Skandal-Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (Quelle: Bundesregierung /picture alliance / Jörg Carstensen)
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Weimers Abgründe: Der Skandal um den Kulturminister weitet sich immer mehr aus

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Der Druck auf Kulturstaatsminister Wolfram Weimer in der Affäre um unzählige Namen, die auf seinem Portal „The European“ als Auroren gelistet wurden, obwohl lediglich Reden oder andere öffentlich zugängliche Versatzstücke von ihnen verwurstet wurden, steigt immer weiter. Dass Weimer die Dummdreistigkeit besaß, der Öffentlichkeit vorzugaukeln, auf seinem Nischenmedium würde ein Autorenspektrum von Alice Weidel über Oskar Lafontaine und Alexander Dobrindt bis hin zu Brad Pitt und Papst Franziskus (!) publizieren, sagt schon alles. Die angeblichen Beiträge des österreichischen „Plagiatsjägers“ Stefan Weber wurden- natürlich ohne dessen Wissen- einfach von seinem Blog heruntergeladen. Dabei ist der „European“ dermaßen irrelevant, dass all dies jahrelang niemandem aufgefallen ist, bis der Journalist Alexander Wallasch, der einst selbst beim „European“ schrieb, letzte Woche den Skandal aufdeckte. Daraufhin löschte man fieberhaft die verfänglichen Texte und Autoren. Weimer schämte sich nicht, die Verantwortung auf seine Frau abzuwälzen, die urplötzlich im Impressum auftauchte, ebenso wie der Journalist Ansgar Graw. Von beiden war am Samstag noch nichts zu lesen. Bis dahin war allein die Weimer Media Group aufgeführt. In einer ungeheuerlichen Stellungnahme unter dem Titel „Veröffentlichung von Politiker-Äußerungen ist ein guter Beitrag für die demokratische Kultur“, versuchte Weimer gestern, sich zu rechtfertigen und den Spieß umzudrehen: Weidels Vorwurf des Textdiebstahls weist man „klar zurück“. Der „European“ sei ein „kuratiertes Debattenmagazin“. Neben journalistischen Texten und Originalbeiträgen habe das Portal vor allem wichtige Reden oder Pressemitteilungen von Spitzenpolitikern der im Bundestag vertretenen Parteien mit Quellenangaben dokumentiert.

Dies sei „ein guter Beitrag für die demokratische Kultur, weil die Willensbildung des Parlaments und der Politik so einem breiten Publikum zugänglich gemacht wurde“, heißt es mit atemberaubender Frechheit. Wenn einzelne Beiträge von Weidel und anderen nicht mit ordentlichen Quellenangaben veröffentlicht worden seien, seien das „handwerkliche Fehler“, die man bedauere. Die Presse müsse nach Urheberrecht nicht um Erlaubnis fragen, wenn sie etwa öffentlich gehaltene Reden über Tagesfragen abdrucke. Wer in diesem Rahmen von Textdiebstahl schreibe, attackiere die Pressefreiheit, heißt es weiter. In den Jahren seit 2015, als Weimers Unternehmen den „European“ übernahm, sei es zu keiner Kritik an diesen Texturen gekommen.

Logisch: „Rechte Kampagne“ ist wieder mal schuld

Politiker, die so mit ihren Meinungen im „European“ erschienen seien, hätten sich „über diese überparteiliche Bühne regelmäßig gefreut, und sie häufig mit eigenen Weiterverlinkungen verbreitet und zuweilen neue angeboten“, wird behauptet -dabei wussten vermeintliche Autoren wie Weidel oder Dobrindt gar nichts von ihrem Privileg, beim „European“ zu erscheinen! Am Ende wird dann geraunt: „Dass nun plötzlich diese Alt-Publikationen von der AfD infrage gestellt werden, scheint eher politischen als sachlichen Motiven zu folgen. Es wirkt auf uns wie eine Kampagne rechter Kreise aufgrund von Wolfram Weimers Kritik an den amerikanischen Tech-Konzernen auf der Buchmesse“.

Klar, genau darauf hat man jetzt noch gewartet: wieder mal sind die bösen Rechten. Bereits am Samstag wurde behauptet, der „European“ werde „seit einigen Tagen von Rechtsaußen publizistisch attackiert“. Hier wird die eigentlich vor allem von Linken so gern genutzte Taktik angewandt, Kritiker kurzerhand als „Rechte“ einzuordnen und sich selbst als Opfer von deren finsteren Kampagnen zu inszenieren. Tatsache ist, dass Weimer jahrelang den falschen Eindruck vermittelt hat, auf seinem Portal würde regelmäßig die große Welt publizieren. Dies war aber nicht der Fall. Man bediente sich einfach bei öffentlich zugänglichen Quellen und tat so, als hätten die betreffenden Personen von sich aus beim „European“ geschrieben. Es wurde gezielt eine falsche Fassade aufgebaut, die wohl vor allem dazu diente, den von der Weimer Group veranstalteten Ludwig-Ehrhardt-Gipfel am Tegernsee zu bewerben, der auch noch als das „deutsche Davos“ angepriesen wird. Wer daran teilnehmen will, muss für ein Ticket zwischen 935 und 2.595 Euro bezahlen. In einer funktionierenden Demokratie wäre Weimer bereits seines Amtes enthoben. In „unsererDemokratie“, in der es keine politische Verantwortung mehr gibt und das politisch-mediale Kartell eisern zusammenhält, stehen die Chancen des Freundes von Bundeskanzler Friedrich Merz aber gut, dass die Affäre irgendwie ausgesessen wird und Weimer sich weiterhin zum obersten Bildungsbürger und Moralapostel aufwerfen darf. Auch das wird dazu beitragen, den Menschen die Augen darüber zu öffnen, was in diesem Land vorgeht.

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