Nach etwas über anderthalb Jahren liegt die Werteunion, die sich als konservative Alternative zwischen Union und AfD etablieren wollte, endgültig in Trümmern. Der ehemalige AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen erweist sich auch in der Werteunion als notorischer Spalter und fordert Werteunion-Chef Hans-Georg Maaßen nun zum Rücktritt auf, wobei er offenbar eine knappe Mehrheit im elfköpfigen Parteivorstand hinter sich hat. Als Begründung für ihre Forderung nennen sie Maaßens „autokratischen Führungsstil“ und eine zu große „Nähe zur AfD“, wie es in einem Schreiben an die 1.400 Parteimitglieder heißt. Die enge Zusammenarbeit Maaßens mit dem „bekannten Rechtsextremisten“ Erik Ahrens habe das Fass jedoch endgültig zum Überlaufen gebracht. „Nach unserem Dafürhalten ist ein Rücktritt des Vorsitzenden die einzige Möglichkeit, die Glaubwürdigkeit der Werteunion aufrechtzuerhalten“, heißt es weiter. Die Werteunion habe ihre Daseinsberechtigung verloren, wenn sie auf die Rolle des „Steigbügelhalters“ für die AfD reduziert werde.
Zugleich betont man aber im nächsten Satz, jede Brandmauer abzulehnen und viele Ziele mit der AfD zu teilen. Er sei nicht aus der AfD ausgestiegen, um in einer Partei die offene Tolerierung von Rechtsextremismus zu erleben. „Das ist nicht tragbar und muss Konsequenzen haben“, empörte sich Meuthen. Bereits vor einem Monat hatte er beklagt, mit vielen Mitgliedern im Parteivorstand „nicht mehr vertrauensvoll zusammenarbeiten“ zu können, da sie einen „Putsch und eine Machtübernahme“ gegen ihn betreiben würden.
“Inakzeptabel und schockierend”
Gegenüber „Bild“ erklärte Maaßen, er habe in der Vergangenheit mit verschiedenen Social-Media-Experten produziert. „Auf die politische Ausrichtung dieser Leute nahm ich keine Rücksicht, sondern auf deren professionelle Expertise.“ Ahrens sei ihm wegen seiner Erfolge mit TikTok-Videos empfohlen worden. Er habe mit ihm im Sommer 2024 drei Termine gehabt, dabei seien rund zehn TikTok-Videos entstanden. Dass Ahrens sich selbst als Neonazi verstanden habe, sei ihm nicht bekannt gewesen. „Seine jetzt mir bekannten Äußerungen halte ich für völlig inakzeptabel und bin darüber schockiert“, so Maaßen. Er sei zum Rücktritt bereit, wenn auch Meuthen und seine ebenfalls mit ihm zerstrittene Ex-Vertraute Sylvia Pantel diesen Schritt gehen würden.
Hinzu kommen die Auseinandersetzungen zwischen Maaßen und dem Verein WerteUnion, der neben der gleichnamigen Partei existiert und dessen Vorsitzender er ebenfalls ist. Dort leisten sich Maaßen und ehemalige führende Mitglieder wie Simone Baum und Kay-Achim Schönbach mit ihm eine langanhaltende Schlammschlacht. Dieses peinliche Hickhack bestätigt den von Anfang an gehegten Verdacht, dass das Konstrukt Werteunion nicht lebensfähig sein wird. Maaßen ist offenbar unfähig, integrierend zu wirken und Meuthen scheint nicht existieren zu können, ohne zu spalten und sich zu profilieren. Was sich hier zusammengefunden hat, passte von Anfang nicht zusammen. Nun wird es von den Eitelkeiten einiger älterer Herren auf offener Bühne völlig zerlegt und hat endgültig jede Glaubwürdigkeit verloren. (JS)























