Letzte Woche wiederholte Bundeskanzler Friedrich Merz, seine Regierung wolle „die stärkste konventionelle Armee in Europa aufbauen“. Bereits in seiner Regierungserklärung im Mai hatte er dies angekündigt. In Anbetracht des erbärmlichen Zustands der Bundeswehr und des ganzen Landes ist dies natürlich völlig absurd. Die deutsche Armee ist nicht einmal mehr in der Lage, ihre eigenen Kasernen zu bewachen und gab allein 2024 insgesamt 666 Millionen Euro (!) für private Sicherheitsdienste aus. Die Absicherung der „bewachungsrelevanten Liegenschaften der Bundeswehr durch zivile Sicherheitsfirmen“ sei derzeit die „wirtschaftlichste Option“, erklärte das Verteidigungsministerium im März.
Dieses desolate Bild wurde auch durch den gestrigen geradezu slapstickartigen Vorfall bei einer Bundeswehr-Übung im bayerischen Erding untermauert, bei dem einem das Lachen jedoch im Hals steckenbleibt. Rund 500 Soldaten sollten bei der Operation „Marshal Power 2025“ für Bedrohungen hinter einer fiktiven Frontlinie, im sogenannten „rückwärtigen Raum“, trainieren, etwa gegen Drohnen, Sabotage oder „irreguläre Kräfte“. Es handele es sich um eine der größten und komplexesten Übungen in Bayern der vergangenen Jahre, hieß es im Vorfeld. Eine Woche wurde dafür veranschlagt.
Um ein Haar tödlich geendet
Dabei sollte auch das Zusammenwirken mit zivilen Einsatzkräften wie Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften geübt werden. Das Großmanöver hätte jedoch um ein Haar tödlich geendet. Zunächst riefen Anwohner die Polizei, weil sie vermummte und bewaffnete Gestalten umherschleichen sahen. Daraufhin wurde ein Großaufgebot, einschließlich Spezialeinsatzkommando (SEK) und Hubschrauber, in Bewegung gesetzt. Die Feldjäger der Bundeswehr hielten dies wiederum für den im Manöverablauf vorgesehenen „feindlichen“ Angriff und eröffneten das Feuer mit ihren mit Platzpatronen geladenen Waffen.
Die sich nun natürlich ihrerseits angegriffen wähnenden Polizisten schossen zurück – allerdings nicht mit Platzpatronen. Wie durch ein Wunder gab es keine Toten oder Schwerverletzten. Ein Soldat wurde durch einen Streifschuss im Gesicht verletzt und ins Krankenhaus gebracht.
Polizisten für Übungsteilnehmer gehalten
„Wir gehen davon aus, dass die Bundeswehr hier bei einer Übung unterwegs war und man die Polizisten hier für Übungsteilnehmer gehalten hat, was sie aber de facto nicht waren. Gleichzeitig war der Polizei zu dem Zeitpunkt nicht bewusst, dass es sich hier nicht um mögliche böse Menschen, sondern um übende Soldaten handelt“, erklärte Polizeisprecher Andreas Aichele. Die Bundeswehr-Großübung „Marshal Power“ sei der Polizei insgesamt bekannt gewesen. Allerdings sei für den Mittwoch an dieser Stelle in Erding keine Übung angekündigt gewesen. Die örtliche Polizei sei auch nicht daran beteiligt gewesen. Die Übung war nach Angaben der Bundeswehr mit den Kommunen und Behörden abgestimmt. Nun laufen Ermittlungen, wie es zu dieser peinlichen und beinahe tragischen Panne konnte.
Dieser Vorfall ist typisch für dieses einerseits überbürokratisierte, anderseits dysfunktionale Land, in dem zwar alles zwanghaft geregelt wird, aber trotzdem -oder deswegen- die linke Hand nicht mehr weiß, was die rechte tut. Diese Schlamperei hätte viele Menschen das Leben kosten können. Sie ist das Abbild eines Landes, dessen Führung sich in Großmachtphantasien suhlt, während sie nicht einmal mehr in der Lage ist, die eigene Bevölkerung zu schützen und die eigenen Sicherheitskräfte davor zu bewahren, sich gegenseitig umzubringen – und das auch noch bei einer Übung, die die Bekämpfung eines Sabotageangriffs im Inland simulieren sollte. Dafür braucht es jedoch keinen äußeren Feind mehr, da niemand Deutschland gründlicher sabotieren könnte, als die eigenen Eliten.























