Die Toleranz der EU gegenüber der Ukraine kennt nicht nur in finanzieller Hinsicht keine Grenzen, auch was das Personal des ukrainischen Establishments betrifft, hat man keinerlei Berührungsängste, so fragwürdig es auch sein mag. So ist etwa Oleksij Hontscharenko seit zehn Jahren Mitglied der Ständigen Delegation des ukrainischen Parlaments bei der Parlamentarischen Versammlung des Europarates und unterhält beste Beziehungen zu EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.
Allerdings steht seit Jahren der Verdacht im Raum, dass Hontscharenko eine Schlüsselfigur beim Massaker von Odessa vom 2. Mai 2014 war. Damals wurden 42 prorussische Aktivisten in einem Gewerkschaftshaus in der südukrainischen Hafenstadt lebendig verbrannt oder erstickten. Die genauen Hintergründe sind bis heute nicht aufgeklärt. Die UNO kam zu dem Schluss, dass die polizeilichen Ermittlungen „ineffektiv, einseitig und politisch-motiviert“ verlaufen seien. Die Behörden hätten nur das Fehlverhalten der „Pro-Föderalisten“ während der vorherigen gewaltsamen Zusammenstöße untersucht, nicht aber das Fehlverhalten der „Pro-Einheit“-Anhänger. Die Ermittlungen zum Feuer im Gewerkschaftsgebäude hätten zu keinen Ergebnissen geführt, keine der beiden Seiten sei angeklagt worden.
Odessa-Massaker bis heute totgeschwiegen
Bezeichnenderweise kam der Europarat jedoch zu dem Schluss, die Entscheidung, das Gewerkschaftsgebäude zu blockieren, sei von einigen der prorussischen Demonstranten gekommen. Die Demonstranten, die sich für eine geeinte Ukraine einsetzten, hätten es mehrheitlich nicht geschafft, das Gebäude zu stürmen. „Forensische Untersuchungen ergaben später, dass das Feuer an fünf Stellen ausgebrochen war (…). Abgesehen von dem Feuer in der Lobby konnten die Brände nur durch die Handlungen von Personen innerhalb des Gebäudes ausgelöst worden sein“, hieß es in dem Bericht.
Diese Gewissheit ist zumindest erstaunlich, denn Tatsache ist, dass der Fall bis heute nicht eindeutig aufgeklärt ist und somit auch der Verdacht gegen Hontscharenko nicht völlig ausgeräumt werden konnte. Wikipedia-Leser erfahren darüber jedoch kein einziges Wort. Das bis heute totgeschwiegene Odessa-Massaker und dessen mögliche Beteiligung werden mit keinem einzigen Wort erwähnt. Wo rechten und konservativen Politikern selbst bei eindeutig widerlegten Vorwürfen oder selbst verbalen Entgleisungen, die Jahre zurückliegen, mindestens das Attribut „umstritten“ verpasst wird, findet sich im Eintrag von Hontscharenko nichts dergleichen, nicht einmal die Behauptung, dass die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen haltlos seien. Auch dies zeigt, dass für die Ukraine völlig andere Maßstäbe gelten. (TPL)






















