Einmal mehr in seiner Bedeutungslosigkeit bestätigt: Wadephul (Foto:Imago)
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Totalblamage: Niemand Wichtiges in Peking will mit Wadephul reden – China-Reise abgesagt

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Der Eklat um den kurzfristig abgesagten China-Besuch von Außenminister Johann Wadephul zeigt mit bisher beispielloser Deutlichkeit, welche völlige Irrelevanz Deutschland in der Weltpolitik erreicht hat. Am Sonntag wollte Wadephul zu einer mehrtägigen Reise ins Reich der Mitte aufbrechen. Es wäre der erste Besuch eines Mitglieds der schwarz-roten Regierung gewesen. Allerdings hat man auf chinesischer Seite wenig Interesse daran. Außer einem Pflichttermin bei Wadephuls Amtskollegen Wang Yi bot man schlicht „keine hinreichenden weiteren Termine“ an, wie das Auswärtige Amt mitteilte. Deshalb verschiebe man die Reise „auf einen späteren Zeitpunkt“. Dabei gebe es doch „gerade in diesen Tagen eine Vielzahl von Themen, die wir mit der chinesischen Seite gerne besprechen wollen“, jammerte eine Sprecherin.

Wenn die Bundesregierung die deutsche Wirtschaft und deren Lieferketten diversifiziere und die Wettbewerbsfähigkeit stärke, wolle man mit China zusammenarbeiten. Außerdem würden deutschen Unternehmen Handelsbeschränkungen vor allem in den Bereichen seltene Erden und Halbleiter große Sorgen bereiten. Und schließlich seien die Sicherheit Asiens und Europas eng miteinander verbunden. „Unser Interesse ist, dass China dazu beiträgt, einen gerechten und dauerhaften Frieden in der Ukraine zu erreichen“, da kein anderes Land habe so viel Einfluss auf Russland habe wie China. „Wir sind weiter sehr daran interessiert, uns partnerschaftlich zur gesamten Themenpalette auszutauschen. Wir bedauern sehr, dass es in den nächsten Tagen entgegen gemeinsamer Planungen kurzfristig dazu keine persönliche Gelegenheit geben wird“, hieß es weiter. Wadephul wolle sich sehr bald telefonisch mit seinem chinesischen Amtskollegen intensiv austauschen. Dieser dürfte nicht sonderlich erpicht darauf sein, sich von dem außenpolitischen Gernegroß aus Schleswig-Holstein weitere Lektionen anzuhören.

50 Jahre nach Schmidts bahnbrechendem China-Besuch ist Merz-Deutschland lächerlicher Zaungast

Deutschland erhält mit dieser schallenden Ohrfeige ein weiteres Mal die Quittung für die Großmäuligkeit, mit der seine grotesk unfähigen Politiker alle Welt belehren und ermahnen, während sie ihr eigenes Land zugrunde richten. Dazu braucht man gar keine Witzfigur wie Annalena Baerbock mehr. Immer wieder hatte Wadephul es für nötig gehalten, China für seine aggressive Politik im Indopazifik und gegenüber Taiwan, das China als sein Territorium betrachtet, kritisiert – und das natürlich öffentlich, wie es im neuen Deutschland üblich ist. Anstatt einfach den Mund zu halten und zu versuchen, hinter den Kulissen eine Entspannung zu erwirken, pöbeln deutsche Politiker andere Regierungen lautstark an und verhalten sich mehr und mehr wie das Deutsche Reich unter Wilhelm II. – allerdings ohne auch nur ansatzweise über dessen wirtschaftliche, militärische und kulturelle Macht zu verfügen. Völlig ahnungslose Parteiapparatschiks, die zufällig in hohe Ämter gespült wurden, ziehen als peinliche Maulhelden durch alle Welt und erklären dabei auch Supermächten wie den USA und China, was sie alles falsch machen und dass man das nicht dulden werde, obwohl einem gar nichts anderes übrig bleibt, weil man ganz und gar von ihnen abhängig ist.

Auch Kanzler Friedrich Merz hatte Peking bereits in seiner typischen Art ausgerichtet: „Die chinesische Regierung hat ja entschieden, auch die Lieferung einzustellen, was kritische Rohstoffe betrifft. Wir wollen eine gemeinsame Lösung, aber die chinesische Staatsführung muss auch wissen, dass wir das nicht akzeptieren, was da gerade passiert“.
Der Zeitpunkt des Eklats um die geplatzte China-Reise Wadephuls könnte kaum symbolträchtiger sein: Fast auf den Tag genau vor 50 Jahren, am 31. Oktober 1975, besuchte Helmut Schmidt als erster Bundeskanzler China und etablierte damit die über Jahrzehnte hervorragenden Beziehungen zwischen beiden Ländern, deren Erhaltung er sich bis zu seinem Tod vor zehn Jahren verpflichtet fühlte. Anstatt sich als moralischer Großmeister aufzuspielen, agierten Schmidt und seine Nachfolger realpolitisch-pragmatisch gegenüber der aufstrebenden Supermacht. Davon ist inzwischen nichts mehr übrig. Die heutige deutsche Dilettantenriege zerstört auch in dieser Beziehung alles, was frühere Generationen mühsam und weitsichtig aufgebaut haben.

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