Während die Berliner Staatsanwaltschaft Menschen wie den Medienwissenschaftler Norbert Bolz oder „Nius“-Chefredakteur Julian Reichelt wegen harmloser Tweets verfolgt, herrschen in der deutschen Hauptstadt mancherorts geradezu kriegsartige Zustände: Am Montagmorgen wurde auf der Potsdamer Chaussee auf ein Auto geschossen. Dabei wurde ein 34-jähriger Mann verletzt, der oder die Täter konnten fliehen. Mitte des Monats gab es in Kreuzberg an zwei Tagen nacheinander Schießereien: Einmal wurde auf einen Mann und seine beiden Schwestern geschossen, einen Tag später wurden mehrere Schüsse aus einem fahrenden Auto abgegeben. Zwei Männer wurden verletzt, auch ein Bus wurde von den Kugeln getroffen.
In Schöneberg wurden letzte Woche mehrere Menschen und ein Auto beschossen. Allein in diesem Monat gab es an mindestens sieben Orten in Berlin solche Vorfälle. Laut Kriminalstatistik wurde 2024 in 303 Fällen mit einer Schusswaffe gedroht, in 363 Fällen wurde geschossen. Nachdem die Zahlen 2021 wegen der Corona-Lockdowns stark nach unten gingen, steigen sie seither stetig an. Carsten Pfohl, der Leiter des Rauschgiftdezernats im Berliner Landeskriminalamt, spricht von einer „Durchbewaffnung der Szene“. Bei Durchsuchungen würden „sehr häufig scharfe Schusswaffen“ festgestellt.
Waffenhändler festgenommen
So habe man vor einiger Zeit bei einer Durchsuchung ein Sturmgewehr und eine Uzzi-Maschinenpistole gefunden. Es sei schon schlimm genug, wenn die Täter mit einer Pistole herumliefen, wenn sie aber schon vollautomatische Waffen hätten, werde ihm „schon ein bisschen anders“. Es werden auch zunehmend Waffen beschlagnahmt, die unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fallen, wie etwa vollautomatische Schnellfeuergewehre. 2023 gab es 35 solcher Fälle, für das vergangene Jahr liegen noch keine Zahlen vor.
Im nordrhein-westfälischen Remscheid wurden diese Woche Hunderte Kriegswaffen gefunden. Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert sprach von einen der größten Funde von Kriegswaffen in dem Bundesland. Drei mutmaßliche Waffenhändler wurden festgenommen. Waffen- und Drogenhandel nehmen immer größere Ausmaße an. Dass es nicht mehr Opfer gab, ist laut Polizei vor allem darauf zurückzuführen, dass die Kriminellen untrainiert im Umgang mit den Waffen seien. „Dass die Kriminellen nicht richtig zielen können, macht es aber nicht besser“, sagt ein Polizist. Das erhöhe die Gefahr, gänzlich Unbeteiligte zu treffen.
In Berlin herrschen also Zustände, die an das Chicago der Prohibitionszeit vor 100 Jahren erinnern, nur dass die Waffen noch gefährlicher sind. Auf offener Straße wird auf Menschen geschossen, jederzeit kann es Tote geben – und die Berliner Politik bleibt untätig und kümmert sich lieber darum, falsche Meinungen zu verfolgen. (TPL)























