Nicole Höchst MdB; Bild: Nicole Höchst
Nicole Höchst (MdB) vom AfD-Landesverband Rheinland-Pfalz
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Höchst brisant: Der 9. November ist ein Tag, der uns prüft!

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Es gibt Tage, an denen die Geschichte uns anblickt. Der 9. November ist so ein Datum. Er verlangt, dass wir ebenfalls genauer hinsehen – und dass wir fühlen / von Nicole Höchst

Kein anderes Datum trägt so viel deutsches Schicksal in sich wie der 9. November. Dieses Datum vereint Revolution und Unterdrückung, Verbrechen und Befreiung, Hoffnung und Verantwortung.

Am 9. November 1848 wird Robert Blum, Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung, in Wien erschossen. Ein Demokrat, der an die Macht des Wortes glaubte, nicht an die Gewalt der Bajonette. Sein Tod durch diesen „Schuss auf die Freiheit“ – trotz parlamentarischer Immunität – war ein Signal an alle, die für Freiheit kämpften: Die alten Mächte wollten keine Veränderung. Blum wurde zum Märtyrer des freiheitlichen Gedankens. Sein Name steht für das erste, noch zarte Ringen der Deutschen um Demokratie.

Genau 70 Jahre später, am 9. November 1918, wird das Ende der Monarchie vollzogen: Philipp Scheidemann vom Balkon des Reichstags die Republik aus, nur Stunden bevor Karl Liebknecht eine „freie sozialistische Republik“ verkündet. Deutschland steht zwischen zwei Visionen, zwischen Chaos und Neubeginn.
Die Monarchie fällt, die Weimarer Republik entsteht – ein demokratisches Experiment, das von Anfang an unter Druck steht und scheiterte, aber zeigt: Die Idee der Freiheit lebt weiter.

Abgründe und Hoffnung

Am 9. November 1923 dann folgt der gescheiterte Putsch der Nazis: Nur fünf Jahre später versucht Adolf Hitler in München, mit dem sogenannten Hitler-Ludendorff-Putsch, die Macht an sich zu reißen. Er scheitert, 16 Nationalsozialisten und 4 Polizisten sterben. Hitler wird verhaftet – doch der Prozess wird seine politische Geburtsstunde. Er nutzt das Gericht als Bühne, und aus der Schmach wächst seine spätere Herrschaft. Ein bitterer Wendepunkt: Der 9. November zeigt, dass gescheiterte Gewalt nicht das Ende sein muss – wenn eine Gesellschaft nicht wachsam bleibt.

1938 kommt es zu Nacht der brennenden Synagogen: In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brennen in ganz Deutschland Synagogen. Jüdische Geschäfte werden geplündert, Wohnungen zerstört, Menschen misshandelt und ermordet. Offiziell sprechen die Behörden von 91 Toten – Historiker gehen von mehreren Hundert aus. Viele Juden werden in dieser Nacht erschlagen oder in den Selbstmord getrieben, 30.000 Männer in Konzentrationslager verschleppt. Es war kein spontaner Volkszorn, sondern eine gezielte Aktion der NSDAP. Die Novemberpogrome markieren den Übergang von Diskriminierung zu systematischer Vernichtung – den Beginn des Weges in die Shoah.

Der 9. November 1989 dann ist die Nacht, in der die Mauer fiel! Und wieder dieses deutsche Datum. Diesmal wird er zum Tag der Befreiung.
Nach Monaten des Protests, mutiger Bürger und stiller Gebete verkündet Günter Schabowski auf einer Pressekonferenz eine neue Reiseregelung – „sofort, unverzüglich“. Missverstanden, falsch kommuniziert, aber geschichtsmächtig. Tausende DDR-Bürger drängen zu den Grenzübergängen, vor allem an der Bornholmer Straße. Der Grenzoffizier Harald Jäger öffnet die Schlagbäume – gegen Befehle, gegen Angst, für die Menschlichkeit. Es fallen keine Schüsse. Stattdessen fallen Tränen, Zäune, Mauern. Der Mauerfall war kein Werk der Regierenden, sondern der Mutigen von unten. Das Volk selbst hat Geschichte geschrieben.

Ein Tag, der uns verpflichtet

Der 9. November vereint alles, was Deutschland ausmacht: Mut, Irrtum, Schuld, Größe und Erlösung. Er ist kein Feiertag, sondern ein Prüfstein – an dem wir uns immer wieder messen müssen. Die roten Rosen auf dem Kranz erinnern an Blut und Opfer. Die weißen Blumen an Unschuld und Hoffnung. Die schwarz-weiße Schleife an die Verantwortung, der wir uns nicht entziehen dürfen. Freiheit, die einmal errungen wurde, ist nie selbstverständlich. Sie stirbt, wenn wir sie vergessen. Und sie lebt, wenn wir sie verteidigen – mit Herz, mit Haltung, mit Menschlichkeit.

Der 9. November ist kein ferner Geschichtstag. Er ist ein Spiegel – und wir sind es, die hineinschauen müssen. Zum Gedenken – für alle, die litten, kämpften, glaubten und hofften!

 

 

 

 

 

Zur Person:

Nicole Höchst, Jahrgang 1970, ist AfD-Bundestagsabgeordnete aus Rheinland-Pfalz. Sie trat 2015 in die AfD ein und ist seit 2017 Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis 201 (Bad Kreuznach/Birkenfeld). Dort ist sie unter anderem als ordentliches Mitglied und Obfrau des Bildungsausschusses und als Sprecherin der AfD-Fraktion für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung tätig. Ferner ist sie stellvertretendes Mitglied in den Ausschüssen für Familie, Senioren und Jugend sowie für Digitales. Höchst ist desweiteren Delegierte des Deutschen Bundestages in den Europarat für die AfD-Fraktion und stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums der Desiderius-Erasmus-Stiftung.

Bis 2012 unterrichtete sie als Studienrätin am Staatlichen Speyer-Kolleg, anschließend war sie bis Oktober 2017 Referentin am Pädagogischen Landesinstitut (vormals IFB). Höchst war 2015 Mitglied der AfD-Bundesprogrammkommission und ist stellvertretende Vorsitzende des AfD-Kreisverbands Speyer. Sie ist katholisch, hat vier Kinder und lebt mit ihrer Familie in Speyer, wo sie auch Stadträtin ist.

Auf jouwatch veröffentlicht Nicole Höchst alle 14 Tage die kritische Kolumne „Höchst brisant“ zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen. Der erste Jahrgang dieser Kolumnen ist auch in Buchform erschienen. Unter demselben Titel veröffentlicht sie in unregelmäßigen Abständen Videobeiträge auf ihrem YouTube-Kanal.

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