. Sie sieht darin einen direkten Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht: Schweigen könne nicht automatisch als Zustimmung gewertet werden. Die Partei warnt davor, Bürger zu „menschlichen Ersatzteillagern“ zu degradieren, und fordert stattdessen Aufklärung, Transparenz und echte Freiwilligkeit.

Was bislang gilt

In Deutschland herrscht derzeit die Zustimmungslösung: Organe dürfen nur dann entnommen werden, wenn der Betroffene zu Lebzeiten aktiv eingewilligt hat – etwa per Organspendeausweis oder über das seit 2024 verfügbare Online-Register. Ein erster Versuch, die Widerspruchslösung einzuführen, scheiterte 2020. Stattdessen kam das Gesetz zur „Stärkung der Entscheidungsbereitschaft“ durch: Bürger sollen regelmäßig informiert und zur Entscheidung ermutigt werden, ohne dass automatisch ein Zwang entsteht.

Milliardenmarkt Mensch

Zuständig für die gesamte Abwicklung ist die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO). Sie koordiniert Krankenhäuser, Transplantationszentren und Krankenkassen. Organspende ist längst ein milliardenschweres Geschäft:

  • Für eine Organentnahme kassieren Krankenhäuser knapp 8.000 Euro.
  • Der Transport eines Organs bringt durchschnittlich 13.650 Euro.
  • Die Verwaltungspauschale der DSO beträgt 15.595 Euro.
  • Für den Transplantationsbeauftragten kommen 15.134 Euro hinzu.

Noch bevor ein Organ transplantiert wird, summieren sich die Kosten auf über 42.000 Euro. Eine Lebertransplantation verursacht im Schnitt 155.000 Euro. Hinter jeder Spende steckt also ein massiver finanzieller Anreiz.

Hirntod – der verordnete Tod

Damit Organe verwertbar sind, müssen sie einem Körper entnommen werden, dessen Funktionen noch aktiv sind. Deshalb gilt in der Transplantationsmedizin der Hirntod als Todesdefinition. Doch das ist höchst umstritten: Ein hirntoter Mensch ist kein Leichnam – Herzschlag, Kreislauf und Organe funktionieren. Jährlich werden Fälle bekannt, in denen die Diagnose fehlerhaft war, selbst bei Kindern. Ärzte warnen, dass Betroffene während der Entnahme unter Umständen Schmerzen empfinden könnten.

Wussten Sie schon …?
Was bei „normalen“ Operationen als Schmerzreaktion des Patienten gewertet wird, wird beim Organspender während der Organentnahme als nicht relevant angesehen. Denn der Organspender gilt als „tot“. Beim Aufschneiden seines Körpers vom Hals bis zum Schambein kommt es jedoch in vielen Fällen zu Blutdruck-, Herzfrequenz- und Adrenalinanstieg. In Deutschland sind bei einer Organentnahme nur muskelentspannende Präparate vorgeschrieben, nicht aber Schmerzmittel oder gar eine Vollnarkose.

Seit 2022 kommt zudem in Krankenhäusern die Software DETECT zum Einsatz, die potenzielle Spender frühzeitig identifizieren soll. Der Druck, keinen Organspende-„Kandidaten“ zu verpassen, wächst.

Zell-Gedächtnis und Identität

Wenig beachtet, aber brisant sind die Veränderungen bei Empfängern. Zahlreiche Berichte zeigen: Menschen übernehmen nach einer Transplantation Eigenschaften ihrer Spender – neue Vorlieben, Ängste oder sogar Erinnerungen. Forscher sprechen vom zellulären Gedächtnis. Das Herz besitzt ein eigenes Nervensystem, das Informationen speichern könnte. Offiziell wird das als Fantasie abgetan – doch die Zahl dokumentierter Fälle wächst.

Initiative KAO – kritische Aufklärung

Eine der wichtigsten Gegenstimmen ist die Initiative KAO – Kritische Aufklärung Organspende. Gegründet wurde sie von Eltern, die ihre verunglückten Kinder zur Organspende freigegeben hatten – und diese Entscheidung später bitter bereuten. Erst nach den Beerdigungen begriffen sie, dass ihre Kinder nicht „tot“ im üblichen Sinn waren, sondern in ihrem Sterbeprozess durch die Organentnahme brutal unterbrochen wurden.

KAO veröffentlicht Erfahrungsberichte und Videos von Angehörigen, die schildern, wie traumatisch eine Organentnahme sein kann. Viele beschreiben das Geschehen rückblickend wie das Ausschlachten eines Autowracks. Ziel der Initiative ist es, andere Familien davor zu bewahren, in einer Extremsituation unvorbereitet und unter Druck eine Entscheidung zu treffen, die sie später nicht mehr rückgängig machen können. Auf der Website initiative-kao.de
finden sich ausführliche Informationen zu medizinischen, rechtlichen und ethischen Fragen, die in staatlichen Kampagnen meist verschwiegen werden.

Organspende kann Leben retten – doch sie darf niemals zur stillschweigenden Pflicht werden. Jeder Bürger hat das Recht, frei und gut informiert zu entscheiden. Wer spenden möchte, soll das tun. Wer nicht spenden möchte, muss sich darauf verlassen können, dass der Staat diese Entscheidung respektiert. Denn eines ist sicher: Der Staat hat kein Anrecht auf den Körper und die Organe seiner Bürger. Wer zu doof ist – oder einfach vergisst – zu widersprechen, darf nicht ausgeschlachtet werden.

Was eine Organentnahme für denjenigen bedeutet, dessen Organe explantiert werden, wissen die Wenigsten. Deshalb ist es unerlässlich, sich im Detail mit den Abläufen vor und während einer Organentnahme zu befassen.

(SB)

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