Nach den neuen Berichten über die dubiosen Geschäftspraktiken von Kulturstaatsminister Wolfgang Weimer, zeichnen sich nun die ersten vorsichtigen Absetzbewegungen aus der Politik ab: die bayerische Staatsregierung hat ein Compliance-Verfahren eingeleitet, mit dem ihr Engagement für den Ludwig-Erhard-Gipfel überprüft werden soll. Der Freistaat fördert die Weimer Media Group, die zur Hälfte Weimer und zur anderen dessen Ehefrau gehört. Damit wackelt auch der Staatsempfang für den von Weimers Unternehmen veranstalteten Erhard-Gipfel im April 2026. Daran sollen der bayerische Ministerpräsident Markus Söder und mehrere seiner Minister sowie vier Bundesminister teilnehmen.
Der ewige Opportunist Söder, der auch als Schirmherr der Veranstaltung auftritt, hat offenbar erkannt, dass Weimer nach dem, was das Portal „Apollo News“ enthüllt hat, endgültig nicht mehr zu halten ist. Aus den Geschäftsunterlagen geht hervor, dass Weimers Medienunternehmen Wirtschaftsvertretern „Einfluss auf die politischen Entscheidungsträger“ verkauft. Dabei werden mehrere „Kooperationspakete“ zu 40.000, 60.000 und 80.000 Euro angeboten. Wer den Höchstpreis bezahlt, hat Zugang zu einem exklusiven Abendessen, an dem auch „die Minister“ teilnehmen. Einem potentiellen Kunden empfahl eine Weimer-Mitarbeiterin, „auf eines der höheren Pakete“ zurückzugreifen, „nämlich das Matterhorn Paket, das Redner-Präsenz auf der Konferenz einschließt, eine große Standpräsenz im Konferenzzentrum und die Teilnahme an der exklusiven Executive Night, wo auch die Minister teilnehmen werden. Ich denke, darunter sollten Sie es mit ihrem Anliegen nicht machen, aber das liegt natürlich in Ihrem Ermessen“.
Aus für das “bayrische Davos”?
Ein Mitglied der Bundesregierung betreibt also ein Medienunternehmen -was an sich schon ein Skandal ist, der zu dessen sofortiger Entlassung führen müsste- und nutzt dieses Unternehmen dann auch noch, um Kontakte zu anderen Regierungsmitgliedern zu verkaufen. Der Ludwig-Erhard-Gipfel ist die Haupteinnahmequelle der Weimer Media Group. Letzten Monat war bekanntgeworden, dass Weimer auf der Plattform „The European“ hunderte Personen, von Alice Weidel, Oskar Lafontaine, Alexander Dobrindt bis hin zu Brad Pitt und Papst Franziskus (!) als Autoren auflistet. Dadurch wurde der absurde Eindruck erweckt, all diese Persönlichkeiten würden freiwillig und wissentlich dort publizieren. In Wahrheit wussten die meisten gar nichts davon. Weimer ließ einfach öffentlich verfügbare Reden und Texte verwursten und stellte es so dar, als handele es sich um eigene Beiträge für den „European“. Dieser dient jedoch vor allem als Vehikel zur Bewerbung des Erhard-Gipfels.
Allein das Land Bayern unterstützte die Veranstaltung zuletzt mit fast 300.000 Euro Steuergeld. Söder hatte von einem „bayerischen Davos“ geschwärmt. Seine plötzliche Kehrtwende sollte auch für Bundeskanzler Friedrich Merz, einem engen Vertrauten Weimers, nun das Signal sein, dass dieser nicht mehr zu halten ist. Ein solch dreistes Gebaren ist selbst nach den niedrigen moralischen Maßstäben, die in diesem Land inzwischen gelten, nicht mehr zu rechtfertigen. (TPL)






















