Obwohl Hikel (r.) seine Partei nicht nur physisch überragt, verpassten ihm seine eigenen Genossen ein faktisches Misstrauensvotum - mit Folgen (Foto:Imago)
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Weil er Clans den Kampf ansagte: Berliner SPD-Realitätsverweigerer fallen eigenem Co-Landeschef und Bürgermeisterkandidat in den Rücken

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Es ist der Tod einer Volkspartei: Die mittlerweile im Status einer Kleinpartei angelangte SPD, in manchen ostdeutschen Ländern  schon in stramm auf Kurs Richtung  5-Prozent-Hürde, setzt ihren Schussfahrt in Richtung extremistische Splitterpartei fort. In Berlin-Neukölln sorgten die Genossen nun für ein neues Politbeben. Martin Hikel, der 39-jährige und 2,08 Meter große Bezirksbürgermeister von Neukölln, hat überraschend auf eine erneute Kandidatur 2026 verzichtet – weil seine eigene Partei ihm eine schallende Ohrfeige verpasste. Als Co-Landesparteichef der SPD galt er als gesetzt für die erneute Kandidatur im Amt des Bezirksbürgermeisters – doch bei der internen Kandidatenwahl am Wochenende holte er nur 68,5 Prozent der Stimmen. „Das Ergebnis gibt mir nicht genug Rückenwind für einen erfolgreichen Wahlkampf“, begründete Hikel seinen Rückzug.

Der Grund für die Klatsche: In einem Anflug von Pragmatismus hatte sich Hikel mutig dem Ziel verschrieben, bis Amtsende voll auf bürgernahe Politik für den Bezirk zu konzentrieren – und zwar inklusive Kämpfen gegen kriminelle Clans. Die Entscheidung löste einen „Super-GAU“ in der Neuköllner SPD aus: Parteilinke und Jusos warfen Hikel vor, zu medienwirksam bei Clan-Einsätzen aufzutreten, den Begriff „antimuslimischer Rassismus“ zu scheuen und zu wenig mit der Basis zu kommunizieren. Die Gegenstimmen bei der Kandidatenaufstellungen sollten daher ein „Denkzettel“ für Hikel sein. Tatsächlich führten sie bei diesem offenbar zu der Erkenntnis, dass mit dieser entrückten Radikalenbasis kein Staat mehr zu machen ist.

Jetzt rollen die Krokodilstränen

Die Folge: Hikel erklärte seinem vollständigen Verzicht – ein „nicht eingeplanter Unfall“, wie ein Parteimitglied es nennt, denn die Hauptstadt-SPD- verliert damit einen ihrer wenigen charismatischen und fähigen Realpolitiker. Andere vermuten ein eiskaltes Kalkül seiner Gegner. Und das, wo die SPD im einst roten Berlin nur noch zwei Bezirksbürgermeister stellt. Jetzt rollen die Krokodilstränen; viele in der Partei “bedauern” Hikels (erwartbaren!) Schritt.

Vor dem Landesparteitag am 15. November, wo Steffen Krach als Spitzenkandidat gekürt werden soll, trifft dieser Verzicht eines populären Kandidaten die SPD besonders hart. Ob Hikel sein Amt als Berliner Co-Parteichef ebenfalls aufgeben wird, ist unklar. Was die Lage verkompliziert: Hikels Vorgängerin Franziska Giffey, einst Regierende Bürgermeisterin, wurde gerade vor kurzem nicht mehr für die Bezirksliste nominiert – und das, obwohl in Neukölln startete 2015 ihre Karriere startete, bis 2018 die Bezirksbürgermeisterin in der Großen Koalition als Bundesfamilienministerin berief. Nun scheitert sie mit hoher Wahrscheinlichkeit schon am Einzug ins Abgeordnetenhaus. Die Fälle Hikel und Giffey offenbaren den Absturz der einstigen großen Partei Willy Brandts zu einer prekären Extremistentruppe von Underperformern, die nicht einmal mehr zu taktischen Geschlossenheit nach außen fähig ist. Die Partei muss nun möglicherweise ihr komplettes Berliner Spitzenteam noch in diesem Jahr neu aufstellen. (TPL)

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