Die Damnatio Memoriae gegen Künstler aus der NS-Zeit geht weiter. Die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (Spio) entzog nun unter anderem Heinz Rühmann, Leni Riefenstahl und zwölf weiteren Personen nachträglich ihre Ehrenmedaille. Grundlage dafür ist eine Studie zur NS-Vergangenheit ihres Führungspersonals und der Preisträger, die nach eigenen Angaben vor dem Hintergrund des 100-jährigen Bestehens der Organisation und des aktuellen Erstarkens rechtsextremer Ansichten innerhalb der Gesellschaft in Auftrag gegeben wurde.
„Die Spio hat aus einer tief empfundenen gesellschaftspolitischen Verantwortung heraus entschieden, die NS-Vergangenheit des Führungspersonals der Spio sowie der Preisträger*innen der Ehrenmedaille wissenschaftlich aufarbeiten zu lassen“, erklärte ihr Präsident Peter Schauerte. „Uns war klar, dass wir mit Belastungen von Personen aus der Vergangenheit und eigenen Fehlern konfrontiert werden. Elementar war, mit der Studie eine wissenschaftlich fundierte Basis zu haben, um adäquate Konsequenzen ziehen zu können“. Es gehe um eine „Korrektur historischer Fehlentscheidungen“. Die betreffenden Preisträger seien in der Studie des Münchner Instituts für Zeitgeschichte als „NS-belastet“ oder „NS-konform“ eingestuft worden. Die Aberkennung der Ehrenmedaillen solle „ein klares Zeichen gegen den wieder erstarkenden Rechtsextremismus, aber auch gegen jede andere Form von Extremismus, Rassismus, Diskriminierung und Hetze setzen“.
Tagespolitisches “Zeichen” setzen
In Zukunft soll die Ehrenmedaille in ihrer bisherigen Form nicht mehr verliehen werden. Stattdessen plant die Spio einen neuen Preis, der neben besonderen Leistungen in der Filmwirtschaft auch gesellschaftspolitisches Engagement für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit würdigen soll. Die für das Filmschaffen notwendige kreative und inhaltliche Freiheit „gelingt nur in einer freiheitlichen Demokratie“, erklärte Spio-Vizepräsidentin Julia Maier-Hauff.
Abgesehen davon, dass die allermeisten herausragenden künstlerischen Leistungen nicht in Demokratien entstanden sind, geht es hier also vor allem darum, ein tagespolitisches Zeichen zu setzen. Das angebliche Erstarken rechtsextremer Ansichten innerhalb der Gesellschaft ist natürlich Unsinn und bezieht sich unausgesprochen auf die AfD. Der völlig links dominerte Kulturbetrieb will sich dadurch wieder einmal bei seinen politischen Förderern lieb Kind machen. Mit solchen Argumentationen kann man fast jeden im Nachhinein verdammen. Sicherlich kann man den Entzug der Auszeichnung für Riefenstahl aufgrund ihrer tiefen Verstrickung mit dem NS-Regime noch nachvollziehen. Heinz Rühmann war jedoch über Generationen einer der beliebtesten Schauspieler Deutschlands. Anstatt auf fragwürdiges Verhalten der Preisträger hinzuweisen und sie in ihrer Widersprüchlichkeit stehen zu lassen, bricht man posthum den Stab über sie und inszeniert sich damit selbst als Musterdemokrat. Gerade ein solches Verhalten lässt einen jedoch eher vermuten, dass solche Verbände und ihre Funktionäre sich im Dritten Reich nicht anders verhalten hätten als die, über die sie nun 80 Jahre später urteilen. (TPL)























